Hausding: Für WM-Medaille «muss schon vieles passen»

Schmerzen gehören beim Wasserspringen dazu. Die Verletzungsgeschichte von Patrick Hausding in diesem Jahr ist aber selbst für den Routinier ungewöhnlich. Trotzdem ist der Berliner bei der WM der unangefochtene «Leitwolf» im deutschen Team.

Gwangju (dpa) - Absprung, Salto mit Schrauben, Landung: Etliche Male hat Patrick Hausding das schon trainiert. Doch diesmal geht irgendetwas schief.

«Ich bin halb auf meinem Kopf und halb auf meinem Genick gelandet», beschreibt Deutschlands bester Wasserspringer seinen Trainingsunfall auf dem Trampolin, den er so schnell nicht vergisst. «Da sind alle Knochen und Wirbel ordentlich aufeinander gekracht.»

Ein Muskelbündelriss im Rücken, eine starke Brustkorbprellung und ein verstauchter Nacken - Hausding hat Schmerzen, aber auch Glück: Rückenmark und Bandscheiben bleiben unbeschädigt. Ein halbes Jahr danach springt der Turm-Synchron-Weltmeister von 2013 bei der WM in Südkorea und ist der größte deutsche Hoffnungsträger.

Wie hart der Weg zum Saisonhöhepunkt allerdings ist, lassen Aussagen wie diese erahnen. «Ich habe versucht, den Schmerz wegzudrücken», sagt Hausding der Deutschen Presse-Agentur über die Zeit nach dem Unfall im Januar. Im Kampf um die WM-Form und Preisgelder in der für Wasserspringer lukrativen Weltserie will der zweimalige Olympia-Medaillengewinner keine Zeit verlieren - auch dann nicht, als auf einmal doch noch weitere Unfallfolgen auftreten.

Zwei Finger der rechten Hand werden plötzlich taub. «Das hat sich angefühlt, als wären sie permanent eingeschlafen. Nach ein paar Wochen habe ich Panik bekommen und bin zum Neurologen gegangen.» Das Gefühl kehrt nach viel Physiotherapie zurück, in den Wettkämpfen läuft es aber nicht wie gewünscht. Hausding springt, obwohl er sich noch nicht einmal richtig aufwärmen kann. Entsprechend sind die Ergebnisse. Im März kommen Knieprobleme dazu. Das Training ist für den 30-Jährigen ein «Eiertanz».

Dass Hausding trotzdem die größten Chancen aller deutschen Wasserspringer auf eine WM-Medaille eingeräumt werden und er für Bundestrainer Lutz Buschkow der «Leitwolf» im Team ist, hat Gründe: Der Berliner ist der mit Abstand erfolgreichste und routinierteste Athlet der deutschen Mannschaft. Er hat schon häufiger bewiesen, dass er auch nach Verletzungen beim Großereignis in Topform sein kann.

Hausdings Erfahrung hilft ihm zudem, seinen Körper richtig einzuschätzen und sich im Wettkampf nicht so schnell aus der Ruhe bringen zu lassen. «Er ist einer, der sich motivieren kann und in der Lage ist, um die Medaillenplätze zu springen», sagt Buschkow.

Hausding will am Freitag im Wettkampf vom Ein-Meter-Brett starten sowie vom Dreier einzeln und synchron mit Lars Rüdiger springen. Sein Hauptziel: Im Einzel vom Drei-Meter-Brett ins Finale kommen und damit einen Olympiastartplatz holen. Auch die Medaillen hat der Rekordeuropameister im Kopf, wenngleich er sich nicht zu den Favoriten zählt: «Nach dieser holprigen Saison muss schon vieles passen für eine Medaille.» 2019 war für Hausding bisher ein «sehr wildes Jahr mit ein paar Höhen und vielen Tiefen». Kommen bei der WM weitere Höhen dazu, würde das einiges wettmachen.

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