Ganz spontan zum Titel

Hannes Herrmann vom MSC Thalheim hat bei der WM der Internationalen Bike-Trial-Union überraschend Gold geholt. Zu diesem Start hatte er sich kurzfristig entschieden.

Bolotana/Chemnitz.

Fahrradtrialer Hannes Herrmann hat seiner großen Medaillensammlung einen weiteren Titel hinzugefügt. Bei der WM des Verbandes International Bike Trial Union (BIU), der ausschließlich Spezialisten dieser Disziplin vereint, holte sich der 29-Jährige mit einer souveränen Vorstellung in Bolotana auf der Mittelmeerinsel Sardinien Gold bei den Senioren. Der Chemnitzer, der für den MSC Thalheim startet, setzte sich gegen 17 Kontrahenten aus aller Welt durch. Diese kamen zum Beispiel aus Neuseeland, Australien oder Südafrika. "Ich freue mich riesig über diesen Titel, für mich ein ganz toller Erfolg. Er zeigt mir auch deutlich, was man erreichen kann, wenn man den Kopf frei hat", freute sich Hannes Herrmann, bevor er zu einem Filmdreh mit einem privaten Fernsehsender fuhr.

Dabei war die Vorbereitungs- und Trainingszeit für den Routinier sehr eingeschränkt. "Die Entscheidung, bei dieser WM zu starten, fiel sehr kurzfristig, erst rund zwei Wochen zuvor", berichtete er. Dabei ordnet er diesen Sieg realistisch ein, denn die WM des Rad-Weltverbandes (UCI) besitzt eine wesentlich höhere Bedeutung. An dieser nahm Hannes Herrmann mehrfach teil, holte mit dem deutschen Team Gold (2014) und Silber (2012). In der Einzelkonkurrenz fuhr der Sachse bislang meist ins Finale. Da er aus beruflichen Gründen inzwischen die Prioritäten anders setzt und die weltbesten Kontrahenten als Vollprofis ihren Sport betreiben, sind seine Aussichten weitaus geringer. Dort sei für ihn ein Ergebnis zwischen Rang 10 bis 15 machbar. In diesem Jahr hat er einen Start bei dieser WM im November in Chengdu (China) nicht im Visier. "Die Aufgaben für die Firma gehen vor", begründete der mehrfache Deutsche Meister.

Von der WM schwärmt Hannes Herrmann, der in seiner Karriere auch zweimal bei EM auf dem Podest stand. "Der Wettkampf fand komplett in freier Natur statt. Es war das krasse Gegenteil zu vielen anderen mit den künstlich angelegten Sektionen. Es ging vor allem über bemooste Felsen, etwas völlig anderes", erzählte er. Lag er am ersten Tag noch auf dem zweiten Rang, so übernahm er am zweiten die Führung und gab diese nicht mehr ab.

Seine Disziplin sieht Hannes Herrmann als gute Schule für das Leben. "In meinem Beruf kann ich vieles umsetzen, was ich als Trialsportler gelernt habe. Man muss spontan Lösungen für Probleme finden, es gibt vorher keinen Testlauf. Es muss einfach funktionieren. Der Sport fördert außerdem in erheblichem Maß die Koordination und schult den Charakter", wertet der Abteilungsleiter bei der Sander-Fördertechnik. Besonders für Kinder sei das wichtig. Deshalb gibt er sein Wissen gern weiter, zum Beispiel auch bei Fahrtechniklehrgängen. In seinem Heimatverein sieht Hannes Herrmann, der sein Können auch oft bei Showauftritten zeigt, eine ganze Reihe von jungen Talenten heranwachsen. Wie zum Beispiel den neunjährigen Ben Roder, der überraschend deutscher Meister seiner Altersklasse wurde und bei den Weltjugendspielen das Finale nur knapp verpasste.

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