16-Jähriger sorgt bei Weltcup für Furore

Rennrodler Timon Grancagnolo von Lok Chemnitz ist zweimal zu Silber gefahren. Für seinen Verein geht nicht nur deshalb ein denk- würdiges Jahr zu Ende.

Er startet für den Eisenbahnersportverein (ESV) Lok Chemnitz und ist oftmals schneller als die Deutsche Bahn unterwegs: Rennrodler Timon Grancagnolo raste schon mit knapp 140 km/h durch die Eisrinne. Und kaum hat die neue Saison begonnen, drückt der 16-Jährige wieder mächtig aufs Tempo. Beim Weltcup-Auftakt in Innsbruck holte Grancagnolo zweimal Silber, musste in den beiden Rennen der unter 17-Jährigen nur einem Letten den Vortritt lassen. "Mein Abschneiden war schon sehr erfreulich", sagte der Schüler des Sportgymnasiums Oberwiesenthal.

Dass er vor Freude nicht ausrastete, liegt in seinem Ehrgeiz begründet. "Ich hätte die Wettbewerbe auch gern gewonnen", bemerkte der Chemnitzer, der in der Adventszeit aus dem Koffer leben muss. Denn am morgigen Samstag geht es mit dem Weltcup in Königssee weiter, eine Woche später stehen zwei Rennen in Altenberg auf dem Programm. An Unterricht ist derzeit nicht zu denken. "Ich bin drei Wochen am Stück unterwegs. Für solche Wettkampfreisen bekommt man von den Lehrern Arbeitsaufträge mit auf den Weg und muss unter Aufsicht der Trainer manchmal auch Klausuren schreiben", berichtete der Rennrodler.

Er weiß genau , wofür er die Doppelbelastung auf sich nimmt. Von Olympia will der 16-Jährige zwar noch nicht sprechen. "Das ist zu weit weg", sagte der Lok-Sportler. Doch fürs nächste Jahr hat er ein großes Ziel vor Augen: die Teilnahme an der Junioren-Weltmeisterschaft in Oberhof. Auch dann wird er weiterhin dem ESV Lok angehören, obwohl Chemnitz nicht gerade als Mekka für Wintersportarten bekannt ist. "Ich bleibe bei dem Verein, weil ich dort immer viel Unterstützung erhalten habe. Bei Lok bin ich stets ohne Ende gepusht worden", betonte Timon Grancagnolo. Sein südeuropäisch klingender Nachname hat im Übrigen mit seinem Großvater väterlicherseits zu tun. "Der ist Italiener", erklärte der 16-Jährige, für den Selbstkritik kein Fremdwort ist. Als seine größte Reserve hat er den Start ausgemacht. "Dort muss ich noch schneller werden", ist sich Grancagnolo im Klaren.

Sein jüngster Auftritt in Innsbruck ist so etwas wie das i-Tüpfelchen auf ein denkwürdiges Jahr für den ESV Lok. Vereinspräsident Dietmar Hunger kann kaum fassen, was einigen Mitgliedern der Freizeitsportgemeinschaft gelungen ist. Ganz oben steht Basketballtrainer Torsten Loibl, der vor gut 30 Jahren als blutjunger Übungsleiter bei Lok begonnen hatte und 2019 mit der japanischen Frauennationalmannschaft Weltmeister in der Basketball-Disziplin Drei gegen drei geworden ist. "Als ich davon erfahren habe, bin ich ausgeflippt. Wahnsinn! Das ist der größte Erfolg in der Historie unseres Vereins", kommt Hunger aus dem Schwärmen nicht heraus.

Stolz sei er unter anderem auch auf den gehandicapten Kegler Frank Gruner, der Vize-Europameister und mehrfacher deutscher Titelträger wurde. "Frank ist für die Wahl zu den sächsischen Sportlern des Jahres nominiert worden", betont der Lok-Chef. Jubeln konnte er auch nach dem Auftritt von Romy Mücke bei den Ü-30-Weltmeisterschaften im Judo in Marrakesch/Marokko, von denen die Chemnitzerin mit einer Bronzemedaille im Gepäck zurückkehrte. Und jetzt noch die zweiten Weltcup-Plätze des jungen Rennrodlers. "Eine tolle Leistung von Timon Grancagnolo", unterstreicht der Vereinsvorsitzende.

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