Kein Durchatmen im Weihnachtsland

Vor dem Heimweltcup in Dresden steht für die Langläufer die Tour de Ski an. Die Erzgebirgerin Katharina Hennig verzichtete dafür zu den Feiertagen auf einen Heimatbesuch.

Lenzerheide/Chemnitz.

In der Saisonstrategie spielt die Tour de Ski für die deutschen Langläufer nicht die erste Geige. Teamchef Peter Schlickenrieder hält sich deshalb mit Zielsetzungen zurück, sagt aber auch: "Wir gehen gut gerüstet in die Tour, wollen weiter in Schwung kommen und von Rennen zu Rennen besser werden." Allerdings wird sich die zum Auftakt in Lenzerheide ausgeschöpfte Startquote (sechs Herren, sechs Damen) wohl auch von Rennen zu Rennen reduzieren. Geplant ist, dass Laura Gimmler nach dem ersten Sprintrennen und Sofie nach der zweiten Etappe in Toblach aussteigen, um sich auf den Sprintweltcup in Dresden (11./12. Januar) vorzubereiten. Bei den Männern wird Florian Notz, der im Oktober lange krank war, ebenso nach Toblach die Tour verlassen.

Auch die 14. Auflage hat es in sich. Sieben Wettkämpfe an neun Tagen in zwei Ländern lauten die Eckdaten. Zwei Sprints stehen während dieser Tour de Ski an. Neu ist, dass sich der beste Sprinter (Rotes Trikot) nicht mehr nur aus den vergebenen Bonussekunden, sondern aus den Endergebnissen der Sprints, der Zwischensprints bei Massenstarts und bei allen anderen Etappenformaten aus der Rangliste an der ersten Zwischenzeit berechnet. Um die Zahl der Finisher auf der Schlussetappe hinauf zur Alpinstation Alpe Cermis zu erhöhen, vergibt der Weltverband FIS diesmal bis zum letzten Platz Weltcupzähler. Ab Platz 41 erhalten alle Teilnehmer noch fünf Punkte. Die Tour-Gesamtsieger fassen wieder 400 Zähler ab.

Die mörderische Rampe am letzten Tag - 3,7 Kilometer, 425 Höhenmeter, drei 28 Prozent steile Passagen - bleibt das Alleinstellungsmerkmal der Tour. Erstmals wird die finale Etappe im Fleimstal nicht im Gundersenformat (nach Reihung der Gesamtwertung), sondern im Massenstart bewältigt. Ob das die Tour attraktiver macht, wird man sehen. Zum zweiten Mal findet die Serie nach Vorbild der Tour de France ohne einen Gastgeber auf dem für Sponsoren und TV-Sender wichtigen deutschen Markt statt. Oberstdorf beteiligt sich wegen der WM 2021 in diesem und im nächsten Winter nicht. "2022 stehen wir wieder mit Oberstdorf bereit", kündigte Andreas Schlütter, der Sportliche Leiter im Deutschen Skiverband (DSV), an. Doch gerade die 16. Auflage im Olympiajahr hat Tücken. Die Winterspiele in Peking finden ab dem 4. Februar und damit ungewöhnlich früh statt und noch dazu in einer Höhe von rund 1500 Metern. "Viele Athleten werden frühzeitig ins Höhentrainingslager gehen", vermutet Schlütter.

Der Thüringer ruft deshalb nach neuen Ideen. Der eigentlich attraktive Termin zwischen Weihnachten und Dreikönig, an dem sich die Langläufer in der Hoffnung auf höhere TV-Quoten an die Vierschanzentournee der Skispringer lehnen, bedeutet vor allem organisatorisch eine Herausforderung. "Zu der Zeit vermieten die Hotels ihre Zimmer lieber für zwei Wochen an Urlauber als an zwei Tagen für Sportler", sagte Schlütter. Für die Rennen am Silvester-Tag und an Neujahr in Toblach wohnt das DSV-Team 15 Kilometer vom Wettkampfort entfernt.

Was gute Leistungen allerdings nicht ausschließt. Katharina Hennig vom WSC Oberwiesenthal hatte ihr Potenzial als 13. beim Skiathlon in Lillehammer bereits verdeutlicht. Bei der Tour liebäugelt die Sächsin mit einem Top-Ten-Ergebnis. Um gut vorbereitet zu sein und bis zur Alpe Cermis durchzuhalten, hat sie auf einen Heimatbesuch zu Weihachten verzichtet. "Ich bin nach Lillehammer gleich ins Allgäu gereist und habe den Weltcup Davos ausgelassen, um mich langfristig auf die Tour vorzubereiten. Den Trainingsblock habe ich mit den Wettkämpfen in Planica abgeschlossen", erläuterte die 23-Jährige, die über die Feiertage bei ihrem Freund und dessen Familie im Allgäu verbrachte. Was sich quasi aufdrängte. Denn der "Schwiegervater in spe", Stefan Dotzler, ist gleichzeitig ihr Heimtrainer. Und am 26. Dezember war bereits Anreise im Schweizer Lenzerheide. mit dpa

Zeitplan und Aufgebot

Zeitplan

Lenzerheide (Schweiz):Samstag, 28. 12.2019, 12.45 Uhr: Massenstart, Damen, 10 km Freistil, 14.15 Uhr: Herren, 15 km Freistil; Sonntag, 29. 12. 2019, 11.20/11.35 Uhr: Damen/Herren, Finals Sprint Freistil.

Toblach (Italien):Dienstag, 31. 12. 2019, 12.30 Uhr: Herren, 15 km Freistil, 15 Uhr: Damen, 10 km Freistil; Mittwoch, 1. 1. 2020, 11.40 Uhr: Verfolgung, Damen, 10 km klassisch, 13 Uhr: Herren, 15 km.

Val di Fiemme (Italien): Freitag, 3. 1. 2020, 13.15 Uhr: Massenstart, Damen, 10 km klassisch, 15.15 Uhr: Herren, 15 km; Samstag, 4. 1. 2020, 11.25 Uhr: Damen/Herren, Finals Sprint klassisch.

Sonntag, 5. 1. 2020, 13.15 Uhr: Damen, Verfolgung, 9 km Freistil, 15.15 Uhr: Herren, Verfolgung, 9 km F.

Die deutschen Starter

Damen: Katharina Hennig (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal), Victoria Carl (Zella-Mehlis), Pia Fink (Bremelau), Antonia Fräbel (Asbach), Laura Gimmler, Sofie Krehl (beide Oberstdorf).

Herren: Valentin Mättig (Bertsdorfer SV), Lucas Bögl (Gaißach), Janosch Brugger (Schluchsee), Jonas Dobler (Traunstein), Sebastian Eisenlauer (Sonthofen), Florian Notz (Böhringen Römerstein).

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