3000 Gäste bei Sporttagpremiere im Stadion

Bei der Ersatzveranstaltung für die Sportmeile auf dem in diesem Jahr abgesagten Stadtfest konnten sich Vereine präsentieren. Wie ist das angekommen?

Es dürfte wohl ein doppelter Rekord gewesen sein. Noch nie haben mehr Chemnitzer eine American-Football-Partie gesehen. Und noch nie sind die Kreuzritter vor mehr Zuschauern aufgelaufen. Als die Gastgeber am Samstagnachmittag im Stadion an der Gellertstraße den Rasen betraten, waren auf der Haupttribüne kaum noch Plätze frei. Rund 2000 Zuschauern sahen den 24:7-Sieg der Kreuzritter gegen die Vogtland Rebels. "Das war eine coole Erfahrung. Die Stimmung war bis zum Schluss toll", meinte der Chemnitzer Trainer Ralph Dietrich.

Das Freundschaftsspiel anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Vereins war Abschluss und Höhepunkt des ersten Chemnitzer Sporttags im Stadion an der Gellertstraße. Die Veranstaltung diente als Ersatz für die Sportmeile auf dem Stadtfest, das in diesem Jahr ausfiel. Ab Mittag präsentierten am Samstag 25 Vereine ihre Sportarten, von Baseball bis Bogenschießen, von Tauchen bis Line Dance. Unter dem Vordach des Stadions hatte die Abteilung Fechten des CPSV ihre Anlage aufgebaut. "Viele Gäste freuen sich, mal ein Florett in die Hand nehmen zu können", berichtete Trainerin Elisa Bader. Ganz in der Nähe luden die Baseballer zum Ausprobieren ein. "Die Leute finden es interessant, mit einem Baseballschläger zu schlagen", sagte Enrico Schwarz vom Verein Cyndicates. Als vergleichsweise junge Verein sei man auf solche Veranstaltungen angewiesen: "Uns kennen ja noch recht wenige."

Andere Voraussetzungen, aber ähnlich Probleme bei den Radballern von TuS Ebersdorf: Die Sportart hat in Chemnitz eine lange Tradition. "Sie ist aber etwas aus der Öffentlichkeit verschwunden", sagt Martin Martius. Deswegen gehe man in die Öffentlichkeit. "Es geht nicht darum, dass sich gleich 20 Leute anmelden, sondern darum, dass sie wissen, dass es uns gibt", so der Radballer. Sowohl hier als auch bei den Baseballern nebenan war man mit der Resonanz vor allem in den Nachmittagsstunden zufrieden.

Richtig viel los war indes den ganzen Tage über beim Wintersportverein Grüna. Die Mitglieder hatten eine kleine Rampe aufgebaut, auf der sich ein Skisprung simulieren ließ. "Viele Kinder haben das mal ausprobiert", sagte Uwe Haustein. Einige hätten sogar gleich angekündigt, zum nächsten Training kommen zu wollen, ergänzte Michaela Haustein. Unter den Interessenten waren auch Claudia Brentmann und ihre Tochter. "Wir wollen einfach mal sehen, ob was für sie dabei ist. Sie ist jetzt vier Jahre alt, da fängt man ja mit Vereinssport an."

Um sich über die Chemnitzer Sportlandschaft zu informieren, ist auch Andreas Oppel mit seiner Familie zum Sporttag gekommen. "Hier hat man alles an einem Platz und kann sich ausprobieren." Seine sechsjährige Tochter habe am Fechten Gefallen gefunden, der fünfjährige Sohn Interesse am Eishockey gezeigt. Auf der Suche nach einem Verein für seine beiden fünf und sieben Jahre alten Töchter war Jan Kühnert. "Hier kann man viel entdecken", meinte er. Kühnert nahm gemeinsam mit seinen Kindern an einer Stadionführung teil. "Ich habe sonst keine Berührungspunkte mit dem Stadion, wollte es mal sehen", erklärte er seine Motivation.

Alle 30 Minuten startete ein Rundgang durch die 2016 nach einem 27 Millionen Euro teuren Umbau eröffnete Sportstätte. Touristenführer Marcel Wächtler führte Gruppen zwischen zehn und 30 Personen in den Pressebereich, die Mixed Zone, zu den Auswechselbänken und in den VIP-Bereich. Er verriet unter anderem, was eine Loge kostet (etwa 40.000 Euro pro Saison) und bis zu welcher Temperatur die Rasenheizung den Platz eisfrei hält (minus sieben Grad). "Ich habe so eine Führung schonmal in München mitgemacht. Im Grunde ist aber hier alles genauso vorhanden", sagte Besucherin Ute Arnold nach dem 45-minütigen Rundgang.

Gäste konnten sich außerdem in einer Ausstellung über die Stadionhistorie informieren, Vereinsvorstellungen auf dem Rasen und Vorträgen im VIP-Bereich folgen. Die Organisatoren von den Chemnitzer Veranstaltungszentren C3 zählten rund 3000 Gäste und zeigten sich zufrieden mit der Premiere. Sie planen eine Neuauflage für nächstes Jahr. Geschäftsführer Ralf Schulze denkt aber über Änderungen nach. "Das Programm war mit sechs Stunden etwas zu lang, das wollen wir kompakter gestalten", kündigte er an. Zudem werde man den Rasen womöglich anders nutzen als diesmal.


Kommentar: Gelungen, aber ausbaufähig

Auch wenn der Regen am frühen Nachmittag wohl einige Besucher abgehalten hat, ist die Premiere des Sporttags insgesamt gelungen. Unabhängig davon, ob es wieder ein Stadtfest gibt, sollte die Veranstaltung künftig immer im Stadion stattfinden. Die Sportstätte gewinnt somit vielleicht auch bei jenen Sportvereinen an Akzeptanz, die mitunter neidisch auf den Fußball und seine finanziellen Möglichkeiten schauen. Die Vereine müssen das Angebot, sich zu zeigen und so Nachwuchs zu gewinnen, aber noch besser nutzen. Am Samstag war nur etwa jeder zehnte Sportclub der Stadt vertreten - zu wenig.

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
3Kommentare
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  • 3
    7
    mathausmike
    09.09.2019

    @Pixelghost:Die"Süd"wurde diesmal nicht boykottiert.
    Die "Clubfans" gehen nur nicht zum American Footboll,sondern fahren nächste Woche alle nach Unterhaching,um endlich wieder ihre Mannschaft anzufeuern. :-)

  • 7
    4
    Pixelghost
    09.09.2019

    Ooooh, meine Lieblingsdaumen. Na da fängt der Tag doch richtig gut an.

  • 8
    6
    Pixelghost
    09.09.2019

    Keiner auf der „Süd“? Na was war denn da los? Etwa Streik gegen Sport?



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