6:2 im Rückspiel - so sehen Bundesliga-Aufsteiger aus

Die A-Junioren des Chemnitzer FC haben vor 1155 Zuschauern den TSV Havelse vom Platz gefegt und den Sprung in die höchste Spielklasse geschafft. Ein Teil des Teams steht vor einer ungewissen Zukunft.

Gestern, 13.49 Uhr im Hauptstadion des Sportforums: Das Relegations-Rückspiel um den Aufstieg in die A-Junioren-Bundesliga wird abgepfiffen. Einige Spieler des Chem- nitzer FC fallen sich in die Arme. Andere sinken erst einmal zu Boden, so erschöpft sind sie. Wenige Minuten später wird auf dem Rasen ausgelassen gefeiert - mit Sektduschen, Tänzen und Gesängen. Alle Spieler haben sich ein Aufstiegstrikot übergestreift.

Vor der unglaublichen Kulisse von 1155 Zuschauern hatten die CFC-Talente zuvor den niedersächsischen Klub TSV Havelse mit 6:2 (3:1) abgefertigt und die 0:1-Niederlage aus der ersten Partie wett- gemacht. Damit sind die Himmelblauen erstmals seit vier Jahren wieder in der U-19-Bundesliga vertreten. Beim letzten Aufstieg hatten sich die Chemnitzer ebenfalls gegen Havelse durchgesetzt. Dass die gestrige Begegnung eine dermaßen klare Angelegenheit war, über- raschte die Spieler selbst. "Ich hatte mit einem knappen Sieg für uns und einer Verlängerung gerechnet", sagte CFC-Torhüter Wojciech Sadlowski, während ihm zwei Mit- spieler einen Eimer Wasser über den Kopf schütteten. Der Keeper war in dieser Saison die Zuverlässigkeit in Person, stand in allen Punkt- spielen zwischen den Pfosten. "Was uns auszeichnet, ist der Riesen- zusammenhalt in der Mannschaft. Die Jungs haben sich diesen Aufstieg verdient", betonte Sadlowski. Der gebürtige Pole war vor zwei Jahren vom FSV Frankfurt nach Chemnitz gewechselt.

Gestern sei er nach dem Treffer zum 4:1 (52.) sicher gewesen, dass es mit dem Aufstieg klappt. Der Torschütze wurde besonders gefeiert: Es war Kapitän Marvin Thiele, der sich nach zweimonatiger Verletzungspause und nur einer Trainingseinheit in den Dienst der Mannschaft stellte. Thiele hatte kurz vor der Halbzeitpause einen Elfmeter herausgeholt, den er selbst schoss - flach am rechten Pfosten vorbei. Doch der Stürmer erwies sich als "coole Socke" und machte noch sein Tor. Jetzt wird er zum Profi-Kader der Himmelblauen stoßen und unter Horst Steffen trainieren. Der Chefcoach des CFC schaute sich gestern den Auftritt der A-Junioren an und gehörte nach der Partie zu den ersten Gratulanten.

Torhüter Sadlowski wird nicht ins Profi-Team aufrücken, wo er als dritter Schlussmann infrage gekommen wäre. Laut U-19-Trainer Kay-Uwe Jendrossek will der Verein mit einem jungen Torwart arbeiten, der noch bei den A-Junioren spielen kann, was auf Sadlowski nicht zutrifft. "Ich werde jetzt mit meinem Berater überlegen, wohin ich wechseln kann. Am liebsten wäre mir ein deutscher Drittligist - oder ich gehe in meine polnische Heimat zurück", so der Torwart. Auch seine Eltern wird er in die Entscheidung ein- beziehen. Ihnen sei er für die jahrelange Unterstützung dankbar. "Sie wohnen in Frankfurt und sind zu jedem Heimspiel nach Chemnitz gefahren. Auch auswärts waren sie oft dabei", sagte Sadlowski, dessen jüngerer Bruder Patryk in der U 19 des CFC Feldspieler ist und noch eine Saison bei den A-Junioren auflaufen wird. "Es freut mich für ihn, dass er jetzt Bundesliga spielen kann", betonte Wojciech Sadlowski.

Ein wenig nachdenklich in all dem Aufstiegstrubel wirkte Kilian Müller gestern. Der Abwehrspieler hatte in seiner letzten A-Junioren-Partie per Kopf (16.) den Torreigen gegen Havelse eröffnet. "Sechs Treffer insgesamt, so viele haben wir während der Regionalliga-Saison nicht mal gegen den Tabellenletzten erzielt", bemerkte Müller. Und dann noch diese enorme Zuschauerresonanz. "Wir wären auch mit 500 Besuchern zufrieden gewesen", so der 18-Jährige. Wie Schlussmann Sadlowski weiß er noch nicht, wie es mit ihm weitergeht. Über eine Zukunft beim CFC habe er mit Stephan Beutel geredet, doch der sei bekanntlich nicht mehr Sportdirektor. "Seitdem gab es kein neues Gespräch. Deshalb gehe ich davon aus, dass nicht mit mir geplant wird", sagte Müller. Er hatte in Heidenheim und Aue gespielt, bevor er 2016 zum CFC kam. "Vielleicht gehe ich in meine Heimat zurück. Ich komme aus der Stuttgarter Ecke", so der Innenverteidiger.

Er habe jede Partie dieser Saison von der ersten bis zur letzten Minute bestritten. "Ich habe mich über so viel Vertrauen des Trainers gefreut", sagte Müller an die Adresse von Kay-Uwe Jendrossek, der gestern nicht nur seinen Schützlingen gratulierte, sondern auch die bitter enttäuschten Jungs aus Havelse nach dem Spiel tröstete. Im Moment des Erfolgs hob der frühere Zweitliga-Profi die Teamarbeit rund um die A-Junioren hervor, bedankte sich bei seinem "Co" Mike Barth sowie allen Betreuern und Helfern. Auch Nachwuchsleiter Heiko Nowak habe ihn sehr gut unterstützt. "Ich hoffe, dass wir künftig weiter zusammenarbeiten werden", sagte Jendrossek in Anbetracht der Tatsache, dass Nowaks auslaufender Vertrag immer noch nicht verlängert wurde.

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