Das angeschlagene Frauenteam

Die Handballerinnen des HV Chemnitz stehen auf einem Abstiegsplatz. Nicht nur deshalb waren sie nach dem ersten Heimspiel des Jahres verschnupft.

Das Publikum in der Sachsenhalle feierte ihn vor dem Spiel wie einen Popstar. Nach seiner überraschenden Rückkehr zum Handballverein Chemnitz (HVC) Mitte Januar saß Thomas Sandner zum ersten Mal bei einer Heimpartie wieder auf der Trainerbank. "Ich war von dem Empfang fast schon peinlich berührt, schließlich sollen die Spielerinnen im Mittelpunkt stehen", sagte Sandner. Im Sommer 2018 hatte er sich nach 14 Jahren beim HVC verabschiedet, weil er eine Pause brauchte. "Der Akku ist leer", erklärte Sandner damals. Vor wenigen Wochen der Paukenschlag: Als sich der Drittligist von seinem Nachfolger Robert Flämmich trennte, kehrte Sandner auf Bitte des Vorstandes zu den Chemnitzerinnen zurück. "Ehrlich gesagt hatte ich nicht damit gerechnet, noch mal als Trainer beim HVC aktiv zu sein", gestand der 50-Jährige.

Sein Heimcomeback am Sonntagabend gegen die HSG Kleenheim-Langgöns aus Hessen hatte er sich sportlich allerdings anders vorgestellt. Der Auftakt war verheißungsvoll, nach zehn Minuten führte der HVC mit 6:3. Doch genauso stark, wie die Mannschaft begonnen hatte, ließ sie später nach. Am Ende hieß es 30:24 für die Gäste. Damit bleiben die Chemnitzerinnen auf einem Abstiegsplatz kleben. "Wir haben nach gutem Start unser Konzept verloren, in der Abwehr nicht mehr kompakt gestanden und Angriffe zu überhastet abgeschlossen", legte Melanie Beckert den Finger in die HVC-Wunde. Die auf fast allen Positionen einsetzbare 29-Jährige, die am Sonntag offensiv wie defensiv überzeugte, versuchte die Ursachen für den Leistungsabfall zu ergründen. "Oftmals ist es eine Kopfsache. Nach einem guten Beginn wird man leicht übermütig, will es dann zu gut machen", sagte Beckert.

Es ehrt sie, nicht auf einen anderen Grund hingewiesen zu haben: Das HVC-Team ist zurzeit nicht nur sportlich angeschlagen. Mehrere junge Damen sind von grippalen Infekten heimgesucht worden, sodass gegen Kleenheim-Langgöns einige Spielerinnen fehlten oder halb krank in die Partie gingen - so wie Anja Schulze. "Ich bin auch erkältet", sagte die 29-Jährige nach dem Spiel und hustete erst einmal. Auf der Rechtsaußenposition hatte sie zu Beginn der Begegnung dennoch ordentlich Betrieb gemacht und allein bis zur zehnten Minute drei Treffer markiert. "Der Kontrahent wirkte in der zweiten Halbzeit frischer. Uns fehlten aufgrund der Ausfälle die Wechseloptionen", resümierte Anja Schulze.

Dass die Mannschaft weit unten steht, hängt ihrer Meinung nach auch mit den personellen Turbulenzen beim HVC in dieser Saison zusammen. "Es gab viel Trubel", sagte Schulze. Schließlich seien vor dem jüngsten Trainerwechsel auch die Assistenztrainer ausgetauscht worden. Trotz allem glaubt die 29-Jährige, dass der Klassenerhalt in Liga drei noch zu schaffen ist. Die weiten Auswärtsfahrten, die vorwiegend nach Hessen führen, seien für die Mannschaft kein Problem. "Das ist einfach so, wir nehmen das hin. Da wir uns alle gut verstehen, wird im Bus viel gequatscht und gelacht", berichtete die HVC-Spielerin, bevor sie der nächste Hustenreiz unterbrach. Zu Risiken und Nebenwirkungen sollte sie am besten ihren Arzt oder Apotheker fragen.

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