Jetzt platzt auch bei Zolinski der Knoten

Einen überzeugenden 4:1-Sieg fuhren die Zweitligafußballer des FC Erzgebirge in Sandhausen ein. Alle drei Auer Stürmer trafen, einer mit Vorankündigung.

Sandhausen.

Wenn es doch immer so einfach wäre: In der Trainingswoche vor dem Zweitligaspiel in Sandhausen hatte sich Aues Trainer Dirk Schuster Ben Zolinski zur Seite genommen. "Wir hatten einen kleinen Disput", berichtete der Coach", ich habe ihm gesagt, dass es übrigens an der Zeit wäre, dass er jetzt mal einen reinhaut." "Gern auch zwei - habe ich geantwortet", erinnerte sich der Stürmer an das Gespräch.

Es hatte Folgen: Zolinski glänzte beim 4:1 (2:1)-Erfolg der Erzgebirger am Samstag in Sandhausen als Doppeltorschütze. Der im Sommer aus Paderborn ins Lößnitztal gekommene Angreifer traf vor der Pause zur 2:1-Führung (40.), eine gute Viertelstunde nach der Pause stellte er die Weichen mit dem 3:1 (63.) endgültig auf Sieg. Die Vorarbeit kam in beiden Fällen vom wieder bärenstarken Florian Krüger, der vor Zolinskis erstem Tor Sandhausens Stürmer Keita-Ruel, der sich plötzlich als überforderter Außenverteidiger wiederfand, stehen ließ. Vor dem 3:1 vernaschte Krüger dann Schirow, bevor er Richtung langer Pfosten passte, wo Zolinksi lauerte.

Der war nach dem Schlusspfiff happy: "Wir sind nach dem 3:0 gegen Darmstadt mit breiter Brust hier angereist, haben eine gewisse Sicherheit ausgestrahlt und immer den Kopf oben behalten - auch nach dem Rückstand." Das erste Tor des Nachmittags ging nämlich auf das Konto der Gastgeber. Sören Gonther und Calogero Rizzuto hatten SVS-Sturmtank Kevin Behrens in die Zange genommen, Schiedsrichter Benjamin Cortus auf den Punkt gezeigt. Es war der erste Elfmeterpfiff in dieser Saison gegen die Veilchen, der Gefoulte selbst verwandelte souverän mit Schmackes (19.).

"Das Ergebnis ist am Ende zu hoch ausgefallen", bekannte Dirk Schuster später, "Sandhausen war näher dran, als es das 4:1 letztlich aussagt." Zum Beispiel in der Phase nach dem 1:0, als der FCE den sehr aktiven Dennis Diekmeier nicht so richtig in den Griff bekam, mit den langen, hohen Bällen auf die wuchtigen Stürmer Behrens und Keita-Ruel arge Probleme hatte. Auch den Kopfball von Nils Röseler nach einem Eckball konnten die Auer nicht verteidigen. Zu ihrem Glück köpfte der ehemalige Chemnitzer knapp am rechten Pfosten vorbei (23.). Doch der FCE hat einen Florian Krüger: Von Philipp Riese bedient traf der U-21-Nationalspieler ausgerechnet in der größten Sandhäuser Druckphase zum 1:1 (31.). Vorausgegangen war ein grobes Missverständnis in der Hintermannschaft der Hausherren, wo sich Schirow und Contento gegenseitig über den Haufen gerannt hatten.

Über den Haufen rannte dann im Strafraum auf der anderen Seite Diekmeier Rizzuto - so hatte es im ersten Moment ausgesehen. Nach minutenlangem Videostudium erkannte Cortus dann aber, dass der Auer den Sandhäuser am Schienbein erwischt hatte, und zeigte ein zweites Mal auf den Elfmeterpunkt. Wieder schnappte sich Behrens den Ball, wieder zielte er Richtung links oben. Aber nicht mit Martin Männel. Der FCE-Keeper ahnte, was der Schütze vorhatte, parierte den Schuss mit einer flinken Hand (36.). "So schlecht war der nicht geschossen. Um den zu halten, haben mir mein Bauchgefühl, ein bisschen Können, aber eine ganze Portion Glück geholfen", meinte Männel nach seinem insgesamt elften gehaltenen Strafstoß in Diensten des FC Erzgebirge. Und ergänzte: "Der Zeitpunkt für diese Parade war ein sehr wichtiger. Wir hätten kurz vor der Pause das zweite Mal ins Hintertreffen geraten können. Gut, dass ich das verhindern konnte." Und so ging es nicht mit einem Rückstand, sondern dank Zolinksi sogar mit einer Führung in die zweite Hälfte.

In der hatten die Gäste kaum noch Nöte mit den Sandhäuser Angriffen, die zunehmend einfallslos daherkamen. Nur noch zweimal drohte durch Behrens Gefahr, den Schuss in der 73. Minute parierte Männel, der nach Zuspiel des eingewechselten Philipp Türpitz ging drüber (81.). Da stand es schon 4:1, der Deckel war drauf. Verantwortlich dafür: der dritte Auer Stürmer Pascal Testroet, der nach einer Ballstafette über Fandrich und Zolinksi wenig Mühe hatte, sein fünftes Saisontor zu erzielen.

Der Einstand für Sandhausens neuen Trainer Michael Schiele war endgültig verdorben. Für die Gäste gab es nur noch einen kleinen Wermutstropfen: Einmal mehr beendeten die Veilchen ein Spiel nur zu zehnt. John-Patrick Strauß - in der ersten Halbzeit nach einem Foul mit Gelb bedacht - holte weit weg vom eigenen Tor Scheu von den Beinen (84.). Ein bisschen übereifrig, ein bisschen überflüssig.

Der Freude im Veilchen-Lager tat das keinen Abbruch. Die wurde noch größer, als der Trainer nach dem Sieg zwei freie Tage spendierte. Am Dienstag geht es weiter mit der Vorbereitung auf die Heimpartie am Sonntag (Anstoß 13.30 Uhr) gegen Regensburg. Schuster erwartet Hunger auf weitere Großtaten von seine Jungs. Zwei Siege in Folge sind ganz schön, drei nicht unmöglich.

StatistikSandhausen: Fraisl - Diekmeier, Nauber (87. Halimi), Röseler, Schirow, Contento (V/68. Scheu) - Nartey, Linsmayer (68. Türpitz) - Biada - Behrens, Keita-Ruel (62. Bouhaddouz). Aue: Männel - Strauß, Gonther, Ballas, Rizzuto - Riese (86. Samson), Gnjatic - Fandrich (90. Nazarov), Zolinski (86. Breitkreuz) - Testroet, Krüger (77. Hochscheidt) SR: Cortus (Röthenbach/Pegnitz). Tore: 1:0 Behrens (19./Elfmeter), 1:1 Krüger (31.), 1:2 Zolinski (41.), 1:3 Zolinski (63.), 1:4 Testroet (74.) Gelb-Rot: Strauß (Aue/84./wiederholtes Foulspiel). Besonderes Vorkommnis: Männel (Aue) hält Foulelfmeter von Behrens (37.)

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