BSC Rapid: Abschied aus der Landesliga - und vom Kapitän

Die Fußballer aus Kappel haben ihre letzte Partie in Sachsens höchster Spielklasse bestritten. Bei der Frage nach den Gründen für den Abstieg gingen die Meinungen auseinander.

Der letzte Saisonauftritt am Samstagnachmittag im Stadion in Kappel war zugleich der Abschied aus Sachsens höchster Spielklasse: Nach vier Jahren in der Landesliga müssen die Fußballer des BSC Rapid Chemnitz in die Landesklasse absteigen und sind damit nur noch siebentklassig. "Das tut schon weh. Andererseits soll die Landesklasse für uns nur eine Zwischenstation sein, um uns neu aufzustellen und wieder anzugreifen", sagte Rapid-Präsident Christian Scharf. Hinsichtlich der sehr gut ausgestatteten, modernen Sportanlage in Kappel ergänzte der Vereins-Chef: "Es bleibt unser Anspruch, wieder in der Landesliga vertreten zu sein. Vielleicht ist sogar die Oberliga drin."

Mittlerweile sei es allerdings schwierig, geeignete Neuzugänge für diese Spielklassen zu verpflichten. Das hat Scharf gerade in extremer Weise erlebt. "Ich habe in Vorbereitung der kommenden Saison mit mehr als 100 Spielern gesprochen. Kaum einer war bereit, in die Landesliga zu gehen. Stattdessen wurde gesagt: Ich komme nur, wenn ihr in die Landesklasse absteigt", berichtete Scharf. Die meisten Kicker seien nicht mehr bereit, größeren Aufwand mit weiten Auswärtsfahrten bis in die Lausitz zu betreiben.

Der BSC-Chef kündigte an, dass der Verein nächste Saison mit einer jungen Truppe antreten wird - und mit einem jungen Trainer. Soll heißen, dass Florian Butter trotz des Abstiegs Coach in Kappel bleibt. "Die Mannschaft steht hinter ihm. Er ist menschlich top und macht ein gutes Training. In den Spielen konnte das leider zu selten umgesetzt werden", so Scharf. Einer der Hauptgründe für den Abstieg waren aus seiner Sicht die beruflichen Belastungen von Leistungsträgern. Bei den Heimpartien, die der BSC Rapid als einer der ganz wenigen Clubs sonntags austrug, sei das nicht so ins Gewicht gefallen. "Doch wenn wir samstags auswärts spielen mussten, konnten oft nur zwölf, dreizehn Mann mitfahren. Das war auf Dauer nicht zu kompensieren", sagte der Vereinspräsident.

Auch bei der 1:3 (0:1)-Heimniederlage zum Abschluss gegen den als Sachsenmeister längst feststehenden FC Grimma kroch der BSC personell auf dem Zahnfleisch. Nur ein Wechselspieler saß auf der Bank. Rapid trat diesmal samstags zu Hause an, weil zum Saisonende hin alle Partien zeitgleich stattfinden müssen. Für einen Chemnitzer Spieler war der Nachmittag bei hochsommerlicher Hitze besonders emotional: Nach sechs Jahren in Kappel geht Kapitän Markus Vettermann von Bord. Über das Stadionmikrofon wurde er als "Kampfsau und Gesicht der Mannschaft" bezeichnet. "Ein bisschen traurig bin ich schon geworden, als ich heute verabschiedet wurde", gestand der 34-Jährige. Er beende aber nur seine höher- klassige Karriere. Wo er ab der kommenden Saison spielt, wollte Vettermann nicht verraten. Nur so viel: "Ich werde die Plätze der Chemnitzer Kreisoberliga kennenlernen."

Sein Entschluss, beim BSC auf- zuhören, sei während einer langen Verletzungspause gereift. Vettermann hatte sich im vorigen September das Innenband gerissen und musste fünf Monate lang pausieren. "Die Belastung in der Landesliga ist hoch. Familie, Arbeit und die gesundheitlichen Probleme waren ausschlaggebend für meine Entscheidung", erklärte der Routinier. Obwohl er als früherer CFC-Nachwuchsspieler selbstkritisch einschätzt, aus seinem Fußballtalent nicht das Maximum herausgeholt zu haben, sei er mit sich im Reinen.

Während seiner zwei Stationen im Männerbereich beim VfB Fortuna und in Kappel hat er auch einiges erlebt. "Mit beiden Vereinen bin ich auf- und abgestiegen", bemerkte Vettermann. Höhepunkt für ihn: Der Aufstieg mit Fortuna in die Oberliga 2011 mit anschließendem Klassenerhalt. "Danach haben wir sogar die Relegation zur Regional- liga erreicht", blickte Vettermann am Samstag zurück.

Dass es zum Abschluss bei Rapid nicht zum Landesliga-Erhalt reichte, habe viele Gründe. Vettermann teilte nicht die Auffassung von Präsident Scharf, dass vor allem auch berufliche Dinge eine Rolle spielten. "Das ist mir zu einfach, denn diese Probleme haben andere Clubs auch", betonte der Familienvater. Vielmehr habe man es als Verein versäumt, den Kader breiter aufzustellen. Vettermann sprach von "organisatorischen Problemen", ohne ins Detail zu gehen. Das lag wohl auch daran, dass er ein ins- gesamt positives Fazit seiner Zeit bei Rapid ziehen konnte. "Es waren sechs schöne Jahre", sagte Vettermann, bevor er sich noch von Fans verabschiedete, die nach dem Spiel geduldig auf ihn gewartet hatten.


Kommentar: Ehrgeiz lässt nach

Im ersten Moment glaubt man seinen Ohren nicht zu trauen: Neue Spieler wollten nur zum BSC Rapid als derzeitiger Nummer zwei im Chemnitzer Fußball kommen, wenn der Verein von Liga sechs in Liga sieben absteigt? Das klingt schräg, ist aber ein weiterer Beweis dafür, wie sich die Zeiten geändert haben. Der sportliche Ehrgeiz lässt nach, was man vielen Fußballern nicht einmal verübeln kann. Oftmals fällt es schon schwer, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Wenn man dann noch an den meisten Wochenenden mit seiner Mannschaft unterwegs ist und in der Landesliga bis nach Niesky oder zum FSV Neusalza-Spremberg fahren muss, hört der Spaß für die meisten Kicker eben auf. Für einen ambitionierten Verein wie den BSC Rapid heißt das, künftig neue Anreize setzen zu müssen. Im Klartext: Für eine Spielklasse wie die Landesliga werden geeignete Fußballer schon in naher Zukunft nur noch zu gewinnen sein, wenn sie ordentlich Knete bekommen. Nicht nur der Schatzmeister wird darüber nachdenken müssen, ob dieser Preis zu hoch sein könnte.

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