CFC-Nachwuchsmannschaften kassieren hohe Heimniederlagen

Die beiden Bundesligateams des Clubs haben am Samstag insgesamt neun Gegentore geschluckt. Der Sportliche Leiter hat zurzeit aber ganz andere Sorgen.

Die triste Baustellenatmosphäre im Hauptstadion des Sportforums und der wolkenverhangene Himmel bildeten die passende Kulisse für diese beiden Partien: In der Bundesliga bestritten am Samstag die B-Junioren (Altersbereich U 17) und die A-Junioren (U 19) des Chemnitzer FC hintereinander ihre Heimspiele gegen Hannover 96 beziehungsweise Hertha BSC. Fußball-Anhänger, die sich beide Begegnungen zu Gemüte führten, bekamen neun Treffer geboten - leider ausnahmslos von den Kontrahenten erzielt. Die U-17-Himmelblauen verloren 0:3, ihre älteren Vereinsgefährten zogen mit 0:6 den Kürzeren.

Enttäuschender war das Ergebnis, welches knapper ausfiel. Schließlich hatten sich die unter 17-Jährigen des CFC gegen Tabellennachbar Hannover einiges ausgerechnet, wären mit einem Sieg ins Mittelfeld der Tabelle aufgerückt. Doch die Truppe von Torsten Wappler hatte einen schwarzen Tag. So sauer wie am Samstag erlebt man den Trainer sonst selten. "Das war unterirdisch. Ich bin sehr enttäuscht und muss das erst mal sacken lassen", sagte Wappler. Seine Schützlinge schluckten zwei der drei Gegentore nach Standards. "Und vorn hatten wir null Durchschlagskraft", resümierte Wappler, der während der Partie immer wieder den Kopf geschüttelt hatte.

Seine jungen Kicker schlichen mit hängenden Schultern Richtung Kabine. "Das war eine unserer schwächsten Saisonleistungen. In der ersten Halbzeit konnten wir noch gegenhalten. Aber das, was wir in Hälfte zwei gezeigt haben, war zu wenig", sah Kapitän Roman Eppendorfer ein. Wenigstens einer aus der U-17-Mannschaft konnte sich im weiteren Tagesverlauf noch freuen: Christian Tallig, weil sein Bruder Erik den Treffer zum 1:1 fürs Profi-Team des CFC in Ingolstadt erzielte.

Ganz anders lagen die Dinge bei den A-Junioren. So hart es auch klingen mag: Das 0:6 des Aufsteigers gegen Hertha BSC war keine Überraschung. Während Mannschaften wie Berlin von einem großen Einzugsgebiet profitieren und hoch- karätige Spieler von außerhalb verpflichten können, schickt der CFC fast ausschließlich Eigengewächse aufs Feld. "Zudem werden uns die Besten jedes Jahr weggeholt", sagte U-19-Trainer Kay-Uwe Jendrossek am Samstag. Er hat einen kleinen Kader zur Verfügung. Fallen wie gegen Hertha einige Kicker verletzt aus, sitzen gerade noch zwei Feldspieler als Einwechsler auf der Bank. "Wir werden mit hoher Wahrscheinlichkeit absteigen", stellte Jendrossek fest.

Große Sorgen um das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) macht sich indes Wolfgang Grunert. Der langjährige frühere sächsische Landestrainer engagiert sich als Sportlicher Leiter des NLZ, obwohl er längst pensioniert ist. "Es ist sehr ruhig um das Leistungszentrum geworden, für mich viel zu ruhig", sagte Grunert. Anfang November müssten beim DFB Unterlagen zur Leistungsfähigkeit des NLZ eingereicht werden. "Dazu zählen auch gültige Verträge für dessen Leiter, die Trainer und den Physiotherapeuten", erklärte Grunert.

Stand jetzt, werde Chemnitz diesen Anforderungen nicht gerecht. So hänge der Leiter des NLZ, Thomas Köhler, in der Luft. "Er hat keinen Vertrag und kommt deshalb auch nicht mehr her", berichtete der 69-Jährige. Auch bei der medizinischen Betreuung der Talente klemmt es offenbar erheblich. "Wir haben nicht mal einen Physiotherapeuten fürs Team", sagte U-19-Trainer Kay-Uwe Jendrossek.

Da das NLZ unter dem Dach des Vereins Chemnitzer FC betrieben wird, können Verträge nur von dessen Gremien abgeschlossen werden. Doch die gab es bis vor wenigen Tagen nicht. "Meine Hoffnung ruht jetzt auf dem neuen Notvorstand", betonte Wolfgang Grunert. Er sieht vor allem auch beim U-19-Bundes- ligateam Handlungsbedarf. Nach dem 0:6 gegen Hertha stehen die Chemnitzer mit null Punkten und nunmehr 8:42 Toren weiter am Tabellenende. "Die Mannschaft ist unser Sorgenkind. Es fehlt sowohl Quantität als auch Qualität. Wir brauchen Verstärkungen", schätzt der Fußballfachmann ein. In der Winterpause müsse man sich nach Neuzugängen umsehen.


Krise seit Anfang August

Das große Bangen um den Erhalt des Nachwuchsleistungszentrums begann Anfang August, als Insolvenzverwalter Klaus Siemon die Masse- unzulänglichkeit des Vereins CFC erklärt und allen Mitarbeitern des Nachwuchszentrums gekündigt hatte. Zudem wurden die Förderverträge der Spieler aufgelöst.

Vom ehemaligen Notvorstand waren die Verträge mit Trainern und Spielern wieder in Kraft gesetzt worden. Doch das reicht längst nicht aus, um Forderungen des DFB für den Erhalt des Leistungszentrums zu erfüllen. So hat dessen Leiter Thomas Köhler noch keinen neuen Vertrag, für den der neue Notvorstand jetzt sorgen müsste. (ms/lumm)

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