Chemcats-Präsident: Die Finanzlage ist angespannt

Zum Punktspielauftakt in der 2. Bundesliga haben die Chemnitzer Basket- ballerinnen gegen Neuss mit 67:91 verloren. Nicht nur sportlich muss der Verein in den kommenden Monaten Kampfgeist beweisen.

Für Chemcats-Verhältnisse ist sie schon ganz schön alt - 21 Jahre immerhin. Ein richtiger Routinier. "Ich bin die Älteste in der Mannschaft", sagte Jessica Kluge am Samstag in der Schloßteichhalle. Mit ihrem Basketballteam hatte die Kapitänin gerade den Punktspielauftakt in der 2. Bundesliga vollzogen und gegen die Neuss Tigers aus Nordrhein-Westfalen 67:91 (37:43) verloren. "Wir hätten das Ergebnis gern knapper gestaltet. Doch unsere Wurf- quote war heute nicht so gut. Davon leben wir sonst", resümierte Jessica Kluge. Zwischendurch hatte es ganz gut ausgesehen. Nach anfänglich klarem Rückstand kämpften sich die Gastgeberinnen bis zur Halbzeitpause heran. Zu Beginn des dritten Viertels ging dann aber nichts mehr. "Warum, weiß ich nicht. Der Gegner wird wieder heiß und man selbst bricht ein", bemerkte die Chemnitzer Spielerin.

Nach dem freiwilligen Rückzug aus Liga eins treten die Chemcats eine Etage tiefer mit jungen Eigen- gewächsen an. Durchschnittsalter des Kaders: 17,3 Jahre. Einige der Gegenspielerinnen in der Liga könnten die Mütter der Chemnitzerinnen sein. "Das ist ein Lehrjahr für alle. Diese Mannschaft macht Spaß, die Mädels zerreißen sich auf dem Feld. Der Verein kann stolz auf sie sein", betonte Trainer Thomas Seltner. Er muss beim Basketball-Projekt "Jugend forscht" viel Geduld aufbringen. Hinter ihrer Jugendlichkeit verstecken dürfen sich die Spielerinnen allerdings nicht. "Wir gehen kritisch miteinander um, schließlich wollen wir Schritt für Schritt besser werden", erklärte Seltner.

Nicht nur sportlich muss der Verein in den kommenden Monaten kämpferische Qualitäten zeigen. Auf Neu-Präsident Marco Weidlich wartet viel Arbeit, vor allem in Sachen Sponsorengewinnung. "Die finanzielle Lage ist angespannt. Wir suchen neue Förderer", sagte Weidlich, der im Sommer den langjährigen Vereinschef Andreas Wagner abgelöst hatte. Zur Höhe der Verbindlichkeiten wollte der neue Vorsitzende auf Nachfrage keine Angaben machen. Er bedaure, dass sich mit dem Chemieanlagenbau und der Firma KPM-Bau zwei wichtige Sponsoren zurückgezogen haben. "Die Finanzierung des Spielbetriebs in der laufenden Saison bekommen wir aber hin. Wir treten ja vorwiegend mit Nachwuchsspielerinnen an", so der Chemnitzer Gastronom, dessen Töchter in der U12- beziehungsweise U14-Mannschaft der Chemcats auflaufen. Ziel sei es, gegen Ende des Spieljahres hinsichtlich der Finanzen "durchatmen zu können". In dem Zusammenhang zeigt sich Weidlich erleichtert, dass Unternehmen wie die Sparkasse und Versorger Eins bei den Chemcats zur Stange halten. "Das sind ganz wichtige Partner für uns", sagte der Vereinspräsident. Sportlich könne das Ziel mit dieser extrem jungen Mannschaft nur Klassenerhalt lauten.

Mut sprach den Chemnitzerinnen am Samstag eine Spielerin des Kontrahenten zu: Jana Heinrich, die viele Jahre selbst das Trikot der Chemcats trug und jetzt für die Neuss Tigers aufläuft. "Es war ein schönes Gefühl, wieder mal hier zu sein. Chemnitz hat eine talentierte Truppe", meinte die 33-Jährige, die zehn Punkte gegen ihren Ex-Verein erzielte. Sportlich lässt es Jana Heinrich, die während ihrer Laufbahn von vielen Verletzungen geplagt wurde, inzwischen etwas ruhiger angehen. "Ich arbeite in Neuss als Lehrerin in Vollzeit und spiele nebenbei Basketball", berichtete die gebürtige Dresdnerin. In ihrem jetzigen Team gebe es - genau wie bei den Chemcats - nur eine Profispielerin.

Jana Heinrich war 2001 in die Nachwuchsabteilung der "Katzen", die sich damals Chemnitzer Basketgirls nannten, gekommen. Sie spielte sich später ins Profiteam, bevor sie 2005 eine große Chance beim Schopfe packte: Die Sächsin wechselte in die USA an die San Diego State University. Ein Jahr später kehrte sie aufgrund eines Kreuzbandrisses nach Deutschland zurück und erhielt in Marburg/Hessen einen Vertrag. 2010 schaffte die 1,88 Meter große Korbjägerin als Rückkehrerin mit den Chemcats den Erstliga-Aufstieg. Kreuzbandriss Nummer zwei läutete das Ende ihrer Laufbahn in der höchsten Spielklasse ein.

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