CFC-Geschäftsführer: Uns fehlen Investoren und Sponsoren

Der Olbernhauer Unternehmer Uwe Hildebrand ist seit gut einem Monat ehrenamtlich für den Club tätig. Bei seinem Bemühen um dringend benötigte neue Förderer trifft er auf hohe Hindernisse.

Die gerade veröffentlichte Bilanz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zur vergangenen Saison in der Dritten Liga brachte alarmierende Zahlen ans Tageslicht: 13 der 20 Vereine haben rote Zahlen geschrieben. Das durchschnittliche Minus pro Club betrug 1,5 Millionen Euro - Rekordverlust. "Dieser Report des DFB spiegelt die Situation in der Liga wider. Es ist erschreckend, wie die Vereine in die Schulden getrieben werden", sagte Uwe Hildebrand am Freitag im Gespräch mit der "Freien Presse".

Der 48-jährige Unternehmer aus Olbernhau engagiert sich seit fünf Wochen als ehrenamtlicher Geschäftsführer des Chemnitzer FC. Für ihn ist die prekäre Finanzlage vieler Drittligisten keine Überraschung. "Die Clubs haben hohe Kosten, müssen zum Beispiel bei Heimpartien Auflagen wie Erst- oder Zweitligisten erfüllen, bekommen aber nur einen Bruchteil an Fernsehgeld", erklärte Hildebrand. So erhalte der CFC inklusive Vermarktung des Spielballs pro Saison etwa 1,1 Millionen Euro Fernsehgelder, bei Zweitligisten ist es fast das Zehnfache. Seine Forderung: Die TV-Einnahmen für Clubs in Liga drei müssten etwa verdoppelt werden. "Damit wäre den Vereinen sehr geholfen."

Beim CFC kommt zurzeit noch eine Reihe von Problemen hinzu. "Uns fehlen Investoren und Sponsoren", so Hildebrand. Obwohl die Himmelblauen nach den Geschehnissen am 9. März im Stadion an der Gellertstraße klare Kante gegen rechts gezeigt hätten, seien viele Förderer abgesprungen, bedauert der frühere Nachwuchsspieler des FC Karl-Marx-Stadt. Dennoch sieht er einen Hoffnungsschimmer: Mit der Bestellung eines neuen Not- vorstandes für den insolventen Verein durch das Amtsgericht in dieser Woche könne nun eine Mitgliederversammlung einberufen werden, "in deren Verlauf es hoffentlich zur Wahl eines Aufsichtsrates kommt", betonte Hildebrand.

In dem Fall steige auch die Chance, neue Sponsoren zu gewinnen. "Mehrere Unternehmen lehnen ein Engagement beim CFC derzeit noch ab, weil die Strukturen fehlen. Wer als Firma investiert, will schließlich wissen, wohin das Geld fließt", sagte der 48-Jährige. Personelle Strukturen allein reichten allerdings nicht aus, um Förderer an Land zu ziehen. "Wir müssen Vertrauen zurückgewinnen, jeden Sponsor hegen und pflegen - selbstverständlich auch die kleineren", betonte Hildebrand und fügte hinzu: "Für mich ist jeder, der für zehn Euro eine Eintrittskarte kauft, ein Sponsor, der uns weiterhilft."

Am wichtigsten sei jedoch, dass die Spieler auf dem Feld konstant mit Leistung überzeugen. "Wir sind ein Fußballclub. Der Erfolg der Mannschaft ist das A und O, denn damit kann man den CFC am besten vermarkten und Zuschauer anlocken", sagte der ehrenamtliche Geschäftsführer, der sich sein Alltags- leben im Herbst 2019 ein wenig anders vorgestellt hatte. "Nachdem ich meine Firma in Olbernhau verkauft habe, wollte ich eigentlich beruflich kürzertreten. Stattdessen bin ich 14 bis 15 Stunden pro Tag für den CFC im Einsatz", so Hildebrand, der die Geschäftsstelle umgekrempelt hat: "Wir haben unter anderem die Mitarbeiter in der Buchhaltung ausgetauscht. Jetzt müssen wir noch die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit ausbauen."

Für den heutigen Samstag- nachmittag hofft er, dass der CFC vom Punktspiel beim FC Ingolstadt etwas Zählbares mitbringt, der Aufwärtstrend unter dem neuen Coach Patrick Glöckner anhält. "Wir können uns auch keine personellen Fehlschüsse mehr leisten", sagte Hildebrand hinsichtlich der Trainerbesetzung. Beim Drittligisten stehen schließlich die im vergangenen Monat als Sportdirektor beziehungsweise Cheftrainer zurück- getretenen Thomas Sobotzik und David Bergner weiter auf der Gehaltsliste. "Und zwar solange, bis sie woanders neue Verträge unterschreiben", erklärte Hildebrand.

Tickets Seine nächste Drittliga-Begegnung vor eigenem Publikum bestreitet der CFC am 27. Oktober gegen den 1. FC Kaiserslautern. Eintrittskarten für die Heimspiele des Clubs gibt es in den Shops der "Freien Presse".

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