Joachim Eilers auf dem Weg zurück

Der Bahnsprinter vom Chemnitzer PSV musste verletzungsbedingt länger pausieren. An seinen ehrgeizigen Zielen hält der zweifache Weltmeister von 2016 ohne Abstriche fest.

Chemnitz.

Nach rund vier Wochen ungewollter Abstinenz absolvierte Joachim Eilers am Dienstag endlich wieder ein Training auf der Bahn. Langfristig sah die Planung völlig anders aus. Beispielsweise wollte der Chemnitzer bei den Deutschen Meisterschaften Anfang des Monats im Rahmen der Finals von Berlin unbedingt dabei sein. Aber eine Verletzung im linken Oberschenkel bremste ihn aus. Statt um Titel und Medaillen in den Sprintdisziplinen mitzukämpfen, konnte er das Geschehen nur als Beobachter verfolgen. "Das war ärgerlich, denn ich hätte mich bei diesem tollen Event gern präsentiert", bedauert der 29-Jährige noch im Nachhinein.

Die bittere Entscheidung trafen er und seine Heimtrainer Ralph Müller und Andreas Hirschligau Mitte Juli. Während einer Einheit im Kraftraum ging plötzlich so gut wie nichts mehr. "Ich musste die Last unter Schmerzen ablegen. Auch auf dem Fahrrad bekam ich dann bei Belastungen Probleme", berichtet Joachim Eilers. Bei einer MRT-Untersuchung wenig später wurde im Oberschenkel ein Hämatom diagnostiziert. Die Ursache dafür war höchstwahrscheinlich ein Muskelfaserriss, den er sich unbemerkt schon während eines Auswahllehrganges Mitte Mai in Cottbus zugezogen hatte.

Da damals die Probleme nicht sofort auftauchten, bestritt er einige internationale Wettbewerbe. Mit den Rängen zwei (Cottbus), drei (Moskau) sowie fünf (Brno) konnte er wichtige Zähler für die Weltrangliste sammeln. Als dann das unfreiwillige Aus kam, zog er die kurze Pause, die eigentlich der Meisterschaft folgen sollte, vor. "Ich konnte mal Abstand gewinnen, habe viele andere Dinge gemacht. So bin ich den Brocken hochmarschiert. Mit einem Kumpel, der in der Nähe von Kiel wohnt, habe ich erste Versuche im Kitesurfen unternommen. Dabei konnte ich mich gut ablenken", erzählt Joachim Eilers. In der vergangenen Woche begann er wieder mit dem Grundlagentraining, wobei er da ebenso vielfältig aktiv war. Neben längeren Touren auf dem Rad von bis zu 130 Kilometern, baute er beispielsweise beim Schwimmen Kondition auf. Da zog er auch einmal zwei Stunden am Stück seine Bahnen im Stausee Oberrabenstein.

Inzwischen besitzt das spezifische Programm wieder Priorität. Die ersten Stunden im Kraftraum verliefen ohne Komplikationen, ebenso die Läufe auf dem Zementoval im Sportforum. Bereits in der nächsten Woche startet er kurzfristig bei drei Rennen in Ludwigshafen, Dudenhofen und Mannheim. "Joe muss weitere Punkte für die Weltrangliste holen. Über diese werden dann die Plätze für die Weltcups vergeben. Sie verändert sich ständig, da brauchen wir Sicherheit", begründet Coach Ralph Müller. Einmal startet er im Sprint, zweimal im Keirin, worauf der besondere Fokus liegt. "Ich bin gefordert, Rennen zu fahren, will mich von meiner besten Seite zeigen", sagt Joachim Eilers, der unbedingt die so wichtigen Weltcupeinsätze perfekt machen will.

Denn nur über jene Kräftemessen dann ab November erfolgt die Qualifikation für die Heim-WM Ende Februar in Berlin. Nach dieser steht dann wiederum fest, wer von den deutschen Sprintern die Reise zu den Sommerspielen nach Tokio antreten darf. Bei der EM Mitte Oktober in Apeldoorn (Niederlande) gehört der gebürtige Kölner, der seit 2004 in Chemnitz lebt und trainiert, zwar auch zum deutschen Aufgebot. Doch er ist nur für das 1000-m-Zeitfahren, das aber aus dem Programm des Topereignisses gestrichen wurde, nominiert.

Noch einmal bei Olympia zu starten - diesem Ziel widmet Joachim Eilers seine ganze Aufmerksamkeit, Kraft und Energie. "Ich weiß, welches Potenzial in mir steckt. Ich muss es nur endlich wieder beweisen, meine Leistungen zum richtigen Zeitpunkt bringen", ist sich der zweifache Weltmeister von 2016 auch der Schwere der Aufgabe bewusst. In jenem Jahr gelangen ihm bei den Titelkämpfen in London mit Gold im Zeitfahren und im Keirin seine bisherigen Meisterstücke. Sechs Monate später in Rio schrammte er zwar als Vierter (Keirin) sowie Fünfter (Sprint, Teamsprint) knapp am Podest vorbei, bestätigte aber seine Zugehörigkeit zur Weltklasse. Seither durchlebte er einige Tiefen, wobei vor allem die Saisonhöhepunkte nicht wie erhofft verliefen, keine weiteren Medaillen hinzukamen: 2017 erkrankte er im Vorfeld am Pfeiferschen Drüsenfieber. 2018 war er wegen eines Infektes geschwächt und musste am Ende das Zeitfahren absagen. 2019 ging so ziemlich alles schief. "Ans Aufgeben habe ich trotzdem nie gedacht. Ich bin zuversichtlich", versprühte Joachim Eilers Optimismus.

Übrigens, seine besten sportlichen Erfolge hat der mehrfache Weltcupsieger und Europameister auf seinem Handy gespeichert. Diese schaut sich der leidenschaftliche Hobbykoch vor allem an, wenn es mal nicht wie gewünscht funktioniert. Einige dieser Momente sollen in den kommenden Monaten auf alle Fälle noch hinzukommen ...

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