Der stille Abschied des Niners-Kapitäns

Nach zwei Jahren in Chemnitz hat Basketballer Michael Fleischmann den Pro-A-Ligisten verlassen. Ihn plagt ein gesundheit- liches Problem, das mit der vergangenen Saison zusammenhängt.

Sein Abschied war still und leise, und er fiel ihm nicht leicht. "Beim Stichwort Chemnitz geht der Daumen hoch. Wir haben uns als Familie hier sehr wohlgefühlt", sagt Michael Fleischmann. Der ehemalige Kapitän von Basketball-Zweitligist Niners Chemnitz ist mit Ehefrau Laila sowie den beiden Töchtern Linea und Milia inzwischen nach Wolfenbüttel bei Braunschweig gezogen. "Hier lebt die Familie meiner Frau. Unsere Töchter kommen in den Kindergarten beziehungsweise in die Schule. Deshalb konnten wir nicht in Chemnitz bleiben", sagt Fleischmann. Immer nur Bekannte und Freunde fragen zu müssen, ob sie die Mädchen mal abholen oder betreuen, sei kein Leben.

Der 32-jährige gebürtige Thüringer hat in den vergangenen zwei Spielserien das Niners-Trikot getragen. Nach Aussage von Vereinssprecher Matthias Pattloch sei der Vertrag mit Fleischmann nicht verlängert worden. "Auf seiner Position spielt Jonas Richter, der elf Jahre jünger ist und ab der kommenden Saison mehr Verantwortung übernehmen soll. Es war eher eine Entscheidung für Richter als gegen den Ex-Kapitän", sagte Pattloch.

Michael Fleischmann kann diese Aussage nicht nachvollziehen. "Es gab zu diesem Thema nie ein Gespräch mit dem Verein. Mir hat auch niemand gesagt, dass man mit mir nicht weitermachen will", betonte der Familienvater. Er allein habe für sich entschieden, Abschied zu nehmen. "Ich hätte auch bei einem neuen Vertragsangebot nicht weitergespielt", stellt Fleischmann klar. Klingt nach dem Ende seiner Karriere im höherklassigen Basketballsport. Und so ist es wohl auch. "Ich hatte Angebote aus der Pro-A-Liga, die ich abgelehnt habe. Seit dem 1. April habe ich keinen Ball mehr angefasst", berichtet der 2,05-Meter-Mann, der in Suhl zur Welt kam.

Er verspüre keine Lust mehr auf Profi-Basketball. Das hängt auch mit gesundheitlichen Schwierigkeiten zusammen, die in der Vorsaison bei den Niners ihren Lauf nahmen. "Ich habe Probleme mit dem Knie, kann nicht mal in die Hocke gehen", so Fleischmann. Im Nachhinein ärgert er sich über sich selbst, denn er sei im zurückliegenden Spieljahr drei Monate lang verletzt fürs Chemnitzer Team aufgelaufen. Die Schmerzen habe er mit Medikamenten unterdrückt. "Das war nicht clever von mir, aber als Sportler will man eben immer einsatzbereit sein", erklärte der 32-Jährige.

Die beiden Jahre, die er in Chemnitz unter Vertrag stand, hätten unterschiedlicher kaum sein können. Seine erste Saison 2016/17 bezeichnet Fleischmann als wunderschön - "die beste meiner gesamten Laufbahn mit einer wahnsinnig guten Truppe". Bekanntlich erreichte das Team von Cheftrainer Rodrigo Pastore das Playoff-Halbfinale und verpasste den Aufstieg in Liga eins nur um Haaresbreite. Was dann folgte, bezeichnet Fleischmann als sehr ermüdend, "vor allem für den Kopf". Anstatt wieder in die Aufstiegsrunde einzuziehen, mussten die Chemnitzer Korbjäger sogar lange um den Klassenerhalt bangen. "Die Spieler haben sich sehr gut verstanden, auch außerhalb des Feldes. Und jeder hatte auch eine gute Mentalität", betonte Fleischmann. Dennoch habe man sich nie richtig als Team zusammengefunden. "Die Konstellation zwischen Trainer und Mannschaft hat nicht gepasst", lautete das überraschende Resümee des Ex-Kapitäns, der sich nicht zu Details äußern wollte.

Einen besonders guten Draht hatte er zu Topscorer Malte Ziegenhagen, so Fleischmann im Rückblick. "Das ging nach dem Motto: zwei Dumme, ein Gedanke. Wir hatten uns am Anfang nur ein paar Minuten unterhalten, und schon war klar, dass wir auf einer Wellenlänge liegen", sagte der 32-Jährige. Und er ist sich sicher: Wäre Ziegenhagen in der vorigen Saison in nicht so überragender Form gewesen, hätte es für die Niners deutlich schlimmer kommen können.

Fleischmann kann sich vorstellen, in Zukunft noch bei einem Drittligisten, also in der Pro-B-Liga, weiterzuspielen. "Ich muss schließlich abtrainieren", gab der ehe- malige Chemnitzer zu bedenken. Erst einmal muss jedoch sein Knie in Ordnung kommen. Sport werde auf jeden Fall eine Sache sein, die nebenbei läuft. "Ich muss mich neu orientieren. Vielleicht kehre ich in den Beruf zurück, den ich erlernt habe", sagte Fleischmann, der einen Abschluss als Mechatroniker in der Tasche hat.

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