Getrennte Wege bis zur WM

Turnweltmeisterin Pauline Schäfer und ihre Trainerin Gabi Frehse vom TuS Chemnitz-Altendorf haben sich darauf geeinigt, bis zum Saisonhöhepunkt Ende Oktober ihre Zusammenarbeit auszusetzen. Die Zukunft bleibt offen.

Pauline Schäfer gewann im Oktober 2017 WM-Gold am Schwebebalken, 2015 hatte sie WM-Bronze erkämpft.
Gabi Frehse - Trainerin

Für Sie berichtet: Martina Martin

Vor fast genau einem Jahr krönten sie ihre bisherige Zusammenarbeit: Pauline Schäfer gewann bei der WM in Montreal überraschend die Goldmedaille am Schwebebalken. Auch für ihre Trainerin Gabi Frehse war es nach Olympiabronze von Sophie Scheder am Stufenbarren ein Jahr zuvor in Rio ein weiterer grandioser Triumph. Nun, elf Monate später, hat sich das Erfolgsduo geeinigt, eine Auszeit zu nehmen. In den noch verbleibenden Wochen bis zur WM, die Ende Oktober in Doha stattfindet, wird die 21-Jährige einen anderen Weg gehen. Danach soll es eine neue Entscheidung geben.

"Unsere Vorstellungen, wie man sich auf Wettkämpfe vorbereitet, waren völlig unterschiedlich geworden. Es hat die gemeinsame Basis gefehlt, gab immer mehr Differenzen in der Trainingsgestaltung", meinte Gabi Frehse im "Freie-Presse"-Gespräch. "Es war ein schleichender Prozess, es hat sich so entwickelt. Wie es auch manches Mal in einer Ehe ist. Es ging einfach so nicht weiter", fügte sie hinzu. Sicher gehörten in den bislang sechs Jahren der Zusammenarbeit immer mal Meinungsverschiedenheiten dazu, was nichts Außergewöhnliches in einer Trainer-Sportler-Beziehung ist. Beide rauften sich aber immer wieder zusammen. Und die stete Leistungsentwicklung bis in die Weltspitze ist der Beweis dafür, dass sich diese Reibereien bisher eher positiv auswirkten. Pauline Schäfer hatte das auch selbst mehrfach betont. "Wenn mich meine Trainerin nicht täglich so durch die Halle scheuchen würde, wäre ich nie Weltmeisterin geworden. Ich brauche diesen Antrieb", unterstrich sie beispielsweise in ihrer Dankesrede auf der Sächsischen Sportlergala Anfang Januar mit der Siegerkrone in der Hand.

An einem gewissen Punkt trafen beide dann gemeinsam diese Entscheidung. "Natürlich bin ich traurig, dass es dazu gekommen ist. Aber jetzt geht es nur darum, dass sich Pauline bestmöglich auf die WM vorbereiten kann. Es wurde eine Lösung in ihrem Interesse gefunden. Ich wünsche ihr sehr, dass sie weiter erfolgreich ist", sagte Gabi Frehse. Pauline Schäfer selbst sieht in der Veränderung auch eine Chance. "Es war einfach wichtig, dass nach Jahren der erfolgreichen Zusammenarbeit neue Trainingsreize und eine neue Organisationsform für mich gefunden werden" erklärte die gebürtige Saarländerin, die 2012 nach Sachsen wechselte und auch am Bundesstützpunkt (BSP) in Chemnitz bleibt. Beim nunmehr praktizierten Modell wird Cheftrainerin Ulla Koch die sportfachliche Betreuung übernehmen, die Trainingspläne erarbeiten. Bei ihren Übungseinheiten vor Ort erhält sie zudem Hilfe von der Männerabteilung des KTV. Um die organisatorischen Dinge im Umfeld der siebenfachen Deutschen Meisterin kümmert sich vor allem Hans Müller in seiner Funktion als Leiter des BSP. "Diese Konsequenz hat mich schon überrascht. Aber ich hoffe, dass wir bei einem Gespräch nach der WM mit allen Beteiligten eine gute Lösung finden, wie es weitergeht", meinte der 66-Jährige.

Am nächsten Sonnabend findet in Stuttgart die erste Qualifikation der Frauen und Männer für die WM statt. Endgültig werden die Tickets für die Titelkämpfe dann bei den Deutschen Meisterschaften, die am 29. und 30. September in der Arena Leipzig stattfinden, vergeben. Neben Pauline Schäfer kämpfen aus Chemnitz Sophie Scheder sowie Andreas Bretschneider und Ivan Rittschik um eine Nominierung.

0Kommentare Kommentar schreiben