Das siegreiche CFC-Team und sein Appell an die Fans

Nach dem Auswärts- erfolg gegen Altglienicke treffen die Himmelblauen am Samstag auf den Berliner AK. Im Vorfeld dieser Partie gibt es viel Wirbel, auf den die Chemnitzer Mannschaft auf ihre Weise reagiert.

Matti Langer hatte es nach dem obligatorischen Abstecher zu den Fans eilig, in die Kabine zu kommen: Nach Einbruch der Dunkelheit war es im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark merklich kühler geworden. Den Himmelblauen war dennoch warm ums Herz, denn gerade hatten sie die VSG Altglienicke 2:1 bezwungen und damit den siebten Sieg im siebten Spiel ein- gefahren.

Dass der CFC nach einem munteren ersten Durchgang in der zweiten Hälfte einen Gang zurückschaltete, erklärte Matti Langer so: "Wir wussten, dass Altglienicke nach dem Wechsel auf den Ausgleich drängen wird und wollten deshalb in der zweiten Halbzeit tief stehen, auf Konter setzen und so Nadelstiche setzen." Doch die Nadel war nicht spitz genug, ein weiteres Tor sollte nicht fallen. "Vielleicht haben wir die eine oder andere Situation im Angriff nicht optimal zu Ende gespielt. Dafür haben wir aber auch hinten nichts anbrennen lassen", fasste der 28-jährige gebürtige Erfurter das Geschehen zusammen.

Schon am morgigen Samstag geht es für ihn und seine Team- gefährten wieder um Punkte. Dann empfängt der CFC zur ungewöhn- lichen Anstoßzeit um 15 Uhr den Berliner Athletik-Klub (BAK). Im Vorfeld gab es um dieses Spiel viel Wirbel, insbesondere entfacht durch Äußerungen von BAK-Präsident Mehmet Ali Han, der wegen der jüngsten Ereignisse in Chemnitz um die Sicherheit seiner Mannschaft bangt und sogar einen Nichtantritt in Erwägung zog. Zudem hatte Han im Gespräch mit der "Freien Presse" angekündigt, sein Team sofort vom Feld zu nehmen, sollte er rassistische oder andere beleidigende Rufe auf den Rängen des Chemnitzer Stadions hören. Matti Langer zeigt sich davon äußerlich unberührt. "Wer in den vergangenen Tagen was darüber gesagt hat, ist mir egal. Wir wollen die nächsten drei Punkte holen, der Rest ist mir Wurst", betonte er.

Völlig kalt ließen die Bemerkungen des BAK-Chefs die Kicker um Cheftrainer David Bergner dann aber doch nicht. Der Mannschaftsrat richtete sich am gestrigen Donnerstag im Namen des gesamten Kaders mit einem offenen Brief an die Fans. Darin bedankten sich die Spieler zunächst für die "sensationelle Unterstützung" ihrer Anhänger im bisherigen Saisonverlauf. "Gerade in der schwierigen Phase des Umbruchs hilft uns das ungemein und macht uns gleichzeitig stolz, für Euch spielen zu dürfen", heißt es in dem Schreiben.

Diese Einheit werde im bevor- stehenden Heimspiel sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen besonders gefordert sein. "Als Chemnitzer und CFC-ler müssen wir uns momentan alle mit Anschuldigungen und Provokationen auseinandersetzen, die uns nur ablenken beziehungsweise schaden sollen. Lasst es uns gemeinsam nicht zulassen, dass man uns von unserem Weg abbringt, indem wir darauf aus der Emotion heraus eingehen!", lautet der Appell des CFC-Teams an seine Anhängerschaft. Man wolle am Samstag stattdessen wieder ein tolles Fußballfest feiern. Das hofft auch Thomas Sobotzik, Sport- und Finanz- vorstand des Regionalligisten. Er reagierte gelassen auf die Äußerungen von Mehmet Ali Han. "Das Spiel findet statt. Weder wir noch der Berliner AK können eine Begegnung absagen", stellte Sobotzik klar. Dies obliege dem Nordostdeutschen Fußball-Verband, der auch das Sicherheitskonzept bewerte und für gut befunden habe. "Wir werden gute Gastgeber sein, und ich werde Herrn Han freundlich begrüßen", sagte der CFC-Vorstand. Sobotzik lobte die Mannschaft für ihre Initiative, diesen offenen Brief zu veröffentlichen. "Es ist wichtig, sich nicht provozieren zu lassen", so der 43-Jährige.

Eintrittskarten für die Heimbegegnungen des Chemnitzer FC sind in den Shops der "Freien Presse" erhältlich.


Polizeisprecher: Kriterien eines Schwerpunktspiels nicht erfüllt

Für die Heimpartie des CFC gegen den Berliner AK sind die Kriterien eines Schwerpunktspiels nicht erfüllt. Das erklärte Andrzej Rydzik, stellvertretender Pressesprecher der Polizeidirektion Chemnitz, auf Anfrage. Ausschlaggebend für diese Einschätzung sei unter anderem die Anzahl der zu erwartenden Gästefans. "Gleichwohl sind wir in Bezug auf die Äußerungen des BAK-Präsidenten und die damit einhergehende Medienberichterstattung im Bilde", so Rydzik. Dementsprechend habe man das Kräfte-Aufgebot für dieses Spiel angepasst.

Zur Forderung des Berliner Vereinspräsidenten nach Polizeischutz für den Mannschaftsbus während der Fahrt durch Chemnitz sagte Rydzik: "Unabhängig davon, was der Präsident des BAK fordert, erfolgt seit jeher durch die PD Chemnitz bei Spielen des CFC eine entsprechende Lotsung von Mannschaftsbussen der gegnerischen Teams zum Stadion. Damit wird unter anderem gewährleistet, dass die Spiele pünktlich beginnen können." So werde es auch am Samstag sein, sobald der Bus des BAK die Autobahn verlassen hat. (ms)

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 3 Bewertungen
1Kommentare
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  • 4
    1
    mathausmike
    14.09.2018

    Eine sehr gute Reaktion der Mannschaft,einen offenen Brief an die Fans zu richten.
    Auch Sobotzik schätzt es richtig ein,dass es wichtig ist,sich vom
    Berliner AK-Chef, nicht provozieren zu lassen!

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