Die neue Stimme des CFC: "Jetzt bin ich glühender Fan"

Wenn der Chemnitzer FC am Sonntag zum ersten Heimspiel in der 3. Liga aufläuft, wird Kati Huhn die Teams begrüßen und die Spielstände ansagen. Der Start in ihren neuen Job als Stadionsprecherin war für die Moderatorin vor vier Monaten jedoch alles andere als einfach.

Es war der 23. März dieses Jahres, als plötzlich eine weibliche Stimme aus den Boxen des Stadions an der Chemnitzer Gellertstraße erklang. Auf dem Feld standen sich Regionalliga-Spitzenreiter Chemnitzer FC und die inzwischen abgestiegene Mannschaft von Budissa Bautzen gegenüber - eigentlich eine klare Angelegenheit für die Heimmannschaft, bei der jeder Stadionsprecher viel Grund für fröhliche Ansagen hat. An diesem Samstag aber war alles anders.

Das Spiel stand unter besonderer Beobachtung durch Verbände und Medien, weil an gleicher Stelle zwei Wochen zuvor eines verstorbenen Neonazis öffentlich mit einer Zeremonie gedacht worden war. Infolge- dessen wurde auch der langjährige Stadionsprecher Olaf Kadner vom Verein freigestellt - weil er es war, der die kurze Trauerrede auf den Verstorbenen verlas.

Bis heute betont Kadner, dass er an der Entscheidung, die Zeremonie durchzuführen, nicht beteiligt war. Und er sagt, ihm sei von Vereinsseite versichert worden, dass der von ihm verlesene Text mit allen Behörden abgesprochen und so genehmigt gewesen sei. "Und dennoch war das Verlesen dieses Textes nach 22 Jahren das Ende meiner Tätigkeit als Stadionsprecher des CFC", sagt Olaf Kadner heute. "Seitdem hat sich bei mir keiner mehr vom Verein gemeldet."

Da der Spielbetrieb auch nach den Vorkommnissen Anfang März weitergehen musste, brauchte der CFC einen neuen Sprecher - und wurde bei einer Radiomoderatorin fündig. Kati Huhn, gebürtige Rochlitzerin und vielen Hörern von Sendungen bei verschiedenen sächsischen Rundfunkstationen bekannt, übernahm am 23. März erstmals das Mikrofon. Viel anzusagen hatte sie beim zähen 1:0-Sieg des CFC nicht. Doch jedes Wort, das sie damals sagte, wurde mit gellenden Pfiffen aus der Südkurve übertönt. Die Fans zeigten sich auf diese Weise solidarisch mit Huhns Vorgänger Kadner.

"Dass ich bei meinem ersten Spiel ausgepfiffen wurde, habe ich den Fans nicht übel genommen. Ich wusste ja, dass es nichts mit mir zu tun hat. Jedem anderen an meiner Stelle wäre es genauso ergangen", sagt Kati Huhn rückblickend. "Ich habe mir damals nur gedacht: Jetzt erst recht! Und ich habe einfach weitergemacht." Dabei halfen der 44-Jährigen auch 20 Jahre Erfahrung beim Radio, wo sie auch nicht immer nur wohlwollende Kritik wegstecken musste. "Dass es von so vielen Leuten auf einmal und in so einer Lautstärke kam, war natürlich eine andere Hausnummer", sagt Huhn. "Aber mittlerweile haben wir uns ja gefunden."

Die Stadionsprecherin habe in den vergangenen Wochen viele positive Reaktionen erhalten, sagt sie. "Deshalb freue ich mich auch, dass der CFC die Zusammenarbeit mit mir fortsetzen möchte. Und ich freue mich sehr auf das erste Heimspiel gegen Mannheim am kommenden Sonntag." Dafür reist sie übrigens aus Leipzig an, wo Kati Huhn seit vielen Jahren wohnt. Beruflich ist sie derzeit in Berlin tätig, wo sie für das Schlager-Radio B2 eine Nachmittagssendung moderiert.

Bleibt noch eine Frage offen: Ist Kati Huhn eigentlich Fußballfan? "Ja", sagt sie. "Ich habe früher schon immer mit meinem Opa DDR-Oberliga geschaut und war natürlich gegen den BFC Dynamo. Und seit ein paar Monaten bin ich glühender CFC-Fan."

Bewertung des Artikels: Ø 2.8 Sterne bei 4 Bewertungen
7Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    2
    franzudo2013
    20.07.2019

    Die Verantwortlichen sind einfach feige. Statt den Sprecher zu rehabilitieren, wird eine neue Personalentscheidung auf Lügen aufgebaut. Das geht am Ende nicht gut.

  • 4
    6
    thombo01
    19.07.2019

    Ostkar: Was ist denn passiert? Man hat in erster Linie einem verstorbenen MENSCHEN gedacht.

  • 5
    3
    AliceAndreas
    19.07.2019

    Ich verstehe trotz 09.03. nicht was an der Meinung "Kadner fand ich besser als Huhn" zu kritisieren ist.

    Eher ist zu kritisieren das man einen Stadionsprecher entlässt weil er einen Text vor liest den er vorlesen soll.

  • 4
    8
    osgar
    19.07.2019

    Wer sich erinnert was am 9.3. im Stadion und später um dieses Ereignis passiert ist und wie das auch hier diskutiert wurde, kann mit dem Sarkasmus schon was anfangen @Alice.
    Und das sind sicher die meisten hier, egal wie der Einzelne dazu steht oder das verarbeitet hat.

  • 9
    6
    AliceAndreas
    19.07.2019

    Was ist denn an der Aussage das einem der alte Stadionsprecher lieber war so schlimm das man sarkastisch eine Kurve kritisieren muss?

    Zumal er ja auch auf der VIP sitzen kann ... geht ja aus der Aussage gar nicht hervor.

  • 11
    5
    osgar
    19.07.2019

    @toyboy waren Sie schon mal im Stadion?
    Wenn ja, wundert mich das Verhalten der Südkurve nicht mehr.

  • 4
    14
    thombo01
    19.07.2019

    Der alte Stadion Sprecher war mir lieber.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...