Lok-Legende Manfred Geisler feiert 80. Geburtstag

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Er war eine der brillantesten Figuren des Leipziger Fußballs - der vielseitige Abwehrspieler Manfred Geisler. Von Linksaußen bis Torhüter - er spielte alles. Am Mittwoch wird die Lok-Legende 80 Jahre alt.

Leipzig.

"Komme mal vorbei", sagt er zum Schluss unserer Plauderei. "Aber warte nicht so lange, wir haben nicht mehr soviel Zeit", schiebt Manfred Geisler augenzwinkernd nach. So kennen ihn in seinem Umfeld die meisten - den Fußballer, den Familienvater, aber auch den kollegialen Menschen mit dem Schalk im Nacken. Das Leben stellte ihn schon ganz früh vor harte Proben. 13. Februar 1945: Wenige Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der Dresdner Bahnhof war voll mit Flüchtlingen, die vor der Bombennacht zum 14. Februar noch hofften, aus den Zügen herausgeholt und in Keller gebracht zu werden. Unter den Flüchtlingen waren Emma Geisler und ihre drei Söhne Helmut (9), Martin (8) und Manfred (4) aus Schlesien. "Es war grausam", meint Manfred, der noch heute Probleme hat, davon zu erzählen. "Wir hatten wahnsinniges Glück, die Angriffe zu überleben."

In den Nachkriegswirren verschlug es die Umsiedlerfamilie Geisler nach Burghausen bei Leipzig. Vater Heinrich kam erst 1949 aus der Gefangenschaft. Mit seinen zwei Brüdern machte Manfred dort die Dorfstraßen mit dem Ball unsicher. Mit dem Umzug der Familie nach Leutzsch landete der kleine "Männe" bei Chemie Leipzig, wo seine Brüder schon waren und er bis 1958 blieb. Manchmal spielte Chemie mit allen drei Geislers in einem Team. 1959 wechselte der zu diesem Zeitpunkt 17-Jährige zum SC Rotation nach Probstheida. Erfahrene und namhafte Spieler wie Horst Scherbaum, Siegfried Fettke oder Manfred Bauer waren seine ersten Teamkollegen - und Konkurrenten: "Scherbaum zeigte mir ganz schnell, dass ich null Chance im Ringen um einen Stammplatz hätte." "Männe" startete als Linksaußen, hatte eine unglaubliche "Linkstatsche", die schon damals begehrt war. "Gespielt habe ich dann im Prinzip überall." Selbst im Tor musste ich in mal ran, da bei Verletzungen nicht ausgewechselt werden durfte, erinnert sich "Männe": "Das passierte in einem Punktspiel gegen Dresden. Wir gewannen 2:1 und ich schoss sogar ein schönes Freistoßtor."

Einem der schlauesten Freistoß- und Eckballspezialisten gelangen in 318 Oberligapartien respektable 46 Tore. Aber die Kämpfernatur überzeugte nicht nur mit raffinierten Pässen, brillanten Tacklings, sondern auch mit eisenharter Zweikampfführung. Sein Motto: "Hart, aber fair. Ich habe jedenfalls keinen Gegenspieler ins Krankenhaus getreten." Dabei hätte man einen gewissen Frust schon nachvollziehen können, denn er stand dreimal mit Lok Leipzig im FDGB-Pokalfinale - und ging dreimal als Verlierer vom Platz. Als Lok Leipzig 1976 endlich den Pott gewann, stand Geisler nicht mehr im Endspiel-Aufgebot der Blau-Gelben.

Aufwind in den DDR-Fußball kam 1964 durch den ungarischen Trainer Karoly Soos. Vor dem olympischen Turnier von Tokio gab es drei dramatische Qualifikationsspiele gegen die UdSSR. "In Leipzig spielten wir 1:1, in Moskau ebenfalls, und dann kam das spektakuläre 4:1 in Warschau, als uns fast 10.000 Fans begleiteten", blickte der Sachse zurück. Aus der Nationalmannschaft war der Linksverteidiger, Läufer und auch Libero nun zwei Jahre lang nicht mehr wegzudenken.

Natürlich steht die Bronze-Elf von Tokio im Mittelpunkt. "Ich glaube schon, dass wir das Finale hätten erreichen können", ist "Männe" überzeugt: "Doch im Halbfinale gegen die Tschechoslowakei war nach der schweren Verletzung unseres Kapitäns Klaus Urbanczyk noch vor der Pause die Hoffnung geschwunden. Denn selbst bei einer Verletzung war eine Auswechslung damals noch nicht erlaubt. Wir mussten also in Unterzahl weiterspielen und verloren mit 1:2, die Tschechen hatten unsere von Jürgen Nöldner erzielte 1:0-Führung noch gedreht." Trainer Soos standen die Tränen in den Augen. Seine "Kinder", wie er immer sagte, haben ihn verehrt. "Er war so menschlich", wie Geisler über den erfahrenen Coach erzählt: "Zwar hat er auch mal dazwischengefunkt, aber dann war auch schnell alles wieder gut."

Bei Karoly Soos war "Männe" zwei Jahre lang als Linksverteidiger oder Innenverteidiger in 15 Länderspielen gesetzt. Er hatte in Tokio entschlossen seine Chance genutzt und sah nunmehr seinem Debüt in der A-Auswahl mit Freuden entgegen. Der 2:0-Erfolg im Land des Doppelweltmeisters Uruguay kam einer Sensation gleich. Im Superjahr 1966 verschaffte sich das Lok-Urgestein vor heimischem Publikum gegen den WM-Dritten Chile mit einem Kopfball zum 5:2-Endstand sein einziges Torerlebnis im Nationalmannschaftstrikot. Was war eigentlich sein größtes Spiel? Da muss er nicht lange überlegen: "Die dramatische Partie 1967 gegen Eusebios Benficas in Lissabon. Zwar ging das Match mit 1:2 verloren, doch das Polster vom 3:1 im ersten Spiel mit Hennings Superauftritt reichte zum Weiterkommen."

Am Mittwoch wird Manfred Geisler 80 Jahre alt. Wo wird er feiern? "Das wird ja nun leider nichts. Aber im ganz kleinen Kreis, mit Hannelore, meiner Frau, mit Tochter Heike und Sohn Swen, sowie der Enkelschar werden wir mit einem Gläschen Sekt anstoßen." Alles Gute!

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