Die emotionale Rückkehr des einstigen Aufstiegstrainers

Mike Taylor hat die Niners 2002 in die Zweite Bundesliga geführt. Nun war er als Trainer der Hamburg Towers zu Gast in Chemnitz - und äußerte einen großen Wunsch.

Er schüttelte Hände, wurde immer wieder umarmt und sogar von den Fans des Gegners gefeiert: Der Hamburger Trainer Mike Taylor erlebte beim Zweitliga-Gastspiel seines Teams in der Chemnitzer Hartmannhalle am Sonntagabend eine emotionale Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte. Der US-Amerikaner war nach Spielende guter Laune - trotz der Niederlage seiner Mannschaft, die sich den Chemnitzer Korbjägern im Spitzenspiel mit 79:90 geschlagen geben musste. "Es bereitet mir viel Freude, hier zu sein", sagte er auf der Pressekonferenz vor den Anhängern der Chemnitzer. Deren Applaus war ein Zeichen von Dankbarkeit. Dankbarkeit, die der Chemnitzer Trainer Rodrigo Pastore in Worte fasste: "Dass wir heute hier sind, ist auf seine Leistung zurückzuführen", sagte Pastore über Taylor.

Der 46-Jährige hatte die Niners in der Spielzeit 2001/02 in die Zweite Liga geführt - und das gleich in seiner Premierensaison als Cheftrainer. Taylor wurde in Pennsylvania geboren, spielte für Hochschulmannschaften des US-Bundesstaates, begann aber auch schon früh, als Trainer zu arbeiten. 2001 wagte er den Sprung nach Europa und heuerte als Chefcoach bei den Niners an, die damals noch BV TU 99 hießen. "Wir hatten eine sehr starke Mannschaft und uns intern den Aufstieg vorgenommen", erinnert sich Taylor. Der wurde erst am letzten Spieltag klargemacht. Vor 1400 Zuschauern in der Schloßteichhalle besiegten die Gastgeber den direkten Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg, den TSV Nördlingen, mit 107:95 (47:47). Taylor ging anschließend nach England, trainierte den Erstligisten aus Essex, übernahm aber schon ein Jahr später die Ulmer Mannschaft, die er acht Jahre lang coachte und 2006 in die Bundesliga führte. Im Jahr 2011, kehrte er für drei Jahre in die USA zurück, betreute parallel die Nationalmannschaften Tschechiens (bis 2013) und Polens. Als Coach des östlichen Nachbars trainierte Taylor auch Andy Mazurczak - den er 2017 nach Chemnitz vermittelte: "Rodrigo Pastore war damals bei der Nationalmannschaft zu Gast, und da habe ich Andy empfohlen."

Im Sommer übernahm Taylor das Traineramt in Hamburg. Die Hansestädter gehen offensiv mit ihrer Zielsetzung für diese Saison um. "Wir haben uns den Aufstieg vorgenommen", sagt der Coach. Seine Mannschaft ließ den Worten Taten folgen und spielt eine starke Saison. Auch beim Gastspiel in Chemnitz waren die Hamburger lange tonangebend. In der ersten Halbzeit verwandelten die Gäste acht von zehn Dreier-Versuchen. "Gefühlt haben die Hamburger jeden Wurf getroffen", so Niners-Spieler Robin Lodders. Zwischenzeitlich lag sein Team mit 14 Punkten zurück, drehte die Partie aber im dritten Viertel. Im Schlussabschnitt mussten die Hansestädter Federn lassen. "Wir haben alles gegeben, aber der Sieg der Chemnitzer war verdient. Ich bin sehr beeindruckt von ihrer Leistung. Kompliment an Rodrigo Pastore", so Taylor. Überhaupt stellte er den Niners, die die Tabellenführung in der Zweiten Liga vor den Hamburgern behaupteten, ein gutes Zeugnis aus. "Der Verein ist sehr gut organisiert und die Unterstützung der Fans ist Wahnsinn. Ich freue mich, wie sich der Basketball in Chemnitz entwickelt hat." Er machte zudem eine Ähnlichkeit im Konzept der beiden Kontrahenten aus. Beide setzten auf junge Spieler, Hamburg beispielsweise auf den erst 17-jährigen Justus Hollatz, die Niners schon länger auf den mittlerweile 21-jährigen Jonas Richter. "Die Mentalität ist in beiden Vereinen dieselbe", so Taylor.

Er ist sich sicher, dass sein Ex-Verein und sein aktueller Club in dieser Saison noch mehr als einmal (im Rückspiel) aufeinandertreffen werden - nämlich in den Playoffs: "Zu 100 Prozent landen die Niners in der Aufstiegsrunde." Und wie geht die aus? Zwei Aufstiegsplätze sind zu vergeben. "Mein Traum und mein Wunsch ist es, dass Hamburg und Chemnitz gemeinsam in die Erste Liga gehen", sagt Taylor.

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