Inselmänner planen neuen Coup

Nach ihrem spektakulären Ostsee-Triathlon wollen der Chemnitzer Jörg Stingl und seine Freunde noch einen draufsetzen. Dafür müssen sie in der Nordsee zwischen den West- und Ostfriesischen Inseln fast 100 Kilometer schwimmen.

Chemnitz.

Als Jörg Stingl seinen Freunden das neue "Inselman"-Projekt offerierte, ließen die Reaktionen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: "Das ist total bekloppt. Das ist viel schwerer als in der Ostsee. Das können wir uns nicht vorstellen", lautete der erste allgemeine Tenor, der jedoch mit dem Bekenntnis ausklang: "Aber wir sind dabei."

Der 54-Jährige lacht beim Erzählen dieser kleinen Anekdote, dann lässt er exklusiv für "Freie Presse" die Katze aus dem Sack. Die eingeschworene Truppe, die im vergangenen Jahr erstmals einen spektakulären Triathlon von Zinnowitz nach Zingst über 174 Kilometer absolvierte, hat es diesmal auf die Kette der West- und Ostfriesischen Inseln abgesehen. Die knapp 300 Kilometer vom niederländischen Den Helder nach Schillig an der äußersten Nordostspitze der Ostfriesischen Halbinsel in Deutschland will das fünfköpfige Team ehemaliger Leistungsschwimmer erneut zu Fuß, auf dem Rad und im Wasser bewältigen. "Das ist um einiges länger als in der Ostsee. Allein die Schwimmstrecke schätze ich auf etwa 100 Kilometer", erzählt Stingl und fügt an: "Das hat noch keiner vor uns gemacht."

Wangerooge, Spiekeroog, Baltrum, Norderney oder auch Borkum sind die bekanntesten bewohnten Eilande auf der ostfriesischen Seite. Ameland, Vlieland und Texel im Westen gehören zum Territorium der Niederlande. Gemeinsam haben sie alle, dass sie im Wattenmeer liegen und damit Unesco-Weltkulturerbe sind. Zu der Kette zählen aber auch kleine, unbewohnte Inseln und Sandbänke. Alles in allem planen die Sachsen in einem Zeitfenster von acht bis zehn Tagen 23 Landgänge. "Zwei Inseln an einem Tag sind machbar. Die Crux dabei ist, dass der Abstand zwischen ihnen am Anfang relativ kurz, ganz zum Schluss aber recht weit ist", sagt Stingl. So hat es der Endspurt nach Mellum und nach Schillig mit acht bzw. sieben Kilometern in sich. In der Ostsee waren sie an vier Tagen insgesamt knapp 30 km unterwegs.

Die Entfernungen sind nicht die einzigen natürlichen Schwierigkeiten, die auf das Quintett zukommen dürften. Hohe Wellen, Quallenschwärme, Algenteppiche, Strömungen, Ebbe und Flut - der Tidenhub kann in der Nordsee bis zu drei Meter betragen - könnten ihnen das Leben schwer machen, bergen Unwägbarkeiten. "Nicht, dass wir plötzlich auf dem Trockenen sitzen, weil das Wasser zwischen Festland und den Inseln so weit zurückgegangen ist", scherzt Stingl.

Der Familienvater favorisiert auch deshalb das Schwimmen auf der Seeseite der flachen Eilande. Die Begleitmannschaft soll im Gegensatz zum ersten "Inselman", als das Team von Land aus betreut wurde, nebenher schippern. Das ist jedoch einfacher geplant als verwirklicht. Nach zwei Absagen fragte Stingl beim befreundeten Extremsportler Joey Kelly an. Aber das Boot des Musikers hat zu viel Tiefgang. "Also planen wir mit drei Katamaranen, auf denen wir auch schlafen können", blickt der Everest-Bezwinger voraus.

Bleibt die Frage, warum sich die Männer so eine Tortur antun wollen? Warum sie schon in der harten Vorbereitung so viel Zeit und auch Geld dafür investieren wollen? Der Zuspruch und die öffentliche Aufmerksamkeit, den sie nach dem Ostsee-Abenteuer erhalten haben, taten sicher gut, sind aber nur eine Seite. "So etwas nur mit einer Handvoll der besten Kumpel durchzuziehen, ist an sich schon reizvoll und hat etwas von einer Expedition", erklärt der Chemnitzer. "Außerdem wissen wir nicht, ob wir es überhaupt schaffen. Auch die Möglichkeit des Scheiterns macht so ein Abenteuer aus."

Im kommenden Sommer will Jörg Stingl sich das Ganze vor Ort anschauen, mit den Einheimischen reden, vielleicht schon erste Absprachen treffen. Starten soll das auch logistisch aufwendige Projekt im August 2017, wenn die Wassertemperaturen am angenehmsten sind. Loslegen wollte er eigentlich bereits in diesem Jahr. Aber ganz so schnell konnten sich seine Mitstreiter dann doch nicht durchringen.

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