Japaner Ryoyu Kobayashi meldet sich im Vogtland zurück

Die deutschen Ski-Adler sind noch auf Formsuche. Beim Weltcup in Klingenthal gab es die Plätze fünf durch Karl Geiger als Bestem im Einzel und Rang sechs am Tag zuvor im Team. Der neue Bundestrainer aber ist zufrieden und bleibt gelassen.

Klingenthal.

Nachdem der elfte Skisprungweltcup in Klingenthal Geschichte ohne den ersten deutschen Sieger war, konnten sich die schwarz-rot-goldenen Ski-Adler auf einen angenehmeren Flug freuen. Per Hubschrauber wurde das Weltmeisterquartett direkt von der Vogtland-Arena nach zum Airport Hof-Plauen geflogen, wo ein Privatjet Markus Eisenbichler, Karl Geiger, Stephan Leyhe und Richard Freitag zur "Sportler-des-Jahres"-Gala nach Baden-Baden brachte. "Das Fliegen auf der Schanze hat wirklich keinen Spaß gemacht. Aber auf die Gala freue ich mich trotzdem, es ist ja eine schöne Anerkennung aus der letzten Saison", sagte der Sachse Richard Freitag, der Minuten zuvor als 32. das Finale verpasst hatte.

Mit der enttäuschenden Platzierung setzte sich am Sonntag fort, was sich für den 28-Jährigen schon am Vortag im Teamspringen mit nur Rang sechs und elefantösen 152,0 Punkten Rückstand auf Sieger Polen offenbart hatte. Dabei wurde deutlich, was sich zu Beginn des Winters - sicher auch bei zum Teil irregulären Windbedingungen - bereits angedeutet hatte: Eisenbichler, Leyhe und Freitag springen momentan schlechter als im Vorwinter. Lediglich Geiger ist in der Lage, das Podest anzugreifen. Dem Allgäuer fehlten 3,4 Zähler auf den drittplatzierten Norweger Marius Lindvik. Auf dem Podium ganz oben stand der Saison- und Tourneedominator des Vorwinters, Ryoyu Kobayashi. Der Japaner erhielt das größte Lob vom Zweiten Stefan Kraft: "Er war das ganze Wochenende über stark und ist der verdiente Sieger", meinte der Austria-Adler, der nach schwachem Sommer und ansteigender Form im Herbst nun wieder zu den Tournee-Topfavoriten gehört.

Für diese Rolle müssen die deutschen Springer bis und bei der Generalprobe am kommenden Wochenende in Engelberg noch fleißig üben. Der neue Bundestrainer Stefan Horngacher scheute sich nicht, den Auftritt im Team als "Debakel" zu bewerten. Ansonsten bestach der Österreicher mit Gelassenheit, hob das Positive wie den Finalsprung von Eisenbichler (132 Meter), die Konstanz und kleinen Reserven von Geiger sowie die Steigerung von Leyhe im Einzel heraus. Nur für den Vierten aus dem goldenen WM-Quartett, Richard Freitag, wusste er auch nicht so recht, wie das technische Problem zu beheben sei. "Aber in unserem Sport kann es von einen auf den anderen Sprung wieder funktionieren", sagte Horngacher.

Freitag selbst sprach von einem einseitigen Absprung und daraus resultierenden Problemen im Flug und in der Flughöhe. Auf die Frage, ob er jetzt seiner besser platzierten Schwester einen ausgeben muss, setzte der 28-Jährige ein breites Grinsen auf. Trotz des verkorksten Wochenendes in der sächsischen Heimat schreibt Freitag die Tournee längst nicht ab. Dasselbe trifft auf Weltmeister Eisenbichler zu. Mit der geballten Faust fuhr er im letzten Sprung von Klingenthal im Auslauf den Fans entgegen. So, als könnte das Wochenende nun beginnen.

Vielleicht war es ein kleiner Trost, dass neben starken Österreichern und einem beständigen Ryoyu Kobayashi auch andere Nationen wie die Norweger (4. im Team) im Vogtland gebeutelt wurden. Für den als Weltcupführender angereisten Daniel-André Tande war es ein Wochenende zum Vergessen. Am Freitag rutschte auf dem Sprungturm der Ski eines Kontrahenten die Treppe herunter und prallte gegen seinen Knöchel. Humpelnd verließ der Wikinger gestern als geschlagener 18. die Arena, nachdem er am Vortag im Team von Johann André Forfang ersetzt wurde. Dabei hatte Tande 2015 in Klingenthal seinen ersten Weltcupsieg gefeiert. Noch schlimmer erging es Landsmann Thomas Aasen Markeng. Der 19-Jährige stürzte nach der Landung bei 131,0 Metern, weil er seinen Ski bei der Ausfahrt verkantet hatte. Minuten herrschte Totenstille im Stadionrund, bis Markeng unter Applaus auf der Trage abtransportiert wurde. Bei der Siegerehrung war er bereits auf dem Weg ins Krankenhaus, um sein schmerzendes Knie untersuchen zu lassen. Lindvik sprach aus, was alle dachten: "Wir hoffen, dass nichts Schlimmes passiert ist."


Kommentar: Ist doppelt besser?

Diesmal hat es mit dem ersten gemeinsamen Auftritt von Damen und Herren in Klingenthal geklappt. Doch hält am Ende eine Doppelveranstaltung tatsächlich das, was sie verspricht? Die fliegenden Damen erhoffen sich mehr Aufmerksamkeit im Sog der Herren, medial und natürlich in der Gunst des Publikums. Doch die jungen Weiterjägerinnen sind in der Entwicklung noch nicht so weit wie zum Beispiel die Biathletinnen. Das dauert noch einige Jahre. Die Frage ist, ob solche Supersamstage wie in Klingenthal ihren Beitrag leisten, dass die jungen Damen nicht nur als Anhängsel für die Männer wahrgenommen werden. Im Terminkalender dieses Winters gibt es Doppelweltcups der Herren und Damen nur noch bei der Raw Air Tournee in Oslo, Trondheim und Lillehammer.

Auch wenn das Niveau stetig steigt, steckt die Sportart bei den Damen noch in den Kinderschuhen. Die große Masse fehlt, wenngleich es aktuell gefühlt mehr junge Mädchen gibt, die mit Skispringen beginnen. Für die Etablierten im Weltcup stellen die ersten Schneesprünge der Saison auf Großschanzen und dann noch schwierigen Windverhältnissen wie in Klingenthal eine riesige Herausforderung dar.

Aus Sicht des Veranstalters gibt es zwei Seiten der Medaille. Zum einen verlangt es den Fans, zum Beispiel Familien mit kleinen Kindern, einiges ab, von 11 bis 18 Uhr bei Wind und Wetter einen Supersprungtag zu besuchen. Und in Klingenthal gerieten die Organisatoren an ihre Grenze, was die Quartiere im nahen Umfeld betraf. Zu überlegen wäre es aus Sicht des Skiweltverbandes FIS, bei einem Doppelweltcup die Damen dann auch zweimal am Wochenende springen zu lassen. Damit würde sich der hohe Aufwand für alle Beteiligten noch mehr lohnen.

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