Der Ex-Sportvorstand, sein neuer Job und seine CFC-Bilanz

Steffen Ziffert ist neuer Geschäftsführer des Sportcenters am Stadtpark. Mit dem Profifußball hat der frühere Kicker, Trainer und Sportvorstand abgeschlossen - und geht mit seinem Ex-Arbeitgeber hart ins Gericht.

Fußball spielt hier nur eine untergeordnete Rolle, stattdessen dominieren Tennis, Squash und Fitnesssport sein Arbeitsfeld. Und anstelle von ambitionierten Profisportlern hat es Steffen Ziffert nun häufig mit Menschen zu tun, die sich in der Freizeit aus Leidenschaft bewegen und dafür kein Geld erhalten, sondern zahlen. Der langjährige Profi-Fußballer und Ex-Sportvorstand des Chemnitzer FC ist neuer Geschäftsführer des Sportcenters am Stadtpark.

Den Job als Geschäftsführer hat er zum 1. Juni angetreten. Die Sparkasse als Eigentümer habe ihn angesprochen, sagt Ziffert. "Ich bin ja auch selbst schon seit Jahren Mitglied im Center und habe kurzzeitig auch mal das Fitnessstudio geleitet." Nach zwei Tagen Bedenkzeit habe er zugesagt. "Es hat mit Sport und Menschen zu tun, das passt zu meiner Philosophie", begründet der 55-Jährige sein Ja.

Die 1998 in Betrieb genommene Sportstätte, die zweimal pleiteging und zu den größten ihrer Art in Sachsen gehört, bietet auf 17.000 Quadratmetern Plätze und Anlagen für acht Sportarten. Angeschlossen ist zudem ein Hotel. Aktuell zähle man 1400 Mitglieder, sagt Ziffert. "Die Zahl wollen wir noch erhöhen." Er wolle ehemalige und aktuell erfolgreiche Chemnitzer Sportler und Sportlerinnen für das Sportcenter gewinnen. "Das könnte beispielsweise über einen regelmäßig stattfindenden Sportstammtisch funktionieren", sagt Ziffert. Aber auch Kooperationen mit Vereinen, die vor Ort Trainingseinheiten durchführen können, seien schon geplant.

Eine Rückkehr in den Profifußball ist mit dem neuen Job erstmal ausgeschlossen - und bleibe es auch für die Zukunft, stellt Ziffert klar. "Profifußball ist nicht mehr mein Sport, damit kann und möchte ich mich nicht mehr identifizieren." Dabei hat eben dieses Geschäft sein Leben geprägt. Ziffert absolvierte Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre unter Hans Meyer Oberliga- und später Zweitliga-Partien für die Himmelblauen - seine schönste Zeit als Profispieler. Diese Karriere endete bei 1998 bei Sachsen Leipzig. Es folgten mehrere Jobs als Nachwuchstrainer, bevor Ziffert schließlich in die Leitungsebene aufstieg: erst als Sportdirektor in Aue, dann als Sportvorstand in Chemnitz. Letzteres Engagement endete nach einem Jahr im Mai 2018 im Streit mit Insolvenzverwalter Klaus Siemon. "Das Jahr als Sportvorstand in Chemnitz möchte ich eher streichen. Da war aufgrund der Altlasten von Anfang an kein normales Arbeiten möglich", sagt der 55-Jährige.

Immerhin: Er war es, der trotz Skepsis und Gegenwind den damals eher unerfahrenen Trainer David Bergner zum CFC holte. Der schaffte mit dem Team den sofortigen Wiederaufstieg. Von dem mittlerweile zurückgetretenen Fußballlehrer sei er enttäuscht, sagt Ziffert. "Ich habe ihm nach seiner Beurlaubung in Erfurt eine neue Chance im Profifußball ermöglicht. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens hat er sich sofort auf die Seite des Insolvenzverwalters gestellt und den Kontakt zu mir abgebrochen, sich nicht einmal mehr gemeldet. So etwas nenne ich charakterschwach. Aber gut, er geht seinen Weg und ich meinen."

Mit den aktuellen Debatten beim CFC beschäftige er sich nicht, sagt der Ex-Sportvorstand. "Mir tun nur die ehrlichen Fans leid, die in guten und schlechten Zeiten immer zum Verein gestanden haben." Eine Mitarbeit in seinem ehemaligen Verein komme für ihn aktuell nicht in Frage. "Dort sind mir zu viele Selbstdarsteller und Egoisten am Werk. Kommerz ist für die wichtiger als ein gesunder Verein. Da helfe ich lieber kleineren Vereinen, die mit viel bescheideneren Mitteln und Möglichkeiten gute Arbeit abliefern."

Ganz abgeschlossen mit dem Kapitel Fußball hat Ziffert aber nicht. Seit dem Winter ist er Trainer beim erzgebirgischen Kreisoberligisten Krokusblüte Drebach/Falkenbach. Was als kurze Aushilfe angedacht war, wird nun zum Dauerengagement. "Ich habe mich von meinen Spielern überzeugen lassen, weiterzumachen", berichtet der 55-Jährige. Die zwei Trainingseinheiten pro Woche seien eine willkommene Abwechslung, sagt er - auch wenn er seine Ansprüche senken und beispielsweise das Training wegen geringer Beteiligung umplanen müsse. "Es geht eben zu den Wurzeln des Fußballs zurück, wo alle Spieler noch aus der Region kommen und Fußball mit viel Herz und Leidenschaft spielen - ohne Berater und Verträge."

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