Die Erinnerungen eines ehemaligen Weltklasse-Boxers

Jürgen Fanghänel ist bei den Chemnitzer Wölfen zu Gast gewesen. Der Olympia-Dritte von 1980 war sehr erfolgreich - nur gegen Kontrahenten aus einem bestimmten Land kam er nie zurecht.

Viele Besucher sind auf ihn zugekommen, haben ihm die Hand geschüttelt. Er war einer der prominenten Gäste beim Box-Bundesligakampf zwischen den Chemnitzer Wölfen und Nordhausen im Sportcenter am Stadtpark: Jürgen Fang- hänel. "Wenn irgendwo in der Nähe eine Boxveranstaltung stattfindet, fahre ich oftmals hin", sagt der ehemalige Schwergewichtsboxer, der in Gera wohnt. Und er hat noch immer zahlreiche Freunde in Chemnitz. So traf er im Sportcenter seinen ehemaligen Vereinskollegen Stefan Förster wieder. Beide boxten beim SC Karl-Marx-Stadt und später bei der SG Wismut Gera. Gern erinnert sich Fanghänel noch heute an die Oberligakämpfe im Speisesaal des VEB "8. Mai" in Chemnitz.

Zum ersten Mal im Boxring stand er allerdings in seinem Geburtsort Limbach-Oberfrohna. Bei der dortigen BSG Fortschritt hatte Übungsleiter Horst Schmiedel Fanghänels Talent als Boxer entdeckt. Dabei hatte der heute 65-Jährige am Anfang mit dem Faustkampf gar nichts im Sinn. "Ich spielte Handball. Zudem wollte ich Bobfahrer werden, das war aber mehr ein Kindheitstraum." Dass er sich letztlich für die richtige Sportart, das Boxen, entschieden hat, zeigten seine Erfolge. So wurde er achtmal DDR-Meister.

Fanghänel gehörte über viele Jahre hinweg sogar zur Weltspitze im Schwergewichtsboxen. Ab Anfang der 1970er-Jahre zählte er nahezu zehn Jahre lang zu den Stammgästen aller internationalen Meisterschaften. "Meine größten Erfolge waren die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau sowie ein zweiter und dritter Platz bei Weltmeisterschaften", so der 65-Jährige. An einem besonderen Kampf erinnert er sich nicht - aber gegen Boxer aus der ehemaligen Sowjetunion sei er nicht gern in den Ring gestiegen. "Mit denen hatte ich die größten Probleme. Ich kam mit deren Kampfstil nie hundertprozentig zurecht", sagt er im Rückblick. Doch der größte Gegner für die DDR-Sportler sei der Klassenfeind gewesen. "Diesen Satz haben wir uns zigmal anhören müssen. Ein Sieg über einen Sportler aus dem Westen hatte doppelten Wert. Eine Niederlage war fast so etwas wie Verrat", erinnert sich Fanghänel.

Er musste bei der Welt- und Europameisterschaft zweimal gegen Peter Hussing aus der Bundesrepublik Deutschland antreten. "Das Duell endete unentschieden - jeder gewann und verlor einen Kampf", sagt der Geraer. Man sei zusammen in den Ring gegangen, fightete - das war's . "Dann schnell ein paar Worte, wie ,schönen Tag' und ,weiter viel Erfolg'. Mehr durfte man nicht. Miteinander zu reden war verboten", erzählt der Geraer.

Aber das Miteinander mit Boxern aus der BRD hätte Fanghänel haben können. "Ich bekam Angebote aus dem Westen, habe alle abgelehnt. Es war immer gefährlich, auf so etwas einzugehen. Wenn dich Fremde mit Geldscheinen lockten, hätten es auch Leute von der Stasi sein können", sei immer sein Hintergedanke gewesen. Nach der Wende verschlug es Fanghänel dann doch mit seiner Frau Ute in die Altbundesländer. "Die neue Heimat war in der Nähe von Gelsenkirchen. Ich arbeitete auch kurze Zeit als Trainer in einem Boxverein. Aber viele dort glaubten, ich nehme einigen die Arbeit weg. Zudem hatte ich andere Trainingsmethoden, die nicht allen gefielen", so Fanghänel. Also hieß es, sich etwas Neues zu suchen. So bekam er einen Job als Erzieher in einem Jugendheim.

Seit dem vergangenen Jahr wohnt er wieder in Gera. Und bis heute hat ihn das Boxen nicht losgelassen. "Ich helfe ab und zu als Trainer bei den Männern oder beim Nachwuchs des Boxclubs Wismut Gera aus", sagt er nicht ohne Stolz.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...