"CFC-Aus wäre Katastrophe für den Fußball in der Stadt"

Kreisverbandschef Bernd Kraus über seine nicht geplante Wiederwahl und die Probleme der Sportart

Bernd Kraus ist zum Verbandstag des Kreisverbandes Fußball Chemnitz, der alle vier Jahre stattfindet, als Vorsitzender wiedergewählt worden. Mario Schmidt sprach mit dem 71-Jährigen über die Auswirkungen der CFC-Krise und den Mangel an qualifizierten Trainern.

Freie Presse: Herr Kraus, Sie hatten definitiv ausgeschlossen, als Chef des Fußball-Kreis- verbandes weiterzumachen. Warum nun doch?

Bernd Kraus: Wir haben einige jüngere Leute gefunden, die sich im Vorstand engagieren wollen. Einer war auch bereit, meine Nachfolge anzutreten. Doch vier Wochen vor dem Verbandstag musste er zurückziehen, weil sein Kind an Krebs erkrankt ist. Ich mache erst mal weiter, aber nur bis Sommer 2020.

Es ist anzunehmen, dass Bewerber für den Vorstand nicht gerade Schlange standen. Spürt auch der Kreisverband Fußball die sinkende Bereitschaft, Ehrenämter zu übernehmen?

Auf jeden Fall. Interessenten zu finden, wird generell immer schwieriger. Das liegt vor allem auch daran, dass das Ehrenamt zu wenig gewürdigt wird. Anstatt Sonntagsreden zu halten, wie wichtig ehrenamtliche Helfer für die Gesellschaft sind, sollte konkret etwas für sie getan werden, damit es persönlich reiz- voller wird, eine ehrenamtliche Funktion zu übernehmen.

Und was genau?

Ehrenämter sind mit viel Arbeit verbunden, Anerkennung dafür gibt es kaum. Es sollten wenigstens kleine Aufwandsentschädigungen gezahlt und dafür öffentliche Gelder verwendet werden. Schließlich reden wir hier über Sozialarbeit von unschätzbarem Wert.

Zum Verbandstag haben Sie eine Bilanz der vergangenen vier Jahre gezogen. Wie sieht die aus?

Einige Vorhaben wie eine eigene Frauenliga in der Stadt konnten wir nicht umsetzen. Auch dafür fehlen Mitstreiter. Positiv ist, dass die Mitgliederzahlen gestiegen sind, während sie in den Landkreisen zum Teil dramatisch zurückgehen. In Chemnitz wird in 30 Vereinen Fußball gespielt. Aktuell gehören gut 8300 Mitglieder zum Kreis- verband, etwa 1700 mehr als vor vier Jahren.

Die Fußballszene wird von der schweren CFC-Krise überschattet. Hätten Sie einen solchen Absturz des Clubs für möglich gehalten?

Nein, der CFC war immer ein Aushängeschild des Chemnitzer Sports. Das ist vorbei. Es ist doch bezeichnend, wenn Bundeskanzlerin Merkel bei ihrem Besuch in der Stadt zu den Basketballern geht und nicht zum höchstklassigen Fußballverein.

Was würde die Auflösung des Clubs bedeuten?

Das CFC-Aus wäre eine Katastrophe für den Fußball in der Stadt. Ohne diesen Verein gäbe es keine Vorbildwirkung mehr für Kinder und Jugendliche. Für Talente wäre es kein erstrebenswertes Ziel mehr, in Chemnitz die leistungssportliche Entwicklung fortzusetzen.

Kriegt der CFC die Kurve?

Das hoffe ich. Allerdings kocht man im Verein weiter sein eigenes Süppchen, betrachtet sich als unfehlbar. Auch während der Krise hat man es nicht für nötig gehalten, mit der Basis zu reden. Dabei hätte es aus den Reihen der ehrenamtlichen Vereinsvertreter bestimmt gute Ratschläge geben können.

Seit längerem beklagen Sie, dass es im Chemnitzer Fußball zu wenig qualifizierte Trainer gibt. Ist Besserung in Sicht?

Überhaupt nicht. In vielen Vereinen werden Sportfreunde überredet, Trainerstellen zu besetzen, obwohl sie dafür gar nicht ausgebildet sind. Das wirkt sich auf die sportliche Qualität aus - gerade im Nachwuchs, wo eigentlich die besten Trainer arbeiten müssten.

Trägt der Kreisverband eine Mitschuld an dieser Situation?

Wir bieten über unseren Bildungsbeauftragten, der sich sehr engagiert, regelmäßig Trainerausbildungen an. Doch letztlich kommt keiner. Schnitzen können wir uns die Teilnehmer nicht.

Auch Schiedsrichter fehlen. Wie kritisch ist die Lage?

Sie hat sich ein wenig entspannt. Vereine wie der BSC Rapid oder der TSV Ifa, die wegen fehlender Unparteiischer mit Punktabzügen bestraft wurden, erfüllen inzwischen ihr Soll. Fest steht aber auch, dass wir mehr Schiedsrichter bräuchten. So gibt es von der Kreisliga abwärts keine Assistenten an den Seitenlinien.

Sind Sie mit der Nachwuchs- arbeit der Vereine zufrieden?

Zumindest quantitativ. Die Anzahl der Mannschaften ist auf 153, davon 26 Spielgemeinschaften, gestiegen. Vereine wie der VfB Fortuna, TSV Ifa, Handwerk Rabenstein und der VfL Chemnitz, aber auch Eiche Reichenbrand, SG Adelsberg und Blau-Weiß Röhrsdorf sind sehr rührig. Nach dem deutschen WM-Titel 2014 hatten wir einen regelrechten Boom im Nachwuchs, das war in diesem Jahr nach dem Vorrundenaus in Russland nicht der Fall.


Bernd Kraus

Der heute 71-Jährige wurde in Olbernhau geboren und war im Erzgebirge als Fußballspieler beziehungsweise als Trainer aktiv. Danach schlug er eine Laufbahn als Funktionär ein: Bernd Kraus war Geschäftsführer des Fußball- Bezirksverbandes und des Sächsischen Fußball-Verbandes.

2010 übernahm er den Vorsitz des Kreisverbandes Chemnitz. 2014 wurde er für vier Jahre wiedergewählt. "Nach dieser Amtszeit ist definitiv Schluss", hatte der Pensionär erklärt. Weil sein geplanter Nachfolger kurzfristig absagen musste, bleibt er bis Sommer 2020 im Amt. "Damit es geordnet weitergeht", so Kraus. (ms)

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 3 Bewertungen
4Kommentare
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  • 3
    5
    Blackadder
    30.11.2018

    @mike: Ach, ich denke, das würde Chemnitz überleben.

  • 2
    5
    mathausmike
    30.11.2018

    Es wäre wirklich eine Katastrophe!

  • 10
    4
    Einspruch
    30.11.2018

    Eine Katastrophe wäre, immer so weiter zu wurschteln und weiter Geld zu fordern.

  • 2
    6
    Interessierte
    30.11.2018

    Das wäre eine Katastrophe für das Millionen-Stadion ...

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