Die grandiose Rückkehr des Kapitäns

Nach knapp einem Jahr Pause hat Wölfe-Boxer Philipp Gruner wieder einen Bundesligakampf bestritten - und der war mehr als eindrucksvoll.

Schon bei der Vorstellung der einzelnen Akteure zu Beginn des Wettkampfes bekam er von den rund 450 Zuschauern viel Beifall: Philipp Gruner vom Box-Club Chemnitz. Der 28-Jährige ist nach wie vor der Publikumsliebling. Deshalb hatten viele Fans den Staffelkapitän vermisst. Grund für die Pause war seine Berufsausbildung. Nach knapp einem Jahr stand der Superschwergewichtler der Wölfe am Samstag im Sportcenter am Stadtpark beim Bundesliga-Duell mit der Kampf- gemeinschaft Hanau/Darmstadt wieder im Ring.

Und er zeigte, dass er nichts verlernt hat. Schon in der ersten Runde setzte der Chemnitzer gegen seinen Kontrahenten Alireza Zandi Aliabadi die deutlicheren Treffer, nutzte vor allem seine Reichweitenvorteile aus. "Ich hatte dennoch ein wenig Bammel, dass ich nach so langer Auszeit ordentlich in den Kampf finde. Denn das Training ist in der vergangenen Woche nicht optimal gelaufen, da ich mich einige Tage mit Halsschmerzen herumplagen musste", berichtete Gruner. Aber davon war im Ring nichts zu spüren. Der Wölfe-Boxer ließ seinem Gegner auch in den restlichen zwei Runden keine Chance und gewann den Kampf. Gruner trug damit zum 14:10-Heimsieg der Chemnitzer bei. Somit bleiben die Wölfe auf Platz zwei in der Staffel Süd.

"Ich freue mich über den Sieg, der völlig verdient gewesen ist. Stolz bin ich vor allem darauf, dass ich mich auf nichts eingelassen und sehr diszipliniert geboxt habe", betonte der 28-jährige Gruner. Er zwang seinen Gegner immer wieder in die Seile und setzte klare Treffer. Vor allem seine lange Rechte brachte seinen Kontrahenten oftmals in Schwierigkeiten. "Aber ich hatte auch zwei Aufwärtshaken gefangen. Da habe ich gedacht: Jetzt musst du noch ein wenig zulegen", betonte der Chemnitzer Faustkämpfer. Und er tat das eindrucksvoll - der Hanauer kam kaum zum Luftholen. "Mit ausschlaggebend für den Sieg war, dass mein Gegner nicht variabel genug war. Deshalb hat er mir das Leben nicht ganz so schwer gemacht", resümierte Gruner.

Er habe sich gefreut, wieder im Ring zu stehen. "Es war für mich schon eine lange, aber auch ungewohnte Zeit, nicht zu boxen", gab der Chemnitzer zu. Aber irgendwann müsse man seine Berufs- ausbildung mal zu Ende bringen, so der 28-Jährige. Und die hat er jetzt als Industriemechaniker im Kasten. "Natürlich hätte ich auch in den vergangenen Monaten trotz Lehrzeit ab und zu in der Bundesliga boxen können. Doch das war mir vor den Prüfungen zu riskant, denn wie schnell kann man sich im Ring eine langwierige Verletzung zuziehen", sagte der Wölfe-Boxer. Trotzdem hielt er sich während der sport- lichen Auszeit fit. "Ich bin immer aktiv gewesen, habe unter anderem Krafttraining absolviert."

Obwohl er bisher nie ans Auf- hören gedacht habe, wird Gruner in Sachen Boxen voraussichtlich ein wenig kürzer treten. Das hänge einzig und allein mit seinem künftigen Beruf, der jetzt im Vordergrund steht, zusammen. "Als Industrie- mechaniker ist man auch ab und zu mal auf Montage. Da kann ich dem Boxsport nicht mehr so intensiv nachgehen, werde ihn wahrscheinlich nur als Hobby betreiben. Doch wie es in einem halben Jahr genau aussieht, kann ich heute noch nicht sagen", so der Chemnitzer. Seit 14 Jahren hat er sich dem Boxen verschrieben. "Meine größten Erfolge waren der deutsche Meistertitel 2011 sowie ein dritter Platz bei den Militär-Weltmeisterschaften", erzählte Gruner.

Bei den Wölfen fühle er sich nach wie vor sehr wohl. "Deshalb freue ich mich, dass wir in dieser Saison mit Platz zwei wieder eine hervor- ragende Leistung zeigen, auch wenn wir einige Verletzte hatten und nicht immer in Bestbesetzung antreten konnten", so der 28-Jährige. Auch er würde sich wünschen, dass anstatt von Gastboxern mehr junge Akteure aus dem Verein eingesetzt werden könnten, um diese zu fördern. "Aber das geht in der Bundesliga nicht, die ist für die Nachwuchsboxer zu stark", begründete Gruner.


Meinungen zur Saison der Wölfe

Stefan Förster, Ex-Box-Europameister (67 Jahre): Wenn ich die vergangenen Jahre betrachte, bin ich schon ein wenig überrascht, dass die Wölfe jetzt wieder so gut in der Bundesliga dastehen. Die Entwicklung kann ich nur gutheißen. Besser wäre es aber, wenn die Chemnitzer mit noch mehr Eigengewächsen antreten würden. Doch das ist sicher in der Ersten Liga kaum machbar.

Lothar Liebig (78): Es ist okay, dass die Wölfe in der Ersten Liga derzeit auf Rang zwei stehen. Überhaupt finde ich es äußerst positiv, dass in Chemnitz Bundesliga geboxt wird. Ich habe jedoch oftmals das Gefühl, dass es in vielen Gewichtsklassen viel zu wenig gute Boxer gibt. Etwas verwirrend ist, dass bei jedem Heimkampf immer neue Namen im Chemnitzer Team auftauchen. Man weiß als Zuschauer gar nicht, woher die kommen.

Steffen Bogalla (78): Ich gehe seit 28 Jahren zum Boxen. Mit dem derzeitigen Abschneiden der Wölfe bin ich zufrieden. Sie haben sich bisher sehr wacker geschlagen. Schade ist lediglich, dass mit Philipp Gruner nur noch ein Chemnitzer im Team ist. Mit den vielen anderen Namen kann man sich nicht richtig identifizieren.

Harald Janschewski (67): Ich muss den Hut ziehen vor der Leistung der Chemnitzer. Es gibt in der Bundesliga keine konstant besetzten Mannschaften. Deshalb ist es umso erfreulicher, wie die Verantwortlichen der Wölfe immer ein erfolgreiches Team zusammenstellen. Auffallend ist, dass immer weniger Deutsche in Liga eins in den Ring steigen. (bew)

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