Hoffnungsträgerin auf Anhieb in der Spitze

Lea Sophie Friedrich aus dem Chemnitzer Erdgasteam fährt weiter in der Erfolgsspur. Die 19-Jährige holte bei der EM in Apeldoorn drei Medaillen - nur der ganz große Wurf gelang nicht. Maximilian Levy braucht nach seiner Rückkehr in die Nationalmannschaft noch etwas Zeit bis zur Topform.

Apeldoorn.

Vier Starts, drei Medaillen: Lea Sophie Friedrich vom Chemnitzer Erdgasteam war bei der Bahnrad-EM in Apeldoorn die mit Abstand erfolgreichste deutsche Medaillensammlerin. Silber im Teamsprint, Bronze im Sprint, Silber im Keirin und Platz vier im 500-Meter-Zeitfahren lautete die beeindruckende Bilanz der 19-Jährigen, die seit Anfang des Jahres im Chemnitzer Erdgasteam fährt. In diesem wie in der Nationalmannschaft schickt sie sich an, die Lücke nach dem unfallbedingten Karriereende von Doppel-Olympiasiegerin Kristina Vogel zu schließen. "Meine Medaillenbilanz ist überragend. So habe ich mir das erträumt und gewünscht - das freut mich natürlich sehr", meinte Lea Sophie Friedrich.

Fast hätte es sogar zu einem Titel gereicht. Am dichtesten dran war die Dassowerin im Keirin - in dieser Disziplin ist sie schon Deutsche Meisterin und U-23-Europameisterin. Im Finale fuhr die Blondine beherzt zwei Runden auf Angriff von vorn, wurde erst auf der Zielgeraden von Titelverteidigerin Mathilde Gros aus Frankreich auf den letzten Zentimetern hauchdünn abgefangen. "Das war echt ärgerlich. Ich gehe definitiv mit einem weinenden Auge aus diesem Finale, auch wenn ich vorher nicht mit einer Medaille gerechnet hatte", resümierte die neue Hoffnungsträgerin. Sie präsentierte sich wie schon beim geglückten WM-Einstand vor acht Monaten in Polen auf höchstem Niveau. Den Übergang von den Juniorinnen - dort war sie 2018 viermal Weltmeisterin - zu den körperlich höheren Anforderungen im Frauenbereich hat sie scheinbar mühelos bewältigt. Im Sprint agiert sie schon erstaunlich variabel und aktiv. Dazu kommt das große Selbstbewusstsein angesichts der anhaltenden Erfolgswelle. "Ja, vom Kopf her bin auf jeden Fall schon relativ stark. Mir fehlt nur noch etwas die Erfahrung", sagte Lea Sophie Friedrich. Gemeint war das Keirinfinale: Mit einem etwas später lancierten Angriff hätte es vielleicht zu Gold gereicht. "Es ist schade, dass sie nicht gewonnen hat. Aber ich finde es gar nicht so schlecht, wenn es Step-by-Step nach vorn geht", wertete Michael Hübner, Sportlicher Leiter im Erdgasteam.

Während der siebenfache Weltmeister bei seiner Vorzeigesportlerin die Euphorie etwas bremsen musste, war bei Teamgefährte Maximilian Levy Trost angesagt. Nach Platz neun im Keirin legte der Chemnitzer seine Pranke fast liebevoll über dessen kahl geschorenen Kopf. "Um Max muss man sich keine Sorgen machen", meinte Hübner, langjähriger Wegbegleiter und enger Berater von Levy, aufmunternd. Nach dem starken Auftritt im Teamsprint mit Platz vier lief es in der Schokoladendisziplin nicht wie erhofft. "Ich bin noch nicht da, wo ich hin muss. Und trotz der guten Zeiten im Teamsprint habe ich mich nicht wirklich gut gefühlt. Im Halbfinale war zu sehen, dass mir noch Druck fehlt", bilanzierte der 32-Jährige.

