Hussong auch in Thum in Rekordlaune?

In Berlin krönte sie sich zur Europameisterin im Speerwerfen. Dabei zeigte sich Christin Hussong in bestechender Form, die sie am Freitag auch beim 15. Werfertag unter Beweis stellen möchte.

Thum/Berlin.

Als Christin Hussong am vergangenen Freitagabend in das mit knapp 50.000 Zuschauern gefüllte, superlaute Olympiastadion in Berlin einlief, schlotterten ihr die Knie: "Ich habe am ganzen Körper gezittert, so nervös war ich", erzählte die Pfälzerin nach dem Speerwurf- finale. Am kommenden Freitag in Thum marschiert die langhaarige Blondine bereits als frischgebackene Europameisterin ins Stadion an der Wiesenstraße ein. Die Knie dürften Christin Hussong dabei aber kaum zittern. Viel mehr kann sie nach dem größten Erfolg ihrer Karriere den 15. Werfertag im Erzgebirge gelöst und locker angehen.

Mit 67,90 Metern hatte die Speerwerferin vom LAZ Zweibrücken die Konkurrenz in der Hauptstadt im ersten Versuch geschockt. Das war der Plan und er ging perfekt auf. Zuvor hatte sich die 24-jährige Sportwissenschaftsstudentin Appetit bei den Männern geholt. Diese hatten einen Tag zuvor durch Thomas Röhler und Andreas Hofmann einen deutschen Doppelsieg bei der EM gefeiert. "Sie haben mich inspiriert und motiviert. Da habe ich Bock darauf bekommen, auch auf dem Treppchen zu stehen", meinte Christin Hussong nach ihrem ersten großen internationalen Titel. Diesen hatte die junge Frau aus Herschberg gleich noch mit dem EM-Rekord garniert, den bisher die Griechin Mirela Manjani mit 67,47 Metern gehalten hatte.

In Deutschland haben bisher nur Steffi Nerius (68,34 Meter) und die nationale Rekordhalterin Christina Obergföll (70,20 Meter) weiter als Christin Hussong geworfen. Diese zeigte sich aber nicht nur deswegen überglücklich: "Viele Leute sagen, dass ich nicht in der Lage sei, bei einem großen Wettbewerb und in einem großen Stadion weit zu werfen. Aber ich habe heute das Gegenteil bewiesen", freute sich die U18-Welt- und- U23-Europameisterin in Berlin.

Groß ist das Stadion in Thum in diesem Sinn nicht, aber auch dort verstehen es die etwa 3000 bis 4000 Zuschauer, eine prima Stimmung zu erzeugen. Sie sind nahe dran an den Athleten, die das schätzen und mit guten Leistungen honorieren. So steht der Meetingrekord im Speerwerfen der Frauen bei 62,08 Metern. Die Leverkusenerin Linda Stahl, Europameisterin 2010 in Barcelona, hatte ihn 2014 aufgestellt. Dieser dürfte bei der derzeitigen guten Form von Christin Hussong wackeln. Bereits in der Qualifikation von Berlin hatte sie den Speer auf die persönliche Bestweite von 67,29 Meter befördert. Im Finale legte die Deutsche dann noch einmal nach und siegte mit gut sechs Metern Vorsprung vor der Tschechin Nikola Ogrodnikova (61,85 Meter).

Die Athletin aus Vitkovice, die einen Tag nach dem Werfertag ihren 28. Geburtstag feiert, ist am Freitag in Thum ebenfalls mit von der Partie. Das freut auch Meetingchef Sven Lang, der mit einem Etat im untereren fünfstelligen Bereich wieder attraktive Felder zusammengestellt hat. "Ich würde sagen, es sind die besten, die wir überhaupt bisher hatten", sagte der Kugelstoß-Bundestrainer und Heimcoach von Christina Schwanitz. Die Vizeeuropameisterin vom LV 90 Erzgebirge freute sich schon in Berlin auf ihr Heimspiel. Auf die Frage, wie es in den nächsten Tagen weitergeht, meinte die 32-Jährige: "Ich werde natürlich fleißig trainieren, weil ich dem tollen Publikum in Thum etwas bieten möchte."

Weltmeister-Trio im Ring

18 EM-Starter aus 15 Ländern sind beim 15. Thumer Werfertag am 17. August am Start. Stark besetzt neben dem Speerwerfen und dem Kugelstoßen der Frauen ist vor allem das Kugelstoßen der Männer. Hier trifft der zweifache Weltmeister und EM-Dritte von Berlin, David Storl, auf den amtierenden Weltmeister Tomas Walsh (Neuesseland) und den Hallen-Weltmeister Ryan Whiting (USA). Ebenfalls zu beachten sind der EM-Sechste Bob Bertemes (Luxemburg) und der EM-Neunte Tsanko Arnaudov (Portugal).

Im Diskuswurf der Männer gehört Martin Wierig zu den Favoriten. Der Magdeburger hatte in diesem Jahr ebenfalls die EM-Norm geknackt. Den Saisonhöhepunkt musste er sich dennoch von zu Hause anschauen, da drei andere deutsche Athleten den Vorzug erhielten. Der Zypriote Parelis Apostolos, mit Saisonbestleistung Achter in Berlin, musste wegen eines Trauerfalls in der Familie kurzfristig absagen. Für ihn rückte der Tscheche Tomas Vonovka ins Feld.

Zeitplan

16.00 Uhr: Steinstoß-Pokal

16.45 Uhr:DiskusmU18/mU20

17.00 Uhr:Schlagball-Cup 17.30 Uhr:Diskus(Männer)

18.20 Uhr:Kugel mU18 /wU20

19.00 Uhr:Speer(Frauen)

19.40 Uhr:Kugel(Frauen)20.35 Uhr:Kugel(Männer)

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