Das erste Mal auf der Rennstrecke

"Freie Presse"-Redakteur Thomas Reibetanz will 2020 beim Mountainbikerennen starten. Der Weg dahin wird dokumentiert. Teil 2: Der Vor-Ort-Termin.

Echte Radfahrer grüßen mich nicht mehr. Seit dem Start des Projektes "In einem Jahr zum Heavy" vor zwei Wochen bin ich etwa 350 Kilometer gefahren - jedoch auf einem E-Bike und (noch) nicht auf einem Fahrrad ohne elektrische Antriebshilfe. Und das wird unter Radfahrern, die noch ausschließlich mit eigener Beinkraft unterwegs sind, offensichtlich nicht so gern gesehen. Während ich stets die Hand lässig vom Lenker hebe, um entgegenkommende Radler freundlich zu grüßen, senden die nach kurzer optischer Prüfung meines Untersatzes lediglich einen verächtlichen Blick zurück.

"Die Akzeptanz für E-Bikes ist unter Radsportlern noch nicht so ganz da, wächst aber stetig. Das merken wir jeden Tag", sagt Andreas Hoblik. Er führt mit seinem Bruder ein Fahrradgeschäft in Brand-Erbisdorf und gehört zu den Unterstützern meines Projektes - weshalb ich jetzt auf einem Rad der Extraklasse sitzen darf. Nachdem ich zum Start auf einem Mountainbike mit zusätzlich angebautem Akku meine Runden gedreht habe, darf ich gerade eine ganz andere Hausnummer testen: ein voll gefedertes und hochmodernes Mountainbike mit integriertem Motor, der bis 25 km/h unterstützt. "Du wirst es lieben", sagt Andreas Hoblik bei der Übergabe. Und damit hat er aber mal so was von recht.

Meine Testfahrten mit dem neuen E-Bike haben mich unter anderem dorthin geführt, wo das Projekt im kommenden Sommer seinen Höhepunkt finden soll: an den Stausee Oberrabenstein. Ich habe die vom diesjährigen Heavy 24 noch frisch zerfahrene Strecke unter die Räder genommen. Die besten Fahrer haben am vergangenen Wochenende weniger als 20 Minuten für staubige Waldwege, Schotterpisten sowie Abfahrten über Wurzeln und durch Bodenwellen benötigt. Ich lag knapp darüber - allerdings musste ich bei allen Anstiegen kaum Kraft aufwenden. Fazit also: Ohne Motor kann das heiter werden.

Dass ich mich auf eine knallharte Aufgabe eingelassen habe, ist mir auch beim Besuch des Rennens am vergangenen Wochenende sehr deutlich klar geworden. Die Spitzenfahrer sahen auch nach mehreren Stunden im Sattel noch topfit aus, rasten bei brütender Hitze hoch konzentriert um den Stausee. Und sie hatten rasierte Beine. "Kommt bei dir als Nächstes dran", sagt Eric Rudolph. Der Freiberger fährt seit vielen Jahren beim Heavy mit und konnte dieses Mal gemeinsam mit Tobias Kempa den 2. Platz bei den Zweierteams erreichen. Im kommenden Jahr werden beide in einem Viererteam an den Start gehen - eines der zwei weiteren Teammitglieder werde ich sein.

"Eigentlich ist der Kampf um einen Startplatz beim Heavy 24 schon ein Rennen vor dem Rennen", sagt Alexander Liebers. "Wenn aber ein Journalist ein Projekt startet, bei dem er von null auf hundert bei uns mitfahren will, bekommt sein Team natürlich einen Sonderstartplatz." Liebers ist gemeinsam mit Daniel Pfaff der Macher des Rennens. Dass ich im nächsten Jahr tatsächlich im Sattel sitzen werde, bezweifelt er nicht. "Das schaffst du ganz bestimmt", sagt er.

Radexperte und Mountainbiker Andreas Hoblik ist da schon etwas vorsichtiger. "Das Wichtigste ist ein Trainingsplan. Denn es wird nach Höhen und viel Training auch Tiefen geben. Und so ein Tief sollte auf keinen Fall am Rennwochenende kommen", sagt er. Damit das nicht passiert, bekomme ich auch Unterstützung von Sportwissenschaftlern der TU Chemnitz. Eine erste Leistungsdiagnostik ist für die kommenden Tage geplant.

Ansonsten besagt der grobe Zeitplan, dass es in den kommenden Wochen bei ausgedehnten Touren mit dem E-Bike bleibt. Über asphaltierte Straßen, aber auch über Stock und Stein. "Es ist wichtig, dass du viele Kilometer in die Beine bekommst und Spaß am Radfahren hast", sagt Andreas Hoblik. Bisher ist dieser Spaß noch immer vorhanden - das Projekt hat aber auch gerade erst begonnen. Und irgendwie kann ich es ja selbst nicht erwarten, bald auf ein richtiges Fahrrad umzusteigen. Denn: So schön, wie E-Bike-Fahren auch ist, es ist viel zu einfach. Ich will doch aber fit werden. Und ich will wieder von anderen Radfahrern gegrüßt werden.

Alle Texte der Serie "In einem Jahr zum Heavy 24" gibt es im Internet:

www.freiepresse.de/heavy24


24 Stunden im Sattel

Das Heavy 24 ist jährlich stattfindendes ein Geländerennen für Mountainbikefahrer rund um den Stausee Oberrabenstein. Ziel für jeden Einzelstarter oder jedes Team (Zweier, Vierer oder Achter) ist es, innerhalb von 24 Stunden so viele knapp 10 Kilometer lange Runden wie möglich zu fahren. Am vergangenen Wochenende fand das Rennen zum 13. Mal statt. Der Sieger im Einzelwettbewerb schaffte dabei 54, das beste Zweierteam 62, das beste Viererteam 66, das beste Achterteam 70 Runden. (tre)

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