Knapp 100 Tage nach der Beendigung seiner Pause wegen des dritten Kindes, die gleichzeitig in einem Ausflug zum Ironman-Marathon gipfelte, konnte der vierfache Weltmeister im Halbfinale und im kleinen Finale noch nicht mit der Spitze mithalten. Vor allem die starken Niederländer bestimmten das Niveau und ließen auch die anderen Bahnnationen wie Frankreich und Großbritannien alt aussehen. "Es ist schon ein brutales Niveau. Erfahrung im Keirin ist schön und gut, aber wenn die Holländer um die Bahn fliegen und freie Fahrt haben, machen wir hinten nur noch den Lenker auf und zu", stellte Levy leicht ernüchtert fest. Immerhin sammelte er mit seinem neunten Platz weitere Ranglistenpunkte, die einen Keirin-Startplatz bei der Heim-WM Ende Februar in Berlin absichern helfen und größere Reisestrapazen ersparen. Ohnehin ist der Cottbuser die nächsten Wochen viel auf Achse. Am Dienstag geht es für ihn zum Start der Sechstagerennen-Saison nach London ("Das ist ein Stück Belohnung."), anschließend warten die Weltcups in Minsk und Glasgow in verschiedenen Einsatz-Konstellationen. "Die EM und Minsk waren eigentlich nicht geplant. Normalerweise hätte ich jetzt noch einen ordentlichen Trainingsblock. Aber jetzt fahre ich mich über die Rennen in Form", sagte der Routinier und nahm zwei Erkenntnisse mit auf die Heimfahrt: "Letztendlich ist das Ziel, in Glasgow schnell zu fahren. Und ich muss nicht so viel verändern an meinem Weg."

"Ich bin happy über meine erste Medaille bei der Elite"

Felix Groß vom RSV Venusberg erkämpfte Bronze in der 400-m-Einerverfolgung. Mit dem 21-jährigen Leipziger sprach danach Thomas Juschus.

Freie Presse: Herzlichen Glückwunsch zu Bronze. Wie fällt Ihre Wettkampfbilanz aus?

Felix Groß: Sehr positiv. Ich hatte ein bisschen Anfangsschwierigkeiten in der Qualifikation, die ersten 1000 Meter sind mir nicht so gelungen wie sonst. Ich bin schwierig in den Lauf hineingekommen. Dass es am Ende für das kleine Finale reichte, hat mich sehr gefreut. Ich habe mich dann intensiv warm gefahren und wusste, dass ich die Zeit aus der Qualifikation toppen kann. Ich bin im Lauf um Platz drei schön auf Tempo gefahren - es hat alles super funktioniert.

Welchen Wert hat EM-Bronze?

Das ist meine erste Elite-Medaille - deshalb bin sehr happy.

Sie sind nicht ganz an Ihre persönliche Bestzeit von der U-23-EM, bei der Sie Gold holten, herangekommen. Ist das Grund zur Sorge?

Nein, es gibt so Tage. Die Form ist trotzdem sehr gut bei mir. Wir hatten eine sehr lange Vorbereitung, die war sehr kräftezehrend. Deshalb bin ich mit meinen Zeiten sehr zufrieden.

Mit dem Vierer hat es für Sie als Anfahrer trotz eines deutschen Rekordes nur zu Rang fünf gereicht. Wie bewerten Sie das Ergebnis?

Die Platzierung war nach so einer starken Zeit von uns schon ein bisschen enttäuschend. Die anderen Nationen haben aber eben auch ganz schön nach- und vorgelegt. Auf unserer Zeit lässt sich aber aufbauen. Wir müssen weiter an uns arbeiten. Irgendwann haben wir das Glück, mit dem Vierer auf das Podium zu fahren.

Immer, wenn der Vierer einen Schritt nach vorn macht, gelingt das auch anderen Teams, diesmal beeindruckte Dänemark. Ist das für den Kopf nicht zermürbend?

Das Ergebnis hat uns und mich schon ein bisschen nachdenklich gemacht. Aber wir lassen uns von unserem Kurs nicht abbringen. Die Olympischen Spiele 2020 sind das Ziel. Bis dahin können und wollen wir auch noch einen Schritt nach vorn machen.

In zwei Wochen beginnt die Weltcupserie. Mit welchen Zielen gehen Sie in die Saison?

Ich fahre mit dem Vierer die Weltcups in Minsk, Glasgow und Hongkong. Da wollen wir so viele Punkte wie möglich mitnehmen, um die Olympia- Quali sicher zu machen. In Minsk fahre ich auch die Einerverfolgung und will meinen Startplatz neben ,Weini' (Anm. d. A.: Domenic Weinstein) bei der Heim-WM absichern. Berlin ist definitiv auch eines unseres Highlights.

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