Kühn sprintet beherzt aufs Podest

Der Bayer steht nach dem Sprint von Oberhof auf dem Podest und festigt seinen Status in der Mannschaft. Den Sieg holt sich der Franzose Martin Fourcade in Abwesenheit eines werdenden Vaters.

Oberhof.

Gönnt sich der neue Chef eine Auszeit, dann darf der alte Chef noch mal zurück auf seinen geliebten Posten. Da der Weltcupführende Johannes Thingnes Bö die Stationen Oberhof und nächste Woche in Ruhpolding auslässt, weil er bei der Geburt seines ersten Kindes in Oslo dabei sein möchte, schnappte sich Martin Fourcade am Freitag den Sieg in Thüringen. Im Weltcupsprint über 10 Kilometer triumphierte der einstige Dominator mit null Schießfehlern vor seinem französischen Landsmann Emilien Jaquelin (1) und dem Deutschen Johannes Kühn. Der lang aufgeschossene Bayer, der einmal in die Strafrunde musste, hatte am Ende 33,0 Sekunden Rückstand auf den siebenfachen Weltcup-Gesamtsieger Fourcade. Der Fehlschuss im Stehendanschlag juckte den 28-jährigen gebürtigen Passauer allerdings kaum. "Wenn man Dritter wird, dann ist es egal, was man schießt", sagte Kühn, nachdem er im Trockenen saß.

Im Rennen zuvor hatte es am Grenzadler wieder einmal geregnet. Der anhaltende Niederschlag und milde Temperaturen hatten der Strecke in den letzten Tagen arg zugesetzt. Um für alle 111 Biathleten faire Bedingungen zu gewährleisten, wurden die Herren deshalb am Freitag auf die Damenrunde geschickt. Dort liefen sie viermal 2,5 Kilometer, anstatt drei Runden über die Gesamtlänge von 10 Kilometern. Zudem wurde mit Reserven aus dem Depot in der benachbarten Skihalle die Schneeauflage am Schießstand erhöht. "Die Strecke war zweigeteilt. Einerseits eisig und extrem schnell. Und an anderen Stellen, dadurch, dass der Schnee extrem dreckig ist, wahnsinnig stumpf. Dazu kam noch wechselnder Wind", beschrieb Arnd Peiffer die schwierigen, aber noch beherrschbaren Bedingungen. Der 32-Jährige war als Siebenter zweitbester Deutscher, was ihn angesichts einer leichten Erkrankung über die Feiertage ganz zufrieden stimmte. "Eine solide Leistung. Bei 100 Prozent bin ich aber noch nicht", meinte Peiffer.

Auch Kühn hatte die Feiertage nicht so nutzen können wie eigentlich geplant. Doch davon war in Oberhof wenig zu sehen. Der Zollwachtmeister ging das Rennen beherzt an, kämpfte sich durch und landete zum zweiten Mal im Weltcupzirkus auf dem Podest. Ein Platz, der seinen Status innerhalb der Herren-Mannschaft, in der die Weltcupplätze härter als bei den Damen umkämpft sind, weiter festigt. "Ich weiß, wie es ist, die letzten Jahre immer auf dem fünften oder sechsten Platz rumzusitzen, wo es gefährlich wird", wertete Johannes Kühn und fügte an: "Mein großes Ziel ist es, davon wegzukommen. Dann hat man die Garantie, dass man, wenn es mal nicht läuft, nicht um seinen Platz im Team bangen muss", meinte der 1,88 Meter große Skijäger.

Wie sich eine Rückversetzung in den IBU-Cup, der zweiten Liga des Biathlons, anfühlt, musste Erik Lesser dieser Tage erfahren. Während seine Teamkameraden am Freitag an seinem Wohnort um Weltcuppunkte kämpften, lief der bekennende Fan des FC Erzgebirge Aue im slowakischen Osrblie im IBU-Cup. Lesser belegte im Einzel über 15 Kilometer Rang sieben, was die Chancen des zweifachen Weltmeisters auf eine Rückkehr in die Beletage nicht gerade sprunghaft erhöhten. Auch um die WM-Teilnahme muss er weiter zittern. Ganz im Gegensatz zu Johannes Kühn, der sich vor allem im Stehendschießen stabilisieren konnte. Der junge Mann, der die Fragen der Medien mit stoischer, bayerischer Ruhe beantwortete, hat das Ticket für den Saisonhöhepunkt ebenso gelöst wie Peiffer, Benedikt Doll und Philipp Horn, der bei seinem Heimspiel auf einem guten 13. Rang landete.

Apropos zittern: Für die kurioseste Einlage sorgte am Freitag Tarjei Bö, der ältere Bruder von Johannes Thingnes Bö. Der Norweger, der bis dahin gut im Rennen lag, schoss im Stehendanschlag einen Fehler. Doch anstatt in die Strafrunde abzubiegen, lief Bö daran vorbei. Dann kehrte der 31-Jährige wieder um, lief dem Feld entgegen und holte die Strafrunde nach. Am Ende bedeutete das Rang 24 für Tarjei Bö, der um eine Disqualifikation noch herumkam.

Service: Die deutsche Frauenstaffel startet am Sonnabend (12 Uhr) in der Besetzung Vanessa Hinz, Janina Hettich, Maren Hammerschmidt, Denise Herrmann. Die Männerstaffel (14.15 Uhr) nehmen Philipp Horn, Johannes Kühn, Arnd Peiffer und Benedikt Doll in Angriff.

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