Aus Claußnitz in die Weltspitze: Junger Trial-Fahrer trumpft auf

Mit der Teilnahme an der Junioren-WM in China hat ein Radsportler seinen bisher größten Erfolg gefeiert. Dass er mit nur 17 Jahren auch schon bei Wettkämpfen der Elite startet, hat einen Grund - und der findet sich im Garten des Elternhauses.

Mit einem Mountainbike fing alles an. Als Philipp Otto gerade einmal sieben Jahre alt war, spielte er Fußball. So wie fast alle anderen Jungs in seinem Alter auch. Doch dann nahm ihn ein Freund mit zu einem anderen Training - Fahrrad-Trial. Das ist Geschicklichkeitsfahren auf zwei Rädern, wobei die Sportler meist nur auf dem Hinterrad unterwegs sind. Es gilt, mit Sprüngen und ganz viel Balance-Gefühl bestmöglich durch einen Hindernisparcours zu kommen.

Philipp Otto war sofort Feuer und Flamme. Ein Trial-Rad, also eines ohne Federung und ohne Sattel, hatte er noch nicht. "Anfangs habe ich mit einem Mountainbike mitgemacht, später habe ich mir dann ein Trial-Rad ausgeliehen", sagt der 17-Jährige. "Als es dann ernster wurde, habe ich von meinen Eltern ein eigenes Rad bekommen." Begeisterung und Ausrüstung waren also vorhanden. Das Problem: Rund um seinen Wohnort Claußnitz gibt es keine Möglichkeit, ordentlich zu trainieren. "Ich habe mich deshalb beim MSC Thalheim angemeldet. Auch, weil ich einen Verein brauchte, um die Lizenz für die Teilnahme an Wettbewerben zu erhalten", erzählt Philipp Otto.

Der MSC Thalheim ist Heimatverein von Trial-Größen wie den Ex-Weltmeistern Marco Hösel und Hannes Herrmann. "Mit Hannes habe ich auch gelegentlich trainiert", sagt Philipp Otto stolz. Doch bis ins erzgebirgische Thalheim sind es von Claußnitz 40 Kilometer - der Aufwand ist also groß, wenn täglich trainiert werden soll. "Die Lösung hat mein Vater in unserem Garten aufgebaut", sagt der junge Radsportler und grinst. "Ich bin wahrscheinlich der einzige Fahrer mit einem eigenen Trial-Park hinter dem Haus."

Flutlicht macht möglich, dass Philipp Otto sogar jetzt noch am späten Nachmittag oder Abend auf Betonröhren, großen Steinen und Holzpaletten trainieren kann. "Ich betreibe den Sport jetzt schon fast wie ein Profi", sagt er. "Ich trainiere jeden Tag, achte streng auf meine Ernährung." Diese Disziplin und das Training mit Coach Andi Lehmann haben sich ausgezahlt. Philipp Otto hat in den vergangenen Jahren als einer von ganz wenigen Startern aus Ostdeutschland an überregionalen Wettbewerben teilgenommen. Der Claußnitzer war unter anderem dreimal bei den Weltjugendspielen dabei und ist im Juniorenbereich bei Europameisterschaften gestartet. Höhepunkt war nun Anfang November die Teilnahme an der WM in China. "Dass ich mich dafür qualifizieren konnte, ist schon ein riesiger Erfolg", sagt er. "Dass es am Ende der 11. Platz geworden ist, macht das Ganze noch besser."

Die Reise nach China mussten der 17-Jährige und sein Vater, der ihn begleitet hat, aus eigener Tasche bezahlen. "Da Trial keine olympische Sportart ist, werden wir leider vom Radsportverband nicht finanziell unterstützt", sagt Philipp Otto. Er habe immerhin die Kleidung des deutschen Nationalkaders gestellt bekommen.

In den kommenden zwei Jahren will der 17-Jährige den Fokus in erster Linie auf seinen Schulabschluss legen. "Jetzt ist erst einmal das Abitur wichtig. Parallel dazu will ich aber schon daran arbeiten, bei den Meisterschaften weiter vorn zu landen", sagt er und blickt dabei vor allem auf die Deutsche Meisterschaft der Junioren. Dort ist er in diesem Jahr auf den vierten Platz gesprungen, im kommenden Jahr soll es auf das Treppchen gehen.

Zudem stehen für den Schüler des Burgstädter Gymnasiums noch einige Weltcups im Terminkalender - wohlgemerkt bei der Elite, nicht mehr bei den Junioren. "Dort fahre ich gegen sämtliche Altersklassen und bin aktuell noch ziemlich weit hinten bei den Platzierungen", sagt er. "Das ist aber auch völlig normal. Es ist eine große Ehre, mich schon jetzt mit den weltbesten Trial-Sportlern messen zu dürfen."

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