Klares Statement: Prokop soll DHB-Team zu Olympia führen

Die deutschen Handballer spielen bei der EM um Platz fünf. Nach dem bestandenen Charaktertest gegen Österreich geht der Blick aber schon in Richtung Olympia. Für den Kampf um das Tokio-Ticket hat der Bundestrainer das volle Vertrauen des Verbandes.

Wien (dpa) - Christian Prokop zeigte keine Regung - dabei hatte DHB-Sportvorstand Axel Kromer im EM-Hotel der deutschen Handballer gerade ein klares Bekenntnis zum Bundestrainer abgegeben.

Mit einem Machtwort beendete Kromer am Dienstag die nach dem verpassten EM-Halbfinale aufgekommene Trainerdebatte und sprach Prokop das volle Vertrauen aus.

«Wir als Verbandsführung wollen klarstellen, dass es intern nie eine Diskussion darüber gab, mit welchem Trainer wir künftig die Nationalmannschaft prägen wollen. Wir werden natürlich mit Christian in Richtung Olympia gehen und die Sommerspiele anpeilen», sagte Kromer vor dem Abschluss der Hauptrunde gegen Tschechien am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF) in Wien.

Mit dem Gala-Auftritt beim 34:22-Sieg im Prestigeduell mit Österreich, der die Reise nach Stockholm zum Spiel um Platz fünf sicherte, hatte die DHB-Auswahl am Montagabend die richtige Antwort nach dem verfehlten Medaillenziel bei der Europameisterschaft gegeben. Das sportliche Statement wirkte auf Trainer und Mannschaft wie eine Frischzellenkur für die finale Turnierphase, in der sich die DHB-Auswahl jetzt Rückenwind für den Kampf um ein Olympia-Ticket holen will.

«Das Team ist hungrig und will einfach Spaß haben am Handball spielen. Das wird die Aufgabe sein gegen Tschechien», formulierte Prokop am Dienstag den Anspruch. Der Kieler Abwehrrecke Patrick Wiencek erhält dabei wegen Knieproblemen eine Atempause und wird durch Marian Michalczik ersetzt.

Unmittelbar nach dem Österreich-Spiel hatte sich der Bundestrainer seine Kritiker vorgenommen. Die nach der knappen und vermeidbaren Niederlage gegen Kroatien angezettelte Trainerdiskussion bezeichnete der 41-Jährige als «völlig überflüssig» und begründete das so: «Wir haben gegen Kroatien nach einem riesen Kampf mit einem Tor verloren. Ist das in Deutschland der Maßstab, dass dann der Trainer infrage gestellt wird, wenn man Kroatien nicht schlägt?»

Insbesondere der ehemalige Welthandballer Daniel Stephan hatte den Bundestrainer mehrmals als Fehlbesetzung im Amt bezeichnet und ihm zahlreiche Defizite vorgeworfen. Die Fundamentalkritik des 46-Jährigen schweißte das Team aber eher zusammen. «Die Gemeinschaft zwischen Mannschaft und Trainer steht, egal was passiert. Wir sind wieder perfekt vorbereitet worden. Für uns stellt sich überhaupt keine Trainerfrage, null», betonte der überragende Torwart-Oldie Johannes Bitter.

Der 37-Jährige parierte gegen Österreich 54 Prozent der Würfe und wurde dafür von den vielen deutschen Fans in der voll besetzten Wiener Stadthalle mit «Jogi, Jogi»-Sprechchören gefeiert. «Es ist natürlich toll, wenn eine Leistung so honoriert wird. Das hat wohl nicht nur damit zu tun, dass ich gut gehalten habe, sondern die Leute merken, dass ich der Mannschaft etwas geben und die Fans mitreißen kann», sagte Bitter.

Diese Rolle hat der Routinier, den Prokop nach fast sechs Jahren für die EM zurückgeholte, nach Ansicht des Bundestrainers perfekt ausgefüllt. «Er hat in jeder Teamsitzung seine Meinung gesagt, hilft den jungen Spielern, steckt neue Ziele und verkörpert diese auch - und dazu heute diese sportliche Leistung. Einfach fantastisch!», lobte Prokop direkt nach dem Abpfiff.

Der starke Auftritt seiner Schützlinge war ein Beleg dafür, dass die Moral im gesamten Teamgefüge stimmt. «Es gibt kein Problem zwischen Trainer und Mannschaft. Man sieht, dass sie sich zusammen viel vorgenommen haben», sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning und bekräftigte: «Die Mannschaft konnte immer mit dem Trainer.»

Prokop kann seine Arbeit nun erst einmal ohne Nebengeräusche fortsetzen. Für ihn gelten ohnehin andere Maßstäbe als Medaillen und Pokale - auch wenn er die natürlich gerne einmal holen würde. Schließlich blieb ihm dies auch bei seinem dritten großen Turnier im Amt verwehrt. «Ich weiß, dass wir ein Ergebnis-Land sind. Auch ich möchte Spiele gewinnen, die Mannschaft will Spiele gewinnen. Aber das Gefühl, wie wir zusammenstehen, wie wir hier auftreten und die Spiele nutzen, ist viel entscheidender», betonte der Bundestrainer.

Dieser Weg soll nun bis zum Abschluss der Endrunde konsequent weiter beschritten werden, um möglichst viel Selbstvertrauen in die Mitte April in Berlin anstehende Olympia-Qualifikation mitzunehmen. Die Spiele gegen Tschechien und um Platz fünf dienen bereits als Härtetest. «Die Mannschaft entwickelt gerade ein gutes Gefühl», befand Prokop. «Das brauchen wir für eine erfolgreiche Olympia-Qualifikation. Wir wollen unbedingt das Ticket lösen.»


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