Bewährungsprobe für Boxer vor Neustart in zweiter Liga

Die "Chemnitzer Wölfe" gehen in dieser Saison in einer neuen Spielklasse an den Start. Dabei wird auf den Nachwuchs gesetzt - der sich bei einem Turnier im Rahmen des Stadt- festes beweisen konnte.

Yves-Domenic Kentsch atmet kräftig ein und aus, während er sich von seinem Trainer Olaf Leib mit Wasser besprühen und Wind zu wedeln lässt. In der ersten Runde seines Kampfes gegen Ousainou Hansen hat der Chemnitzer einige Treffer gelandet, aber auch viel Energie gelassen. In den beiden folgenden Runden macht sein hessischer Rivale Boden gut, als zum letzten Mal die Schlussglocke geläutet wird, kann niemand der rund 200 Zuschauer mit Gewissheit sagen, wer den Kampf für sich entschieden hat. Dann ist das Urteil da - und der Kampfrichter streckt den Arm des 18-jährigen Kentsch in die Höhe.

Der Nachwuchs-Boxer ist einer von zwölf Sportlern des sächsischen Landesstützpunktes, die sich am Samstag in der Galerie Roter Turm beim 21. Fritz-Bretschneider-Gedächtnispokal im Rahmen des Stadtfestes beweisen durften. Die meisten von ihnen treten für den Chemnitzer Boxclub, der den Beinamen "Chemnitzer Wölfe" trägt, an. Für sie war es nach vier Wochen Vorbereitungszeit eine Bewährungsprobe vor dem Start in die neue Saison, deren Ligabetrieb im Spätherbst beginnt. In der werden die Sportler nicht wie im Vorjahr in der ersten, sondern in einer neu geschaffenen zweiten Bundesliga antreten. Trainer Leib begründet den Rückzug aus der ersten Liga mit einer geringen Chance für den eigenen Nachwuchs, in Wettkämpfen zum Einsatz zu kommen.

In der zweiten Liga setzen die Chemnitzer hingegen voll auf die im eigenen Verein ausgebildeten Box-Talente - wie zum Beispiel Yves-Domenic Kentsch. Der Schüler des Sportgymnasiums kam als Elfjähriger durch eine AG an seiner alten Schule zum Boxen. Der besondere Reiz des Sports liegt für ihn in der Verantwortung, die man allein für alles Geleistete trägt. Im Schmerz, den man einstecken muss, wenn der Gegner einen Treffer landet. Aber auch im Glücksgefühl, das sich einstellt, wenn man den Ring als Sieger verlässt. Er kenne kein vergleichbares Gefühl, sagt Kentsch.

In seinem ersten Jahr in der Bundesliga wird er in der Gewichtsklasse bis 56 Kilogramm antreten. Als seinen größten Vorteil sieht der 1,82 Meter große Jugendliche die hohe Reichweite seiner Schläge an. Weiter arbeiten müsse er hingegen an seiner Kondition, stellte er nach dem Kampf am Samstag fest. "In der ersten Runde hatte ich mein Pulver fast schon verschossen", gab Kentsch zu. Doch auch, wenn sein Körper zunehmend müder wurde, versuchte er den Kampf weiterhin dominant zu gestalten - was ihm letztlich den Sieg nach Punkten brachte.

"Unsere Talente sind in der Lage, mitzuhalten", zeigte sich Olaf Leib nach dem Turnier zufrieden. Mit den Sportlern des hessischen Landesverbandes habe man sich sehr athletische, kampferprobte Gegner eingeladen. "Das hätte auch nach hinten losgehen können", sagt Leib. Er habe durchaus Bedenken gehabt, dass seine Schützlinge diesen Test bestehen würden. Die körperliche Überlegenheit des Gegners sei aber durch die boxerischen Fähigkeiten wett gemacht worden. Daran wolle man auch in den künftigen Wettbewerben in der zweiten Liga anknüpfen, sagt Leib. "Wir sind froh, dass sich die Liga ergeben hat. Nun wollen wir sie mit Leben füllen."

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