CFC-Stürmer fährt in der Heimat Gefühlsachterbahn

In Potsdam geboren, in Babelsberg zum Helden geworden - für Daniel Frahn war das Spiel am Samstag ein besonderes. Der Matchwinner durfte nach dem 2:1-Sieg sogar den Bus verpassen.

Nach dem 2:1-Sieg ging es ab zur Tribüne, wo sich Daniel Frahn einen Kuss von Ehefrau Steffi abholte. Auch sie stammt aus Potsdam, 2015 haben beide in ihrer Heimatstadt geheiratet.
Jubeln verboten: Nach dem Treffer zum 1:0 gegen den SV Babelsberg blieb Daniel Frahn (links) aus Respekt vor seinem Heimatverein ruhig. Kapitän Dennis Grote (rechts) freute sich dafür umso mehr. Den zweiten CFC-Treffer beim 2:1-Auswärtssieg bereitete Frahn vor.

Von Thomas Reibetanz

Nach außen gab er sich gewohnt entspannt. Nachdem er mit einem Tor und einer Vorlage zum Matchwinner beim 2:1-Auswärtssieg des Chemnitzer FC beim SV Babelsberg wurde, sagte Stürmer Daniel Frahn: "Ich bin sehr glücklich darüber, wie es gelaufen ist. Für die 90 Minuten muss man auch mal ausblenden können, dass es eine Rückkehr in die Heimat ist." Dass es für den 31-Jährigen aber alles andere als ein normales Regionalliga-Spiel war, zeigte er auf dem Platz. Nachdem Mittelfeldmann Rafael Garcia in der 15. Minute im Strafraum von den Beinen geholt wurde, schnappte sich Frahn den Ball und versenkte ihn zur 1:0-Führung im Netz. Den anschließenden Jubel überließ er aber seinen Mitspielern.

Bei hochsommerlichen Temperaturen zeigte der gebürtige Potsdamer, der von 2007 bis 2010 in Babelsberg spielte und dort 2009/2010 mit 29 Toren entscheidenden Anteil am Aufstieg in die Dritte Liga hatte, das, was die Fans an ihm so lieben: Frahn rannte und kämpfte, half des Öfteren auch in der nicht immer sattelfest wirkenden Hintermannschaft des CFC aus. Zehn Minuten vor dem Ende setzte er nach einem langen Pass aus der Defensive noch einmal zum Sprint an, umkurvte einen Gegenspieler und bediente den eingewechselten Dejan Bozic, der den (auch von Frahn) umjubelten Siegtreffer zum 2:1 erzielte. Nattermann hatte zuvor noch in der ersten Halbzeit einen der zahlreichen Stellungsfehler in der Chemnitzer Hintermannschaft zum 1:1-Ausgleich für den SV Babelsberg genutzt, als er das Leder aus kurzer Distanz über den ansonsten starken Jakub Jakubov unter die Latte hämmerte (32.)

Mit drei Siegen aus den ersten drei Spielen hat der CFC einen Saisonstart nach Maß hingelegt, und Daniel Frahn durfte sich dafür eine besondere Belohnung abholen. "Der Trainer hat mir versprochen, dass ich nach einem Sieg in Babelsberg mit dem Fahrrad nach Hause zu meinen Eltern fahren darf", gab er nach dem Spiel zu Protokoll. Und der Trainer hielt Wort. Mit Ehefrau Steffi, dem Sohn, den Eltern und einigen Freunden durfte Frahn aus dem Auswärtsspiel ein Familienwochenende machen. "Geschlafen haben wir dann in meinem alten Kinderzimmer. Und am Sonntag hatten wir noch einmal Zeit füreinander. Es war herrlich", sagt der Stürmer, der sich nach Abstieg und Insolvenz des CFC zu den Himmelblauen bekannte, Angebote von anderen Vereinen ausschlug und auf einen Teil seines Gehaltes verzichtet.

Dass er durch seinen Familienbesuch die Abfahrt des Mannschaftsbusses verpasste, war kein Problem. "Wir hatten vorgesorgt", sagt Frahn lachend. "Meine Frau ist bereits am Freitag mit unserem Auto vorgefahren, also bin ich auch wieder gut nach Hause gekommen." Wenn es am kommenden Sonntag zum nächsten Auswärtsspiel in Erfurt geht, darf Daniel Frahn dann wieder ausgelassen jubeln, falls er einen Treffer erzielt. Und er wird vom Stadionsprecher bei einer Auswechslung höchstwahrscheinlich auch nicht als "ein gewisser Daniel Frahn" bezeichnet, wie es am Samstag im Karl-Liebknecht-Stadion der Fall war. "Das hat der bestimmt gemacht, weil er sauer wegen meines Tores war", sagt Frahn und lacht.

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