Die Ruhe vor dem EM-Sturm im Mittelmeer

Schwimmerin Fränzi Heinrich vom SC Chemnitz startet am Wochen- ende bei den europäischen Freiwasser-Titelkämpfen auf Malta. Dort wird es nicht zimperlich zugehen.

Ihr Lachen ist ausgelassen und ansteckend. Auch kein Wunder, dass Schwimmerin Fränzi Heinrich vom SC Chemnitz so gute Laune hat. Die 17-jährige Langstrecken- spezialistin konnte gerade bei den deutschen Freiwasser-Meisterschaften in Mölln bei Hamburg groß abräumen. Sie holte vier Medaillen, darunter Gold in der Junioren- Wertung über zehn Kilometer. Was noch wertvoller ist: In diesem Wettbewerb gewann die Sportschülerin Silber in der offenen Wertung aller Altersklassen. Ihr Trainer Steven Krüger ist stolz wie Bolle . "Die letzte Medaille einer Chemnitzer Schwimmerin in der offenen Klasse hatte es 2002 durch Nadine Pastor gegeben", betont Krüger.

Mittlerweile ist er mit seinem Schützling nach Malta gereist. In Valletta, der Hauptstadt des Inselstaates im Mittelmeer, finden am Wochenende die Junioren-Europameisterschaften im Freiwasserschwimmen statt. Für Fränzi Heinrich ist es der zweite Start bei einer EM. 2017 hatte sie bei ihrer Premiere im französischen Marseille Lehrgeld zahlen müssen, obwohl Platz elf unter etwa 30 Teilnehmern nicht von schlechten Eltern war. "Für mich hieß es, dabei zu sein und international Erfahrung zu sammeln", sagt die aus Freiberg stammende Sportlerin. Wichtigste Erkenntnis: "Es kommt darauf an, nach dem Start das Tempo der Schnellsten gleich mitzugehen. In Marseille habe ich abreißen lassen." Dies sei ein Fehler gewesen.

Fränzi Heinrich wird am Samstag zunächst beim Einzelrennen über zehn Kilometer starten. Sie ist sich im Klaren, dass es gerade kurz nach dem Start im Kampf um gute Ausgangspositionen alles andere als zimperlich zugehen wird. "Manchmal ist es regelrecht brutal. Man wird unter Wasser gedrückt, bekommt eine drüber gehauen oder Stöße in die Rippen. Die Kampf- richter können bei dem Gewusel nicht alles erkennen", berichtet die 17-Jährige. Es komme darauf an, taktisch klug zu schwimmen - "möglichst in die Welle des Vordermanns hinein", so Heinrich. Sie will diesmal eine Top-Ten-Platzierung erreichen.

Wichtig ist jedoch in erster Linie, zumindest eine der beiden deutschen Kontrahentinnen hinter sich zu lassen. Damit wäre Fränzi Heinrich für die EM-Staffel am Sonntag qualifiziert, die aus jeweils zwei jungen Damen und Herren besteht. "Zudem fahren die beiden besten deutschen Schwimmerinnen im September zur Junioren-Weltmeisterschaft nach Israel", ergänzt die Wahl-Chemnitzerin, deren Sport häufig mit Selbstüberwindung zu tun hat. Das Pensum ist für Otto Normalverbraucher kaum zu glauben. "Im vergangenen Jahr bin ich rund 2100 Trainingskilometer geschwommen", berichtet die Sportschülerin. Bei den nicht selten vorkommenden Einheiten über zehn Kilometer "tut es ab Kilometer sechs oder sieben schon weh", fügt sie hinzu. Der Sport habe aber mehr gute Seiten, weil man beispielsweise viel in der Welt herumkommt - und zurzeit gerade Malta ein wenig kennenlernt.

Vielleicht gelingt der jungen Dame in wenigen Jahren auch der große Durchbruch, sprich, die Teilnahme an Weltmeisterschaften im Erwachsenenbereich oder an Olympischen Spielen. Damit sie sich bestmöglich auf den Sport konzentrieren kann, hat sich Fränzi Heinrich zu einer Schulstreckung entschlossen. "Mein Abitur mache ich erst in drei Jahren", berichtet die Schwimmerin, die früher zunächst als Turnerin aktiv war.

Eine Pauline Schäfer oder Sophie Scheder wäre aus ihr aber wohl nicht geworden. Die Sache war dann auch schnell erledigt: Eines Tages, als sie vom Schwebebalken gefallen war, habe sie das Turnen sein gelassen. Durch eine Freundin kam die Freibergerin zum Schwimmen und blieb dabei. 2011 folgte der Wechsel zum Chemnitzer Club und der Umzug ins Internat. Wie sich herausgestellt hat, eine goldrichtige Entscheidung.

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