Boxclub zwischen Bundesliga-Lust und Zukunfts-Frust

Im ersten Heimkampf haben sich die Chemnitzer Wölfe 12:12 vom Team aus Straubing getrennt. Über dem sportlich packenden Duell lag ein großer Schatten.

So eine Boxveranstaltung kann richtig teuer werden. Doch Frank Hillmer zahlte freiwillig. Der Co-Trainer der Chemnitzer Boxwölfe ist Fußballanhänger - und ein leidenschaftlicher Fan von Borussia Mönchengladbach. Seine Freude über den 2:1-Sieg der Gladbacher gegen den FC Bayern München war dermaßen groß, dass er zum Bundesliga-Heimauftakt der Faustkämpfer am Samstagabend eine Saalrunde Bier schmiss. Mehr als 300 Besucher, darunter Ex-Profiweltmeister Robert Stieglitz, waren von Hillmer eingeladen.

Sie sahen im Sportcenter am Stadtpark ein sportlich packendes Duell zwischen den Chemnitzern und der Staffel aus dem bayrischen Straubing, das 12:12 endete. Vor dem letzten Kampf lagen die Gastgeber in Führung. Es folgte der finale Auftritt von Wölfe-Kapitän Philipp Gruner in der Klasse der superschweren Jungs über 91 Kilogramm. Gruner kämpfte wie ein Löwe, musste sich seinem Gegner Kenan Husovic jedoch nach Punkten geschlagen geben. Das wurmte Gruner insofern besonders, da er sich mit Husovic auf Augenhöhe sieht. "Ich war zwar noch nie gegen ihn angetreten, habe mir aber einige Kämpfe von ihm auf Youtube angeschaut", berichtete Gruner. Was am Samstag sein Nachteil war: Ihm fehlte Wettkampf- praxis. "Das ist aus beruflichen und familiären Gründen erst mein dritter Kampf in diesem Jahr gewesen", sagte Gruner, der privat einen Volltreffer landen konnte: Er ist vor kurzem Vater geworden.

Bei aller Begeisterung im Publikum über spannende Kämpfe und hohes sportliches Niveau: Über der Veranstaltung am Samstagabend lag ein großer Schatten. Möglicherweise bestreitet der BC Chemnitz seine letzte Saison in der Bundesliga, weil die Stelle von Trainer Olaf Leib nicht mehr finanziert werden kann. Leib ist bekanntermaßen Dreh- und Angelpunkt bei den Wölfen. "Wenn er den Verein verlässt, kann man dort zuschließen", sagte Steffen Ziffert am Rand der Bundesliga-Veranstaltung.

Der ehemalige Profi und Sportvorstand des CFC ist seit wenigen Monaten Geschäftsführer des Sportcenters am Stadtpark und ermöglicht den Boxern, dort weiter ihre Heimkämpfe auszutragen. "Zu beiderseits attraktiven Konditionen, denn ich unterstütze den BC Chemnitz gern. Ich weiß, wie schwer es Sportarten haben, die nicht so populär wie Fußball sind", erklärte Ziffert. Er finde es sensationell, was der Boxclub mit wenigen Mitteln immer wieder auf die Beine stellt. Es müsse eine Lösung gefunden werden, um Leibs Stelle weiter zu finanzieren. Das hofft auch Philipp Gruner, der den Anteil des Trainers und Managers an der Arbeit beim BC Chemnitz mit 99 Prozent bezifferte.

Als "beschissen" bezeichnete Uwe Rostalski die Situation bei den Wölfen. Er besucht seit 1996 mit seiner Frau die Bundesligakämpfe der Boxer und gehört auch zu deren Förderkreis. "Ich wäre bestürzt, wenn hier alles den Bach runter- gehen würde. So ein Verein leistet doch auch wertvolle Jugendarbeit", betonte Rostalski. Er könne nicht verstehen, dass es in einem so reichen Land nicht möglich sein soll, eine solche Trainerstelle zu finanzieren. "Da fehlen mir die Worte. Die Politik sollte endlich aufwachen", ergänzte der wütende Boxsportfan.

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