Goldene Premiere bei den Skispringerinnen

Erstes WM-Teamspringen für die Damen. Und wieder einmal ging es erfolgreich aus für Deutschland. Dabei hing die Premiere am seidenen Faden.

Seefeld.

Am Ende begruben die die deutschen Mädels ihre Finalspringerin Katharina Althaus in einem Freudenknäuel unter sich. Im Schanzenauslauf der Toni-Seelos-Schanze regierte die Glückseligkeit bei Juliane Seyfarth, Ramona Straub, Carina Vogt und Althaus, die gemeinsam kaum Zweifel an ihrer Goldmission aufkommen ließen. Nur die Olympiasiegerin und Weltmeisterin Vogt erwischte den zweiten Versuch mit 92,5 Metern nicht optimal, was die Gastgeberinnen auf 8,8 Zähler heranbrachte. Doch das Duell der 33 Jahre alten Altmeisterin Daniela Iraschko-Stolz und Althaus entschied die Deutsche für sich. Bundestrainer Andreas Bauer atmete durch: "Das waren wider Erwarten schwierige Windverhältnisse. Aber die Mädels haben das toll gemacht, allen voran Ramona. Aber auch Katharina hat noch einen rausgehauen, als es drauf ankam."

Erst vor vier Wochen hatte der Österreichische Skiverband beim Ski-Weltverband den Antrag auf den ersten Teamwettkampf der skispringenden Damen bei einer WM gestellt. Aus Marketing- und damit finanziellen Überlegungen zog sich die Absicht, einen 22. Wettbewerb bei diesen Titelkämpfen auszutragen, lange Zeit hin. "Das ist schon ein Riesenerfolg, dass sich in dieser kurzen Zeit elf Nationen gefunden haben", sagte Bauer. Letztlich setzte Deutschland seine gute Beziehung zu Premierenveranstaltungen im Damenskispringen fort: Bei der ersten offiziellen Junioren-WM 2006 in Kranj siegte Juliane Seyfarth. Carina Vogt holte 2014 in Sotschi bei Olympia Gold. Der erste WM-Titel im Einzel ging dagegen auf das Konto von Lindsey Van. Das war bereits 2009 in Liberec. Damals gewann Ulrike Gräßler vom VSC Klingenthal Silber. Auch der erste Weltcupsieg im Dezember 2011 ging in die USA: Sarah Hendrickson triumphierte in Lillehammer. Nun also wieder Deutschland ganz oben. Die Favoritenrolle hatte das Quartett angenommen und bewältigt. "Freie Presse" stellt die vier Goldmädels vor.

 

Juliane Seyfarth: Die 29-jährige Thüringerin erlernte in Ruhla bei Klaus Baacke, dem Vater von Kombinierer-Weltmeister Marko, das Abc des Skisports. In ganz jungen Jahren war sie auf Alpinski unterwegs. 2012 wechselte die immer geschminkte Seyfarth nach Oberstdorf, wo sie bei Trainerin Cathrin Schmid reifte und in diesem Winter ihre größten Fortschritte machte.

 

Ramona Straub: Bärenstark sprang die Schwarzwälderin, deren Karriere schon mal am seidenen Faden hing: Im Dezember 2014 zog sie sich bei einem Sturz in Lahti einen Kreuzbandriss zu. Erst im Dezember des Vorjahres erklomm die 25-Jährige vom SC Langenordnach erstmals das Weltcuppodium. "Ich war heute so gut drauf, dass sogar schlechte Sprünge funktionierten", strahlte Straub über Team-Gold.

 

Carina Vogt: Die 27-Jährige hat schon mehrfach bewiesen, dass sie sich zum Saisonhöhepunkt in Topform bringen kann. So wurde sie zweimal Einzel-Weltmeisterin (2015, 2017) sowie 2014 Olympiasiegerin. Danach dankte sie ihrer Mutter öffentlich per Videobotschaft: "Ohne sie stünde ich nicht da oben. Sie hat mich immer bestärkt - auch wenn es Vorbehalte gegen unseren Sport gab." Die Bundespolizistin vom SC Degenfeld lässt sich übrigens auch gern fernab der Schanze fotografieren. Am Abend gab es Premierenfotos mit den Kolleginnen.

 

Katharina Althaus: Die 22 Jahre alte Oberstdorferin ist die stabilste Springerin seit vergangenem Winter. Der Sprungfloh (1,57 m/50 Kilo) bringt seine körperlichen Voraussetzungen in der Luftfahrt bestens zum Tragen. Und als es im Finale noch mal eng wurde, zeigte die Allgäuerin keine Nerven. Chefcoach Andreas Bauer lobte: "Das hat sie stark gemacht. Deshalb haben wir unsere Beste auch an den Schluss gesetzt."

Katha Hennig starke Elfte in der Klassikspur - Kombinierer Terence Weber bekommt WM-Start

Therese Johaug stürmte zu ihrem zweiten WM-Gold und konnte den Angriff der Jugend noch einmal abwehren. 12,2 Sekunden Vorsprung hatte die 30-Jährige nach 10 Kilometern im klassischen Stil vor Frida Karlsson. Die Schwedin hinterließ mit Silber eindrucksvoll eine Empfehlung auf ihre große Zukunft. Sollte die 19-Jährige gesund bleiben und keine groben Fehler begehen, wird man von der Skandinavierin noch viel hören.

Für die Erzgebirgerin Katharina Hennig (Foto) könnte dies in ähnlicher Art auch zutreffen. Rang elf, dasselbe Ergebnis wie vor zwei Jahren im Skiathlon bei der WM in Lahti, stimmte die 22-Jährige sehr zufrieden. Mit der 30 Sekunden hinter ihr gestarteten Karlsson konnte sie auch kurz mitlaufen, nachdem sie vom Riesentalent überholt worden war. "Am zweiten Berg musste ich sie aber ziehen lassen. Fast wäre es noch schief gegangen, dass ich mit ihr mitgegangen bin. Denn das hat mir am Ende etwas den Stecker gezogen", erklärte Hennig vom WSC Oberwiesenthal. In der Zwischenzeit bei Kilometer 6,7 lag sie bei sonnigen 13,1 Grad Celsius noch auf Rang sechs. Und auch am Ende fehlten nur knapp zwölf Sekunden zur fünftplatzierten Schweizerin Nadine Fähndrich.

Das lässt hoffen für die Staffel in naher und die Oberstdorfer Heim-WM 2021 in ferner Zukunft. Vor allem, wenn man die weiteren Ergebnisse der Läuferinnen von Disziplintrainer Erik Schneider anschaut. Laura Gimmler erreichte als 13. ihr mit Abstand bestes Ergebnis, auch Pia Fink (15.) überzeugte. Die Wahl-Allgäuerin Katha Hennig wurde fast sentimental bei diesen Resultaten auf dem Seefelder Plateau: "Ich freue mich riesig über meine Leistung, aber besonders über die Teamleistung. Wir haben lange und hart dafür gearbeitet. Schön, dass es so zusammengelaufen ist."

Kombinierer Terence Weber bekommt seinen WM-Einsatz. In der internen Ausscheidung setzte sich der Erzgebirger am Dienstag auf der Normalschanze gegen Manuel Faißt mit zwei Sprüngen auf 105,5 und 102,5 Meter klar durch. Am Donnerstag wird der Einzeltitel vergeben. tp

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