Chemnitzer rollt zur Europameisterschaft

Gideon Liebmann ist der einzige Spieler aus den neuen Bundesländern, der mit der deutschen Auswahl zur Rollhockey-EM reist. Auch darüber hinaus hat er große Ziele.

Zehn Spieler umfasst der Kader, den der Rollhockey-Bundestrainer José Alexio für die U17-Europameisterschaft nominiert hat. Neun von ihnen kommen aus Teams in Nordrhein-Westfalen. Den zehnten Spieler schickt der hiesige Verein RSC Chemnitz ins Rennen: Gideon Liebmann. "In Nordrhein-Westfalen gibt es einfach die meisten Vereine", erklärt der Chemnitzer seine Ausnahmerolle.

Am heutigen Freitag bricht die Auswahl ins italienische Correggio auf. In der Stadt nahe Modena wird das Turnier ausgetragen. Der deutsche Bundestrainer hat als Ziel den Einzug ins Halbfinale ausgegeben. Eine ambitionierte Aufgabenstellung, findet Liebmann. Immerhin treffe man in der Vorrunde auf die Top-Teams aus Frankreich und Portugal. "Bei der EM im vergangenen Jahr sind wir Fünfter geworden. Das sollte wieder drin sein."

Rollhockey ähnelt dem Eishockey. Fünf Spieler pro Mannschaft, ein Torhüter und vier Feldspieler, stehen sich auf Rollschuhen gegenüber. Gespielt wird auf so ziemlich jedem ebenen Untergrund von Beton bis Hallenparkett. Ziel ist es, den kleinen mit Kork gefüllten Ball ins gegnerische Tor zu befördern, welches etwas kleiner als das beim Eishockey ist. Dass Liebmann dieser Sportart verfiel, ist bereits elf Jahre her. "Wir haben nach einer Sportart gesucht, Fußball sollte es aber nicht sein", erzählt er. "Ich fand Eishockey interessant, bin aber schnell bei der Sommervariante gelandet."

Für den Sport investiert der 15-Jährige viel Zeit. Einmal die Woche trainiert er mit der U17-Mannschaft, zweimal mit den Männern. Dazu kommen Trainingslager oder eben Turniere mit der Nationalmannschaft am Wochenende.

Gideon gilt im Verein als größtes Talent der vergangenen Jahre. Eine umfassende Förderung wie in anderen Sportarten erhält er dennoch nicht. Der Grund: Rollhockey ist keine olympische Sportart. Es fließen also weniger Gelder in den Sport als beispielsweise in Eishockey. Liebmann besucht auch keine Sportschule sondern das Agricolagymnasium und muss Sport und Schule selbst unter einen Hut bringen. Für die EM lässt er in Absprache eine Woche Unterricht ausfallen. "Das ist ja auch der Höhepunkt für mich." Immerhin: Die Kosten für die Italienreise muss er nicht selbst tragen. Weil er der einzige ostdeutsche Sportler ist, unterstütze ihn der sächsische Landesverband, berichtet der Rollhockeyspieler.

Nach der Europameisterschaft geht es für Liebmann Schlag auf Schlag weiter. Er startet gleich mit zwei Teams in die Saison: Mit einem Nachwuchsteam des RSC Chemnitz tritt der Chemnitzer in der Regionalliga an. Und trotz seines Alters von 15 Jahren spielt er auch schon im Männerbereich mit. Da bildet der RSC eine Spielgemeinschaft mit einem Team aus Gera. "Unser Ziel für diese Saison der Aufstieg aus der zweiten in die erste Liga", sagt Liebmann.

Für ihn selbst soll es wenn möglich noch weiter nach oben gehen. Eine Profi-Karriere sei vorstellbar, so Liebmann: "Dafür müsste ich aber nach Spanien, Portugal oder Italien gehen", erklärt er.

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