CFC-Sportvorstand: Wir sind nicht die Übermannschaft

Der Regionalliga-Spitzenreiter hat zum Abschluss der Hinrunde einen Dämpfer in Bischofswerda bekommen. Auch deshalb tritt Thomas Sobotzik auf die Euphoriebremse - und schließt personelle Veränderungen in der Winterpause nicht aus.

Schönreden wolle er die 1:2-Niederlage bei Aufsteiger Bischofswerdaer FV nicht. "Sie ist jedoch Teil unserer Entwicklung. Es ist das eingetreten, was ich schon mehrfach gesagt habe: Wir sind nicht die Übermannschaft", betont Thomas Sobotzik, Vorstand für Sport und Finanzen des insolventen Chemnitzer FC. Nach 15 Siegen in Folge bekam die weiße Weste der Himmelblauen am Ende der Regionalliga-Hinrunde noch zwei Flecken: Erst das 0:1 daheim gegen Viktoria Berlin - und nun die überraschende Pleite beim Neuling, dessen Spieler im Gegensatz zu ihren CFC-Kollegen vor dem Training arbeiten müssen. Sobotzik missfällt dieser Hinweis. Er reagiert gereizt. "Bischofswerda spielt in derselben Klasse wie wir. Deshalb sind sie ein Kontrahent auf Augenhöhe", meint der frühere Erst- ligaprofi, der unter anderem bei Eintracht Frankfurt und beim FC St. Pauli unter Vertrag stand.

Nach den beiden jüngsten Punktspielniederlagen der Chemnitzer komme er nicht ins Grübeln. Der Blick auf die Tabelle gibt Sobotzik Recht: Als Spitzenreiter hat der CFC nach der ersten Halbserie zehn Punkte Vorsprung zum zweitplatzierten Berliner AK - bei einem Torverhältnis von 44:13. "Insgesamt betrachtet, hat die Mannschaft in der Hinrunde eine außergewöhn- liche Leistung vollbracht", sagt der gebürtige Pole mit Verweis auf die schwierigen Umstände.

Sobotzik spricht in dem Zusammenhang weniger von der wirtschaftlichen Lage des insolventen Clubs. "Wer wie wir in der Tabelle oben steht, ruft Neid hervor. Bei Auswärtsspielen schlägt uns viel Hass entgegen. Damit muss man erst mal umgehen", sagt der 44-Jährige. Alle Teams seien gegen den CFC besonders motiviert - so wie am Sonntag die Kicker aus Bischofswerda. "Sie haben überragend gekämpft, sich in jeden Ball geworfen. Für mich war unsere Niederlage zwar ent- täuschend, aber keine Sensation", so der Sportvorstand. Der Pleite gegen "Schiebock", wie Bischofswerda in der Oberlausitz umgangssprachlich bezeichnet wird, kann er sogar etwas Positives abgewinnen. "Unsere Mannschaft muss lernen, mit Erfolgen umzugehen, wie wir sie zuvor hatten. Die Niederlage gegen Bischofswerda schärft die Sinne", hofft Sobotzik.

Am kommenden Sonntag starten die Himmelblauen in die Rückrunde. Und auch das wird kein Zuckerschlecken. Bei Union Fürstenwalde wartet wieder eine schwere Auf- gabe. Keine Floskel, wie das Hinspiel zum Saisonauftakt zeigte, als die Chemnitzer an der Gellertstraße mit Hängen und Würgen 3:2 gewannen. "Wir nehmen die Partie in Fürstenwalde so in Angriff, als würde die Saison bei null losgehen", bemerkt Sobotzik. Auch ihm ist klar, dass es trotz des bisher erfolgreichen Abschneidens Spieler gibt, die selten zum Zug kommen und deshalb unzufrieden sind. "Ich schließe personelle Veränderungen im Kader während der Winterpause nicht aus", sagt Sobotzik. Nach den letzten beiden Partien dieses Kalender- jahres in Fürstenwalde und zu Hause gegen Babelsberg werde man mit den betreffenden Spielern über ihre Situation sprechen.

CFC-Cheftrainer David Bergner war für ein Fazit der Hinrunde am Montag nicht zu erreichen.


Mitgliederversammlung voraussichtlich im Januar

Die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung des Chemnitzer FC wird nicht mehr im Jahr 2018 statt- finden. "Wir wollen sie auf jeden Fall durchführen. Es läuft auf den Januar hinaus", sagte Finanz- und Sport- vorstand Thomas Sobotzik am Montag auf Anfrage. Für die Mitgliederversammlung ist laut Satzung eine Einladungsfrist von drei Wochen vorgeschrieben.

Zur Versammlung will Sobotzik genau wie der kaufmännische Vorstand Thomas Uhlig offiziell aus dem Gremium ausscheiden, um Doppelfunktionen zu vermeiden. Hintergrund: Die beiden sollen Geschäftsführer der Kapitalgesellschaft (Chemnitzer FC Fußball GmbH) werden. Der Club will seine Profi-Abteilung und Teile des Nachwuchses in diese Gesellschaft ausgliedern. Gegen- wärtig besteht die GmbH aus zwei Gesellschaftern: dem Verein CFC und dem Unternehmen Polster Catering.

Im aktuellen Saisonetat des Regionalligisten klaffte zuletzt noch eine Lücke von annähernd 500.000 Euro. Ob der CFC bei deren Schließung vorankommt, wollte "Freie Presse" am Montag von Sobotzik wissen. "Zu dem Thema sage ich nichts. In den nächsten Wochen stehen dazu intensive Gespräche auf dem Programm", erklärte der 44-Jährige. (ms/lumm)

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