Happy End nach einer Fahrt wie in der Achterbahn

Turnerin Sophie Scheder kehrte mit Glücksgefühlen von der WM aus Doha zurück. Nach einer langen Zwangspause brachte sie ein Souvenir mit, das die Chemnitzerin nun noch zusätzlich motiviert.

Chemnitz.

Noch einmal in diesem Jahr muss sich Sophie Scheder einer Operation unterziehen und deshalb eine Pause einlegen. Doch dieser Eingriff kurz vor Weihnachten und die freien Tage danach sind langfristig geplant. Am linken Ringfinger hatte sie sich Anfang Juli einen Sehnenanriss zugezogen, nun werden eine Platte und Schrauben entfernt. Danach tankt sie noch einmal Kraft bei ihrer Familie in Wolfsburg, ehe dann ab Januar der Countdown für die nächsten Topereignisse beginnt: Da ragen die Heim-WM, die im Oktober in Stuttgart stattfindet, sowie die Sommerspiele 2020 heraus. Darauf ist bei der Kunstturnerin langfristig alles ausgerichtet.

"Es war so schön für mich, wieder dabei zu sein, auch das Flair zu genießen. Ich bin jetzt total motiviert, weiß, was möglich ist, wenn ich mal mit hundert Prozent trainieren kann. Da ist echt noch einiges drin", meint die Chemnitzerin voller Euphorie mit Blick auf die Zukunft. Diese Glücksgefühle brachte sie von der Weltmeisterschaft aus Doha mit. Dort gehörte sie zum deutschen Damenteam, das einen starken achten Platz schaffte. Der Finaleinzug gelang dabei seit 2011 erstmals wieder. Sophie Scheder hatte mit ihren Auftritten maßgeblichen Anteil daran, auch wenn noch nicht alles perfekt lief. Doch seit Olympia in Rio 2016, als sie mit Bronze am Stufenbarren einen sensationellen und ihren bislang wertvollsten Erfolg feierte, gelang ihr nach über zweijähriger Abstinenz ein bemerkenswertes internationales Comeback.

Sie fokussierte sich voll auf das Team, baute die Übungen auf, die in der Kürze der Zeit möglich waren. Realistisch eingeschätzt, stand dabei vorher fest, dass sie an ihrem Paradegerät nicht um Spitzenplätze mitkämpfen kann. Seit Juli durfte sie allein zehn Wochen wegen ihrer Handverletzung nicht stützen und so nicht an den Holmen üben. "Das Finale war nie ein Thema", sagt die 21-Jährige, die sich über diesbezüglich manch negative Schlagzeile ärgerte. Denn mit ihrem aktuellen Ausgangswert von 5,9 Punkten gibt es da keine Chance. Zum Vergleich: Weltmeisterin Nina Derwael aus Belgien kam auf 6,5 Zähler. Doch dieser aktuelle Unterschied deprimiert Sophie Scheder in keiner Weise. Im Gegenteil, beim Verfolgen des Finales als Zuschauerin erkannte sie umso mehr, dass die Konkurrenz nicht zu weit entrückt ist. Gemeinsam mit ihrer Trainerin Gabi Frehse hat sie schon eine Übung in petto, mit der sie genau auf diesen hochkarätigen Schwierigkeitsgrad von 6,5 kommt. In der Gesamtheit hat sie diese noch nicht geturnt, die einzelnen Elemente beherrscht sie bereits.

Die Wahlsächsin gratulierte der Weltmeisterin danach von Herzen, beide kennen sich inzwischen gut, respektieren sich sehr. Sie tauschten zudem T-Shirts aus - ein besonderes Erinnerungsstück, das bei Widrigkeiten künftig sicher auch eine aufbauende Wirkung besitzt. Doch Sophie Scheder hofft sehnlichst, dass es diese nur selten geben wird, vor allem gesundheitliche Probleme nicht der Auslöser sind. "Die WM war das Happy End einer Achterbahnfahrt, die ich erlebte", fasst die elegante Gerätkünstlerin die vergangenen Monate zusammen. Als sie immer wieder Rückschläge erleiden musste, kamen zwangsläufig auch mehrfach Zweifel auf.

Im Januar hatte sie nach einer komplizierten Knieoperation im April 2017 und intensiven Reha-Maßnahmen wieder mit dem speziellen Training begonnen. Ein hartnäckiges Virus und ein Muskelfaserriss im Oberschenkel zwangen sie zu Pausen. Nach der gelungenen Qualifikation für die EM Ende Juni vor heimischer Kulisse erlitt sie die Fingerverletzung; das kontinentale Championat in Glasgow fand ohne sie statt. Doch diese harten Phasen stand sie mit viel Geduld, auch mancher Träne, aber vor allem dank der moralischen Unterstützung ihrer Trainerin, von Psychologin Grit Reimann und ihrer Familie durch. "Ich wollte unbedingt zurückkommen, nie hinwerfen", berichtet die zweifache Silbermedaillengewinnerin der Europaspiele 2015, die künftig auch im Mehrkampf wieder angreifen möchte.

An allen vier Geräten turnt Sophie Scheder am nächsten Wochenende beim Bundesligawettkampf in Berlin. Diesen bestreitet sie für das Team des derzeitigen Tabellenzweiten TSV Tittmoning (Bayern), da sich ihr Verein TuS Altendorf zurückgezogen hat. Ende des Monats startet sie beim Weltcup in Cottbus am Schwebebalken, ihrem zweiten Paradegerät. Danach fliegt sie gemeinsam mit Vereinsgefährtinnen zu einem dreiwöchigen Trainingslehrgang nach Neuseeland. Über den Kontakt einer ehemaligen Chemnitzer Turnerin, die dort lebt, kam dieser Aufenthalt, den alle Teilnehmerinnen selbst finanzieren, zustande.

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