Chemnitzer rast mit über 100 Sachen durch den Eiskanal

Nachwuchs-Rennrodler Timon Grancagnolo vom ESV Lok gehört zu den großen Talenten in Deutschland. Für das kommende Jahr hat er ein ehrgeiziges Ziel.

Während andere Sportler mitten in der Saison stecken, ist für Timon Grancagnolo diese bereits zu Ende. Doch vorher machte der Rennrodler vom ESV Lok Chemnitz noch einmal von sich reden. So holte er sich bei den Deutschen Nachwuchsmeisterschaften in Oberhof die Goldmedaille. "Ein wenig hatte ich schon damit gerechnet", sagt der 15-Jährige selbstbewusst. Auch international hat der Lok-Sportler durch vordere Plätze längst auf sich aufmerksam gemacht. Jüngste Beispiele dafür waren ein sechster und ein achter Rang beim Weltcup der Junioren in Oberhof und Winterberg. Grancagnolo zählt zu den größten Rodelsporttalenten in Deutschland.

Je nach Altersklasse wird beim Rennrodeln von verschiedenen Starthöhen gefahren. "Das sind Unterschiede bis annähernd 300 Meter", erklärt Grancagnolo. Er selbst startet, wie die Erwachsenen, bereits von ganz oben. "Das muss ich, weil ich zum Nachwuchskader eins gehöre", betont der Rennrodler. Von der größten Starthöhe aus erreiche man Geschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern. "Meine bisher höchste erzielte ich in St. Moritz. Im dortigen Eiskanal kam ich auf 138 Sachen", erzählt der Lok-Sportler. Seine Lieblingsbahn sei aber die am Königssee. Sie gilt noch heute als eine der anspruchsvollsten Rodel- und Bobbahnen der Welt.

Doch Grancagnolo findet sich auf den meisten Bahnen schnell zurecht. Und seine guten Leistungen haben sich bezahlt gemacht. Seit der Saison 2018/2019 gehört der 15-Jährige zur Junioren-Nationalmannschaft. Gern hätte er an den Junioren-Weltmeisterschaften im Februar dieses Jahres in Innsbruck-Igls teilgenommen. "Aber es hat noch nicht ganz gereicht", sagt er. 2020 möchte er jedoch bei der Junioren-WM in Oberhof dabei sein. "Das ist mein großes Ziel", so Grancagnolo. Und er weiß auch, woran er noch arbeiten muss. "Das ist der Start. Dort muss ich noch schneller werden", erzählt der Rennrodelsportler.

Wie er das bewältigen kann, dazu erhält er unter anderem sogenannte trainingswissenschaftliche Unterstützung. "Dabei wird jeder Meter im Eiskanal ausgewertet", erklärt der Youngster. Seit 2014 trainiert Grancagnolo am Bundesleistungsstützpunkt in Oberwiesenthal und besucht das dortige Sportgymnasium, das auch als Eliteschule des Wintersports bezeichnet wird. "Ich gehe in die zehnte Klasse. Von den 23 Schülern haben sich lediglich zwei dem Rennrodeln verschrieben." Neben Grancagnolo ist das Pascal Kunze vom ESV Lok Zwickau.

Der Schulalltag ist ein Vollzeitprogramm. "Der Unterricht beginnt 7.10 Uhr und umfasst sieben bis zehn Stunden. Ab 14 Uhr ist Training angesagt", so der Rodler. Da bleibe nicht viel Freizeit. Dennoch: Ans Aufhören hat er noch nie gedacht. "Rodeln hat mir von klein auf Spaß gemacht, und das wird so bleiben", sagt der 15-Jährige. Leider gibt es in Oberwiesenthal nach wie vor keine Rodelbahn. Deshalb geht es meist auf die Anlage nach Altenberg. "Dass dies kein Nachteil ist, beweisen die Erfolge, die wir bisher eingefahren haben", sagt er.

Schnuppertraining Mädchen und Jungen im Alter zwischen 5 und 9 Jahren, die Interesse am Rodelsport haben, können sich mittwochs von 16 bis 17.30 Uhr in der Turnhalle der Grundschule Glösa melden.

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