Anton Fink: Die Diskussionen um den Trainer nerven mich

Der Abwärtstrend ist gestoppt, die Nerven sind beruhigt. Doch der Sieg gegen den SC Paderborn war für den Chemnitzer FC teuer erkauft, Coach Sven Köhler ist längst nicht aller Sorgen ledig.

"Ja, wir haben heute auch für den Trainer gewonnen", sagte am Mittwochabend nach dem Schlusspfiff Dennis Mast, "es war bestimmt sehr gut für ihn, heute so eine Leistung der Mannschaft, so eine Reaktion auf die Schlagzeilen der letzten Tage zu sehen." Der 25-Jährige selbst hatte mit seinem Treffer zum 1:0 maßgeblich dazu beigetragen, dass die Himmelblauen mit dem 2:1-Erfolg gegen den Tabellenvorletzten aus Ostwestfalen drei Punkte einsammeln konnten.

Die Punkte 38 bis 40 in dieser Saison, die den CFC - punktgleich mit dem Dritten Lotte - auf Platz vier der Drittligatabelle klettern ließen. Deswegen kann Dennis Mast die Diskussion um Sven Köhler auch nicht nachvollziehen: "Ich persönlich verstehe nicht, warum der Trainer so in der Kritik steht, wie es in den letzten Tagen nachzulesen war. Wir sind dran an den Aufstiegsrängen - warum da über den Trainer diskutiert wird, ist mir absolut unklar."

Klar ist, dass Dennis Mast morgen beim Spiel in Osnabrück (und wohl auch mindestens noch beim darauf folgenden Heimauftritt gegen Duisburg) nichts dazu beitragen kann, weitere Zähler auf das Club-Konto zu bringen. In der Nachspielzeit bekam er vorgestern Abend von Schiedsrichter Steffen Mix die Rote Karte vor die Nase gehalten, nachdem er den Paderborner Christian Strohdiek nahe der Eckfahne in der Hälfte der Gäste gefoult hatte. Als "nicht besonders clever" beschrieb Sven Köhler die Aktion seines Schützlings, meinte aber auch: "Verglichen damit, wie Paderborns Torwart Lukas Kruse in einer Szene Daniel Frahn mit beiden Beinen voraus attackiert hat, war Dennis' Foul harmlos. Das war schon irgendwie zweierlei Maß." Und wie beurteilt der Rot-Sünder selbst die Szene? "Ich grätsche ihm von hinten in die Beine. Es war ein Foul - mein erstes, höchstens zweites im ganzen Spiel. Ich entschuldige mich bei der Mannschaft. Ich werde jetzt fehlen."

Wie auch Berkay Dabanli, der wegen einer Oberschenkelverletzung runter musste, von Manuel Mbende aber hervorragend ersetzt wurde. Wie zudem Fabian Stenzel und Björn Jopek. Stenzel kassierte den fünften gelben Karton der Saison, Jopek ging nach 57 Minuten mit Gelb-Rot vom Platz. "Das hat uns ganz schön in Bedrängnis gebracht", gibt es einen leichten Rüffel vom Trainer, "im Wissen darum, dass man schon Gelb gesehen hat, muss man da etwas bedachter zu Werke gehen. Aber es war auch ein sehr hitziges Spiel, da ist das bestimmt nicht ganz so einfach."

Als Jopek vom Feld musste, war der Jubel über das 2:0 gerade erst verklungen. Ein Treffer, der natürlich für den ganzen CFC wichtig war, für den Schützen aber ganz besonders. Eswar Philip Türpitz' erstes Saisontor. Fast acht Monate musste er darauf warten und war entsprechend erleichtert: "Mir ist ein riesengroßer Stein vom Herzen gefallen. Ich hoffe, dass bei mir jetzt endlich der Knoten geplatzt ist und noch ein paar mehr Tore folgen." Das hofft auch sein Coach, dem es auch wichtig war, sich bei den erschienenen 6289 Zuschauern (es hätten gern ein paar mehr sein dürfen) zu bedanken: "Heute war von Beginn an eine positive Stimmung im ganzen Stadion zu spüren. Das hat sicher zu dieser sehr guten Leistung beigetragen. Die Jungs haben miteinander und füreinander gekämpft, man hat gespürt: Diesen Sieg wollen sie unbedingt."

Leichter wird es für Sven Köhler und seine Truppe angesichts des immer dünner werdenden Kaders in den nächsten Wochen nicht. Die Debatte um den Job des Übungs- leiters erschwert die Lage zusätzlich. "Ich hoffe, dass jetzt Ruhe einzieht. Die Diskussionen um den Trainer nerven mich", sagte Anton Fink gestern. Wie Dennis Mast verwies der 29-Jährige auf die Tabellensituation. "Wir sind Vierter, punktgleich mit dem Dritten", so Fink. Zum Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft erklärte er: "Es gab keinen Disput. Und wir sind auch nicht zerstritten." Ab sofort werde er zu diesem Thema nichts mehr sagen, ergänzte der Rekord-Torschütze der Dritten Liga.

Zu den Profis, die dem Trainer mit ihren jüngsten Aussagen keine Hilfe waren, gehört Daniel Frahn. Der Torjäger mit Ladehemmung bestritt gestern jedoch vehement, dass das Verhältnis zu Köhler gestört sei. "Es gibt keine Probleme zwischen Trainer und Mannschaft. Wir wollen gemeinsam Erfolg haben", betonte Frahn.

Bleibt der Punkt: Auch wenn Köhler aktuell der Rücken gestärkt wird - wie es ab Sommer mit ihm weitergeht, weiß er ohne neuen Vertrag trotzdem nicht.

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