Deutsche Spitzenteams künftig in einem Verein

Im Chemnitzer BC haben die Goal- und Blindenfußballer, die jeweils in der höchsten nationalen Liga spielen, fusioniert. Profitieren sollen nicht nur die Topmannschaften.

Chemnitz.

Oliver Hörauf und Felix Rogge sind derzeit die prominentesten Handicap-Athleten der Region. Sie spielen dabei nicht nur in der deutschen Goalball-Nationalmannschaft, sondern gehören zu den Stützen. Im Vorjahr landete die Auswahl mit dem Gewinn von WM-Silber den wertvollsten Erfolg. Aktuell bereiten sich die Chemnitzer auf die EM, die im Sommer in Rostock stattfindet, vor. Neben den regelmäßigen Auswahllehrgängen bilden die Bundesligaturniere dabei die beste Vorbereitung. Bereits Ende des Monats (23.2.) startet vor heimischer Kulisse die neue Saison.

Dabei wird es eine Premiere geben: Erstmals gehen die sehbehinderten Akteure im Trikot des Chemnitzer Ballspielclubs (CBC) auf Punktejagd. Dieser Verein entstand nach einer Fusion mit den Blindenfußballern der Stadt. Während diese zehn Jahre als Team des Chemnitzer FC erfolgreich in der Bundesliga kickten, errangen die Goalballer ihre Erfolge - u. a. je zweimal Deutscher Meister und Pokalsieger - als Vertretung des BFV Ascota. Die Mannschaften können von jeher auf das SFZ-Förderzentrum (Berufsbildungswerk für Blinde und Sehbehinderte) als den wichtigsten Unterstützer bei der Gewährleistung des Übungs- und Wettkampfbetriebes bauen. Im Gelände befindet sich die Halle, die von beiden ohne Miete genutzt werden kann, der Großteil der Mitglieder und Betreuer arbeitet oder absolviert die Ausbildung in der Einrichtung. Die Trainer und Athleten kennen sich gut, tauschen sich aus. Einige Spieler sind für beide Teams aktiv.

"Die Idee, einen selbständigen Verein zu gründen und alles in die eigenen Hände zu nehmen, gibt es schon länger. Der Prozess der Umsetzung war spannend und anstrengend zugleich", berichtet Stephan Klose, der als Chef die Geschicke leitet und in den zurückliegenden Monaten überwiegend den bürokratischen Aufwand bewältigte. Der 36-Jährige, der im SFZ als Brailleschrift-Übersetzer arbeitet, ist mehr hobbymäßig im Goalball aktiv, gehörte aber 2006 auch zu den Mitbegründern der Fußballmannschaft. Er kennt sich also in beiden Metiers aus und ist sich mit seinen Mitstreitern sicher, dass die Teams bei den verschiedensten Dingen bis hin zur Sponsorengewinnung profitieren, das Zusammenwirken sich nun noch enger gestaltet.

Froh sind dabei alle, dass mit dem Verständnis der Konkurrenz die Goalballer weiterhin in der höchsten Liga spielen dürfen. "Wir haben alle Landesverbände angeschrieben, es hatte keiner etwas dagegen", erklärt Stephan Klose. Normalerweise müsste das Team bei einem Vereinswechsel wieder neu in der Zweiten Liga anfangen. "Aber mit zwei Nationalspielern in unseren Reihen wäre das auch mit Blick auf die EM schwachsinnig", stellt er klar.

Ähnliche Probleme haben die Fußballer derzeit nicht zu bewältigen. Nach verschiedenen Unwägbarkeiten in der vergangenen Bundesligasaison und wegen der - nach einigen Abgängen - Umbesetzung der Truppe ist eine weitere Serie in der höchsten Liga erst einmal nicht geplant. Vor allem bei verschiedenen Einladungsturnieren, auch auf internationaler Ebene, soll der spielerische Neuaufbau, der für ein entsprechendes Niveau auch viel Geduld erfordert, gelingen.

"Unter einem Dach können wir viele Dinge gemeinsam in Angriff nehmen, uns auch stärker in der Öffentlichkeit präsentieren", wertet Michael Falb, Trainer der Blindenfußballer und Erzieher im SFZ. Er nennt auch einige Vorhaben die über den Spielbetrieb hinweg mögliche wären. Dazu gehören ein Tag der offenen Tür oder Angebote für Reha- oder Mitarbeitersport. Der CBC will von sich reden machen.

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