Hörmann: Boykott der European Games "nicht ausgeschlossen"

DOSB-Präsident Alfons Hörmann erwägt einen deutschen Boykott der European Games 2019 in Minsk/Weißrussland. Er halte einen Boykott für "nicht ausgeschlossen, wenn sich die Dinge weiter so entwickeln wie zuletzt vor Ort offensichtlich passiert", sagte Hörmann im Interview mit dem Deutschlandfunk.

Auf SID-Nachfrage erklärte Hörmann, die Entwicklungen in Weißrussland seien "besorgniserregend, weshalb wir das sehr aufmerksam weiter verfolgen werden". Generell sei man beim Deutschen Olympischen Sportbund der Meinung, dass "Boykott kein gutes Instrument ist und nur dort in Frage kommen kann, wo völlig inakzeptable Zustände gegeben sind", sagte Hörmann.

In Weißrussland, das seit 24 Jahren autoritär von Staatspräsident Alexander Lukaschenko regiert wird, hatte es in der vergangenen Woche eine Verhaftungswelle gegen Journalisten gegeben. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bezeichnete das Vorgehen als "völlig unverhältnismäßig".

Der DOSB müsse allerdings "insbesondere auch berücksichtigen, dass in Minsk in einigen Sportarten auch Olympiaqualifikationen für Tokio 2020 stattfinden werden", sagte Hörmann: "Für uns stehen die Athleten im Fokus, und deren Interessen stehen naturgemäß im Vordergrund."

Auch die Finanzierung eines deutschen Teams für die zweite Ausgabe der Europaspiele in Minsk (21. bis 30. Juni 2019) ist noch nicht gesichert. "Wir sind mit dem BMI, dem Sportausschuss und dem Haushaltsausschuss in intensiven und offenen Diskussionen, wie wir mit den Spielen umgehen. In letzter Konsequenz stellt sich auch die Frage, ob wir definitiv daran teilnehmen werden", sagte Hörmann dem Deutschlandfunk.

Ohnehin steht Hörmann den European Games kritisch gegenüber, nicht zuletzt im Vergleich zu den gerade erfolgreich abgeschlossenen European Championships in Glasgow und Berlin. "Der DOSB war von Beginn an zurückhaltend bei der Bewertung der Europaspiele, was sich im Nachhinein als richtig erwiesen hat. Man muss sich die Frage stellen, ob dieses Format wirklich bei den Athletinnen und Athleten, dem Publikum und auch den europäischen Verbänden ankommt", sagte Hörmann dem SID: "Eine wesentliche Voraussetzung dafür wäre sicher, für die Zukunft der Europaspiele passende und allseits akzeptierte Gastgeber zu finden."

Für die European Games 2023 brachte sich am Dienstag Russland ins Gespräch.

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