CFC statt großer Fußballwelt: Warum ein Talent zurückkehrt

Die U-19-Junioren des Chemnitzer FC sind auf einem guten Weg, den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga zu packen. Wenn es am morgigen Sonntag zum Spitzenspiel gegen Rostock kommt, ist auch einer dabei, der eigentlich schon weg war.

Es hat eben einfach nicht gepasst. Als Felix Onischke vor zwei Jahren den Verein wechselte, stand ihm die große Fußballwelt offen. Der damals 15-Jährige verließ seine Heimatstadt Chemnitz, um im Nachwuchsleistungszentrum des Bundesligisten RB Leipzig seine Chance zu suchen. Einsätze in der Juniorenbundesliga und die Chance, im Profifußball auf höchster Ebene anzukommen - die Verlockungen waren groß. Doch jetzt sagt ist das Offensiv-Talent zu seinem Heimatverein zurückgekehrt. "Ich habe mich dort nicht wohlgefühlt", sagt der 17-Jährige. "Ich wollte nach Hause."

Und so zieht er sich wieder mit den alten Kumpels in einer Kabine um, in der die Zeit scheinbar stehengeblieben ist. Die Baracken auf dem Gelände des Sportforums, in denen das Nachwuchsleistungszentrum des CFC untergebracht ist, haben so absolut nichts mit dem zu tun, was Felix Onischke in Leipzig erlebt hat. "Das war eine ganz andere Welt", sagt er. "Alles war neu und top modern. Wir hatten alle nur denkbaren Trainingsgeräte, dazu auch viele Annehmlichkeiten wie einen riesigen Physiotherapie- und Wellnessbereich." Selbst die Trainingsklamotten seien für die Spieler gewaschen worden. "Die haben dann am nächsten Tag sauber zusammengelegt im Schrank gelegen", blickt der Chemnitzer zurück.

Das Training unter besten Bedingungen habe ihn schon nach vorn gebracht, sagt der vielseitig einsetzbare Offensivspieler. "Aber das Drumherum war nicht meins. Ich bin da eher der einfache Typ", sagt er. Dass er überhaupt nach Leipzig gewechselt ist, lag auch an der Hartnäckigkeit der RB-Talentesichter. "Die haben mich schon in der D-Jugend beobachtet und wollten mich schon damals holen", sagt Felix Onischke, der 2008 bei Eiche Reichenbrand mit dem Kicken begonnen hat und recht schnell zum CFC wechselte. "In der C-Jugend hatte ich einen Berater, es ist zum Wechsel gekommen." Bei diesem Thema wird der junge Fußballer ruhiger, mehr will er über seinen Wechsel, den Berater und die Rückkehr nicht sagen. Nur so viel noch: "RB wollte nicht, dass ich den Verein einfach so wieder verlasse. Aber ich wollte das."

Mittlerweile gehört Onischke zum Stammpersonal der A-Jugend des Chemnitzer FC. Mit seiner Mannschaft liegt er nach 14 Spielen mit elf Siegen und drei Unentschieden auf dem Spitzenplatz. Nach dem Abstieg der U 19 im Sommer ist der aktuelle Jahrgang also auf einem guten Weg, den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga zu schaffen. Einen großen Schritt dorthin kann die Mannschaft von Trainer Kay-Uwe Jendrossek am morgigen Sonntagmittag machen, wenn es im Sportforum ab 11 Uhr zum Spitzenspiel der Regionalliga Nord/Nordost gegen den FC Hansa Rostock kommt.

Die Norddeutschen belegen aktuell mit fünf Punkten Rückstand den zweiten Tabellenplatz, haben aber auch ein Spiel weniger absolviert. "Wir haben die große Chance, uns etwas abzusetzen", sagt Felix Onischke, der beim 2:2 im Hinspiel an der Ostseeküste verletzungsbedingt noch nicht im Kader der Himmelblauen stand. "Als Favorit würde ich uns nicht unbedingt sehen, aber durch unsere Serie können wir mit breiter Brust ins Spiel gehen."

Sein Trainer Kay-Uwe Jendrossek sieht das ähnlich, warnt aber davor, mit zu viel Selbstvertrauen aufzulaufen. "Wir kriechen personell aktuell auf dem Zahnfleisch, unser eh schon sehr kleiner Kader ist durch einige Verletzungen stark dezimiert", sagt der Coach. "Trotzdem haben das die Jungs schon in den vergangenen Wochen sehr gut gemacht." Auch für Felix Onischke hat Jendrossek ein Lob übrig. "Er hat sehr viel Potenzial, passt auch menschlich perfekt zur Truppe", sagt der Trainer. "Er muss zwar noch an seiner Defensivleistung arbeiten, aber dass er das auch will, macht ihn so wertvoll für uns."

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