Nach Neonazi-Eklat: CFC-Aufsichtsräte legen Ämter nieder

"Konnten keinen Einfluss auf die aktuellen Entwicklungen nehmen": Gremiumschef Uwe Bauch sowie Lutz Wienhold und Norman Löster erklären Rücktritt - Präsident Georgi bleibt vorerst im Amt

Chemnitz.

Fußball-Regionalligist Chemnitzer FC kommt nicht zur Ruhe. Nach der Trauerminute für einen verstorbenen Neonazi vor dem Heimspiel gegen Altglienicke am 9. März, die deutschlandweit für Empörung sorgte, waren Vereinsmitarbeiter ohne Nennung konkreter Gründe gekündigt worden, ein zurückgetretenes Vorstandsmitglied wurde als Hauptschuldiger benannt und dennoch wieder kommissarisch ins Amt gehoben, Stürmer Daniel Frahn wurde vom Sportgericht für seinen Jubel mit einem Hooligan-T-Shirt gesperrt. Als Reaktion auf all diese Ereignisse und deren Aufarbeitung sind jetzt drei Mitglieder des Aufsichtsrates des CFC zurückgetreten. Neben Aufsichtsratschef Uwe Bauch haben Lutz Wienhold und Norman Löster mit sofortiger Wirkung ihre Ämter niederlegt. "Hintergrund dieser Entscheidung sind die aktuellen Entwicklungen beim Chemnitzer FC, auf welche durch uns keinerlei Einfluss genommen werden konnte und kann", heißt es in einer Stellungnahme. Der Aufsichtsrat des CFC besteht damit aktuell nur noch aus zwei Personen: Eberhard Alles und Helmut Brunhuber.
 
Sowohl die Mitglieder des Aufsichtsrates als auch der Vorstandsvorsitzende Andreas Georgi hätten dem Verein, der aktuell von Insolvenzverwalter Klaus Siemon geleitet wird, immer wieder die Bereitschaft zum internen Dialog sowie zur Zusammenarbeit angeboten, heißt es in der Erklärung. Dies sei jedoch stets zurückgewiesen worden. "Die satzungsgemäß bestellten sowie gewählten Gremienmitglieder sind sogar pauschal zu Rücktritten aufgefordert worden", heißt es. Der Aufsichtsrat sei bereits seit Juli 2018 von jeglichen Informationen isoliert und in keine Entscheidung eingebunden.
 
So sei der Aufsichtsrat auch weder im Vorfeld noch im Nachgang der öffentlichen Trauerbekundung am 9. März in die Entscheidung oder die Aufarbeitung "der dem Verein und der gesamten Stadt Chemnitz massiven Schaden zufügenden Ereignisse" einbezogen worden. "Gänzlich inakzeptabel ist zudem das Vorgehen bei der erforderlichen Aufarbeitung der Geschehnisabläufe", heißt es weiter. Bislang gab es vonseiten der Führung der im Januar gegründeten Chemnitzer FC Fußball GmbH zwar Erklärungsversuche und Schuldzuweisungen, aber noch kein Wort der Entschuldigung oder Reue. 
 
Besonders die "wiederholte öffentliche Herabwürdigung von Sponsoren des Vereins" verurteilen die Aufsichtsräte. Unter anderem hatte Sportvorstand Thomas Sobotzik die Sparkasse für deren Rückzug als Trikotsponsor mit den Worten kritisiert: "Von was distanziert sich eine Sparkasse? Sie distanziert sich von sich selbst, von Chemnitz, von seinen Bürgern. Das macht mich verrückt." 
 
Die Aufsichtsräte monierten zudem die öffentliche Aufforderung des Insolvenzverwalters an Vorstandschef Andreas Georgi, seine Kenntnisse zum Ablauf am 9. März im Fanblock mitzuteilen. Georgi hielt sich zum Zeitpunkt des besagten Spiels im Asien-Urlaub auf. Der Vorstandsvorsitzende will zunächst im Amt bleiben, um sich die Chance zu bewahren, zur Mitgliederversammlung am 4. April einen Rechenschaftsbericht vorlegen zu können. Für diese Mitgliederversammlung hatten die Aufsichtsräte sowie Vorstandschef Georgi ohnehin ihre Rücktritte angekündigt. Die aktuellen Ereignisse hätten ein sofortiges Handeln nötig gemacht, hieß es jetzt.
 
