19-Jähriger rast zur Weltmeisterschaft

Jeremy Sydow aus Chemnitz hat sich für 2020 einen Dauerstartplatz bei der Motocross-WM erkämpft. Zu seinen Gegnern in der zurückliegenden Saison gehörte auch ein Stein.

Er will hoch hinaus. Das wäre auch als Dachdecker möglich gewesen. Diesen Beruf hätte Jeremy Sydow beinahe ergriffen. "Nach meinem Realschulabschluss habe ich ein Jahr lang eine Ausbildung im Betrieb meines Papas als Dachdecker gemacht", berichtete der 19-jährige Chemnitzer. Doch dann war vorzeitig Schluss damit. Sydow entschied sich für eine andere berufliche Laufbahn - als Motorsportler. In der Disziplin Motocross, die im Gelände ausgetragen wird, habe seine Karriere im wahrsten Sinne immer mehr Fahrt aufgenommen. "Ich bin jetzt Motocross-Profi und verdiene momentan zumindest so viel Geld, dass ich davon leben kann", erklärte Sydow.

Mit starken Leistungen in diesem Jahr konnte sich der Chemnitzer, der für das Kölner Team Diga-Procross fährt, einen Dauerstartplatz für die Weltmeisterschaftsrennen 2020 erkämpfen. Dann wird er ein enormes Pensum absolvieren müssen. "Ich werde annähernd 30 Rennwochenenden haben", sagte Sydow. Er wohnt mittlerweile in Köln, was nicht immer einfach für ihn ist. "Es gibt auch schwere Tage, an denen ich mein Zuhause vermisse, vor allem im Winterhalbjahr. Während der Saison geht es dann wieder ganz gut, denn bei den Rennen sind meistens mein Papa oder die ganze Familie dabei", erzählte Sydow.

Höhepunkt in diesem Jahr war sein Gaststart bei der Motocross-Weltmeisterschaft. Sein erster Auftritt ging allerdings noch schief: Im tschechischen Loket war nach einem Sturz in der Qualifikation vorzeitig Feierabend. Danach konnte er in Imola (Italien) seine Klasse jedoch unter Beweis stellen. Zu Beginn des ersten Laufes ging Sydow zwar kurz zu Boden, kämpfte sich aber vom Ende des Feldes noch auf den 18. Platz unter 34 Startern nach vorn und holte damit seine ersten drei WM-Punkte. Im zweiten Rennen lief es noch besser: Diesmal konnte der Chemnitzer von Beginn an mit den Spitzenfahrern mithalten und landete auf einem beachtlichen zehnten Rang.

Dabei hatte die Motocross-Saison für Jeremy Sydow gar nicht gut begonnen. Zum Auftakt der Europameisterschaft in Großbritannien brach sich der Youngster bei einem Sturz das Kahnbein in der linken Hand und verpasste dadurch einige Rennen. Doch Sydow berappelte sich wieder und hatte nach einigen sehr guten Platzierungen die Chance, beim ADAC-Youngster-Cup als wichtigster deutscher Rennserie in der 250er-Klasse den Titel zu gewinnen. Manchmal gibt es aber auch Gegner, die unverhofft zuschlagen: Zum Saisonfinale zerstörte ein umherwirbelnder Stein die Kette seines Bikes - und diese wiederum den Motor. Somit musste Sydow am Ende mit dem Silberrang in diesem Wettbewerb vorliebnehmen.

Die Leidenschaft für den Motorsport war ihm in die Wiege gelegt worden. Schließlich ist er der Sohn von Mike Sydow, ehemaliger Gelände-MZ-Werksfahrer. In der sportlichen Laufbahn des jungen Chemnitzers ging es schnell bergauf. Die ersten großen Erfolge feierte Jeremy Sydow im Jahr 2015, als er den ADAC-Junior-Cup und die Deutsche Jugend-Motocross-Meisterschaft gewinnen konnte. Damals ahnte er aber noch nicht, dass er vier Jahre später bereits als Weltmeisterschaftspilot unterwegs sein würde.

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