Das Niners-Talent mit der besonderen Familiengeschichte

Kevin Kollmar geht mit dem Chemnitzer U-19- Team auf Korbjagd. Dabei stammt er aus einer Familie, die in einer anderen Stadt Basketball groß gemacht hat - zum Leidwesen der Niners.

Diese Partie blieb Kevin Kollmar in Erinnerung. Mit dem Regionalliga-Team der Niners ist der Nachwuchsbasketballer kürzlich in Gotha angetreten. Bei "heißer Atmosphäre" in der Halle unterlagen die Chemnitzer dem Kontrahenten. "Und ich habe sowohl Buh-Rufe als auch Applaus bekommen", berichtet Kollmar. Der Grund: Der gebürtige Gothaer war im Sommer aus dem Nachwuchsprogramm der Thüringer in das der Niners gewechselt.

Dass Kevin Kollmar Basketballer werden würde, war eine ausgemachte Sache. Schließlich stammt er aus der Basketball-Familie Gothas. Sowohl seine Mutter Astrid auch als sein Vater Dirk gingen dem Sport nach - und ohne sie wäre er wohl nie so bedeutend geworden in der fünftgrößten Stadt Thüringens. Denn die Kollmars gehörten 1998 zu den Gründern des Basketballvereins in Gotha. Mutter Astrid ist noch heute Präsidentin des Vereins, außerdem ist sie Anteilseignerin an der Oettinger Brauerei, dem vormaligen Hauptsponsor der Gothaer Basketballer. Der Club arbeitete sich von der Bezirksliga in die 2. Bundesliga hoch - und ist vielen Chemnitzer Fans noch in unangenehmer Erinnerung. Im dramatischen Finale um den Aufstieg in die Bundesliga im Frühjahr 2017 zogen die Niners gegen eben jene Gothaer knapp den Kürzeren. Kevin Kollmar hat die Partie damals live im Internet verfolgt. "In Gotha herrschte große Euphorie", erinnert er sich.

Mittlerweile ist die allerdings verflogen. Gotha hat den Klassenerhalt in der Bundesliga verpasst und wagt einen Neuanfang drei Klassen tiefer in der Regionalliga. Und Kevin Kollmar trägt nicht mehr das Trikot der Gothaer Nachwuchsbasketballer, sondern das der Niners. Im vergangenen Sommer schloss er sich den Sachsen an. Die U19 von Gotha hat sich nicht für die Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL) qualifiziert. Er habe sich deswegen nach einem anderen Club umgesehen. In Chemnitz habe ihn das Programm der Niners Academy mit der Verbindung zu Internat und Sportgymnasium überzeugt, sagt der 1,87 Meter große Spieler. "Besonders gefällt mir, dass junge Spieler in die Profimannschaft integriert werden", so Kollmar. Den Familienfrieden störe der Wechsel übrigens nicht, betont der junge Sportler: "Meine Mutter unterstützt mich bei meinen Zielen."

Sein erstes Jahr in Chemnitz ist kein leichtes. Kollmar besucht das Sportgymnasium und wohnt im Internat. Schule, Training, Essen - so sehe sein Tag aus. In der Heimat sei er nur alle paar Wochen. "Das ist aber okay, weil ich es wirklich will", sagt der 16-Jährige. Seine Mannschaft, die U 19 der Niners, spielt eine durchwachsene Saison. Erst vier Siege aus 15 Partien stehen zu Buche. In der Hauptrunden-Tabelle der Bundesliga liegt das Team nur auf dem drittletzten Rang. Gerade den Anfang der Saison habe seine Mannschaft verschlafen. Die Gründe sieht Kollmar unter anderem in dem jungen Durchschnittsalter. "Und dann hatten wir ja auch noch einen Trainerwechsel." Er sei aber zuversichtlich, dass sein Team die Klasse halte. Seine langfristigen Ziele hat Kollmar klar formuliert. "Ich bin nicht von zu Hause weggezogen, um dann nicht hochklassig Basketball zu spielen. Ich brenne für den Sport und will in die Bundesliga."


Syrischer Trainer muss gehen

Mohammed Hajjar (Foto) ist seit einiger Zeit nicht mehr Trainer der U-19-Mannschaft der Niners. Wie Konstantin Lwowsky, Sportlicher Leiter der Niners Academy, auf Anfrage mitteilte, habe die Entlassung rein sportliche Gründe gehabt.

"Wir danken Mohammed für seine geleistete Arbeit und unterstützen ihn aktuell auch bei der Suche nach einem neuen Verein", sagte Lwowsky.

Der Syrer Hajjar, der in seiner Heimat Nationalspieler war und als Trainer gearbeitet hatte, war 2015 als Flüchtling nach Deutschland gelangt. 2017 übernahm er bei den Niners den Posten des Übungsleiters der U 19.

Betreut wird die Mannschaft nun von Michael Wende, der auch zum Trainerteam der Zweitliga-Mannschaft gehört. Ihn unterstützt mit Steven Hutchinson ein weiterer Co-Trainer der Profimannschaft. Nach einem schwachen Saisonstart war das Team in Abstiegsnöte geraten, mit vier Siegen aus den letzten sechs Spielen konnte aber ein Aufwärtstrend geschafft werden. (tre)

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