Junge Heber-Asse auf dem Podest

Der Chemnitzer Kurt Perthel und der Plauener Tom Ritter gehörten bei den Deutschen Meisterschaften der Gewichtheber jeweils zu den jüngsten und zugleich stärksten Athleten in ihren Klassen Aber es gelang nicht alles.

Roding.

Eigentlich passieren Kurt Perthel auf der Wettkampfbühne selten Fehlversuche. Allein in der Bundesliga hat er sich auch deshalb zu einer äußerst zuverlässigen Stütze entwickelt. Doch am Sonntag während seiner Entscheidung bei den Deutschen Meisterschaften in der Klasse bis 105 Kilogramm patzte er nach gelungenen 138 kg im ersten Auftritt danach für ihn ungewohnt gleich zweimal (144, 145). "Wir sind dann sofort in den Aufwärmbereich und da bewältigte Kurt 148 Kilo. Er hatte die Lasten drauf, sie waren nicht zu schwer. Ihm unterliefen technische Fehler", berichtete sein Trainer Petr Hruby. Dieses Ergebnis fand natürlich keine Berücksichtigung, brachte aber für die zweite Disziplin zusätzliches Selbstvertrauen. Im Stoßen legte der Chemnitzer dann mit zwei Gültigen solide 175 kg nach und sicherte sich mit 313 kg Rang drei. Damit erkämpfte er nach Titeln in der Jugend und bei den Junioren seinen ersten Podestplatz bei den Männern.

"Bronze ist okay für mich, auch wenn es nicht ganz so gut lief. Aber mehr war nicht drin", meinte Kurt Perthel, der sich wegen eines vierwöchigen Lehrganges bei der Bundeswehr keineswegs optimal vorbereiten konnte. Zuvor hatte er bei seinem Saisonhöhepunkt, der U-23-EM, mit Bestleistungen einen beachtlichen sechsten Platz belegt. Nachdem er im März zum zweiten Mal am rechten Knie operiert wurde, lag dieses Resultat weit über den Erwartungen. Vor den Meisterschaften in Roding kam noch ein ungewohntes Problem hinzu. Denn mit Blick auf die Zukunft hatte der 20-Jährige gemeinsam mit seinem Coach entschieden, eine Klasse höher zu starten. Während es bei den meisten Athleten üblich ist, vor wichtigen Wettkämpfen "Gewicht zu machen", musste er sich dieser leidigen Prozedur nicht unterziehen. Im Gegenteil, es hieß draufzupacken. "Ich habe aber zuletzt ganz normal gegessen und es so geschafft", erzählte Kurt Perthel, der mit 94,85 kg seine bislang angestammte Kategorie (bis 94 kg) geradeso übertraf. Damit war er der Leichteste aller Starter. Da ab Januar auch in Deutschland die vom Weltverband festgelegten neuen Klassen zur Anwendung kommen, kämpft er künftig im Limit bis 102 kg. International visiert er dabei auch bei den Männern die Topereignisse an.

Prächtig gelaunt und mit zwei Medaillen im Gepäck verließ indes Tom Ritter das bayrische Roding. Der Plauener konnte sich in der ersten Kategorie bis 56 kg mit 168 kg im Zweikampf (78; 90) sowohl bei den Junioren als auch bei den Männern Silber sichern. Mit der ihm eigenen, fast stoischen Ruhe gelangen ihm fünf gültige Versuche. Nur an 100 kg im Stoßen scheiterte er am Ende knapp. "Ich bin aber sehr zufrieden, denn die Vorbereitung war nicht einfach", meinte der 18-Jährige. Sein Trainer Steffen Ludwig kam sogar ins Staunen: "Ich hätte nicht gedacht, dass Tom so hoch gehen kann. Doch er zeigte wieder einmal, dass er ein Wettkampftyp ist." Sein Schützling konnte in der Woche zuvor wegen einer Erkältung nicht trainieren. Auch insgesamt muss er oft sein Pensum herunterschrauben, da er im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes, den er für eine Kirche absolviert, 40 Stunden pro Woche arbeitet. Umso bemerkenswerter, dass der Vogtländer seinen Coup von 2016 wiederholen konnte.

Damals, bei den Titelkämpfen vor heimischer Kulisse, ärgerte er erstmals die Männer. In jener Zeit paukte er als Gymnasiast weitaus intensiver an den Hanteln, bestimmte als mehrfacher Jugendmeister die nationale Spitze mit. Dabei wurde er 2012 im Sportunterricht gesichtet, fand sofort Gefallen am Eisen. 2013 belegte er bei den nationalen Titelkämpfen noch Rang vier, ab 2013 stand er stets in den verschiedenen Altersklassen ganz oben. "Voriges Jahr hätte ich es fast bis zur Jugend-EM geschafft. Aber am Ende verpasste ich die Norm um zwei Kilogramm", berichtete Tom Ritter. Er gehört zwar weiterhin dem Kader an, setzt aber mit dem Abitur in der Tasche, das er mit der Gesamtnote von 1,4 bewältigte, nunmehr beruflich die Prioritäten. 2019 möchte er dann ein Studium im Lehramt Mathematik/Physik beginnen. Dabei hofft er, dass er weiterhin Möglichkeiten findet, um zu trainieren. Denn auch in der Bundesligamannschaft des AT Vogtland (Atlas Plauen und TSG Rodewisch gemeinsam) ist er längst eine große Stütze.

Für Christoph Pichler vom CAC endete die Meisterschaft schmerzhaft. Der Medaillenkandidat (bis 62 kg) zog sich beim Reißen eine Ellenbogenverletzung zu, die den 25-Jährigen zur Aufgabe zwang.

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