Abschließend schrieben die drei zurückgetretenen Aufsichtsräte: "Wir möchten ausdrücklich betonen, dass diese Amtsniederlegung keine Abkehr von dem Chemnitzer FC e.V., seinen Mitgliedern und Fans bedeutet. Wie alle, denen dieser Verein tatsächlich am Herzen liegt, bedauern wir diese Entwicklung zutiefst. Vor dem Hintergrund der nur kurz und exemplarisch umrissenen Geschehensabläufe halten wir es jedoch für erforderlich deutlich zu machen, dass wir trotz der Möglichkeiten und Potenziale, welche in den Vereinsgremien und deren Mitgliedern liegen, derzeit keinerlei Möglichkeit der Einflussnahme besitzen. Wir werden dem Fußball in Chemnitz auch weiterhin verbunden bleiben."

Bewertung des Artikels: Ø 3.9 Sterne bei 9 Bewertungen
4Kommentare
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  • 3
    1
    saxon1965
    22.03.2019

    Hat ein Insolvenzverwalter das Sagen, braucht es keinen Aufsichtsrat mehr... bis auf Weiteres.

  • 4
    2
    osgar
    22.03.2019

    Der Rücktritt dieser Herren zum jetzigen Zeitpunkt ist reine Selbstinszenierung.

  • 0
    4
    acals
    22.03.2019

    Sachlich korrekt @guenni, dass der IV das Sagen hat. Insofern konsequent das es zu diesen Ruecktritten kam - denn wer nur noch den Nickopa spielen darf macht sich dennoch mindestens moralisch mitverantwortlich fuer die die hanebuechenden aktuellen Ereignisse in um die CFC GmbH herum. Insofern, mein Respekt an die 3 Herren.

    Vielleicht wacht ja jetzt unsere OB auf? Sie traeumt sich aber wohl lieber in ihrem seit den 1990'ern anhaltenden Dornroeschenschlaf die Stadt modern.

  • 5
    3
    guenni07545
    22.03.2019

    Die Ziele des Insolvenzverwalters waren nicht die Ziele der Gremien. Und da der IV die Geschäfte alleinig führt, was in jedem Insolvenzverfahren so ist, und er auch persönlich haftet, deswegen lässt er sich nicht reinreden und vom Weg abbringen. Sein Ziel war, Ausgliederung, Investoren gewinnen und so bald als machbar in den Profifußball zurückkehren. Was ist daran falsch? Andere wollten das aber so nicht.
    Dass einige Mitglieder, bevorzug aus dem Fanszene e.V., gern über die Ausgliederung mit abstimmen wollten, muss in einem Insolvenzverfahren nicht gewährt werden! Das Ganze Dilemma resultiert einzig daraus, dass Herr Georgi aus eben dieser Fanszene kommt und die Mitglieder dieses e.V. seit Monaten nun offen Front gegen den Insolvenzverwalter und die GmbH machen.
    Hier tobt ein Machtkampf um die Vorherrschaft, wer das Sagen hat. Wobei das ja ganz klar geregelt ist. Jetzt ist mal ein Profi am Werk und die letzten Jahre gab es fast nur Amateure im Nebenberuf an der Vereinsspitze. Man darf gespannt sein, wie das Hauen und Stechen zum Mitgliederversammlung am 04.04. ausgeht. Vielleicht haben alle nicht in Fanklubs organisierten Mitglieder ihre eigene Sicht. Um die eventuell noch zu beeinflussen, sind diese zu einer Infoveranstaltung von Fanszene e.V. eingeladen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
    Ob die Aufarbeitung der Geschehnisse vom 09.03. immer Glücklich war, das ist schwer zu beurteilen, wird aber noch etwas nachwirken, bis vielleicht noch etwas Entscheidendes zu Tage kommt. Es gab von Außen gesehen 3 Bauernopfer, über die genauen Gründe weiss man leider nichts. Schade! Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Ehrung des Verstorbenen vor dem Spiel am 9. März vom Veranstaltungsleiter ausging.

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