Dritte Heimniederlage: Niners von der Rolle

Der Basketball-Zweitligist hat vor mehr als 2400 Zuschauern gegen Phoenix Hagen überraschend deutlich verloren. Besonders ein Spieler übte Selbstkritik.

So etwas erlebt man bei einem Heimspiel der Chemnitzer Basketballer selten: Unmittelbar nach Ende der Partie verließ der Großteil des Publikums die Ränge, der sonst auch nach Niederlagen gewohnte Beifall fiel äußerst spärlich aus. Mehr als 2400 Zuschauer hatten am Samstagabend in der Richard-Hartmann-Halle eine überraschend deutliche 69:84-Niederlage der Niners gegen Phoenix Hagen erlebt. Die Gastgeber zeigten eine schwache Vorstellung, waren phasenweise völlig von der Rolle.

Nur einer wusste zu überzeugen: Jonas Richter, der mit 16 Punkten auch erfolgreichster Werfer des Tabellenführers war. Freuen über seine Leistung konnte sich das 21-jährige Chemnitzer Eigengewächs aber nicht. "Mir wäre lieber gewesen, ich hätte null Punkte erzielt und wir hätten das Spiel gewonnen", sagte der 2,06-Meter-Mann. Seine erste Analyse: "Wir waren sehr unkonzentriert, haben viele offene Würfe nicht verwandelt." Besonders zu denken gab Richter die Dreierquote seines Teams - von 24 Versuchen landeten lediglich drei Bälle im Korb. "In der Hoffnung, dass es besser wird, haben wir immer weitergeworfen", bemerkte der Niners-Profi.

Aber es wurde nicht besser, auch nicht beim Kapitän. Für Malte Ziegenhagen war der Abend besonders bitter. Er brachte keinen einzigen Punkt zustande. "Das ist heute scheiße gelaufen. Mental waren wir nicht auf der Höhe. Zurzeit fehlt das Selbstvertrauen, das wir uns wieder erkämpfen müssen", sagte Ziegenhagen, der mit sich hart ins Gericht ging. "Ich habe eine hohe Erwartungshaltung an mich selbst. Dass ich keinen Punkt erziele, geht gar nicht. Ich hätte der Mannschaft besser helfen müssen", erklärte der 27-Jährige. Zugleich versprach er: "Beim nächsten Mal mache ich es besser."

Hoffnung auf einen Heimsieg der Niners war zu Beginn des dritten Viertels aufgekeimt, als der Spitzenreiter Schwung aufnahm, seinen 40:42-Halbzeitrückstand binnen anderthalb Minuten in eine 46:42-Führung umwandelte. Ein Strohfeuer. Danach ließen die Schützlinge von Trainer Rodrigo Pastore stark nach. Fehlwürfe und ungenaue Pässe - mitunter wurden sogar Einwürfe zum Gegner gespielt - waren für die Gäste aus Nordrhein-Westfalen eine Einladung, die sie gern annahmen.

Entsprechend gequält wirkte das Lächeln von Niners-Geschäftsführer Steffen Herhold, der sich nach der zweiten Niederlage in Folge mit Kritik am Team aber noch merklich zurückhielt. "Das war heute nicht der Schritt in die richtige Richtung. Bis zu den Playoffs muss die Mannschaft wieder einiges drauflegen", sagte Herhold lediglich. Fest steht jetzt schon, dass die Chemnitzer in der Aufstiegsrunde auf den US-Amerikaner Matt Scott verzichten müssen, der sich vergangene Woche im Training einen Meniskuseinriss zuzog.


Kommentar: Nicht nachlassen!

Die Niners sind nach wie vor Spitzenreiter der 2. Basketball-Bundesliga. Und dennoch bilden sich auf mancher Fan- stirn die ersten Sorgenfalten, erst recht nach dem bedenklichen Auftritt am Samstag. Die Spiele, in denen das Team unkonzentriert und nachlässig wirkt, häufen sich. Das Selbstvertrauen scheint zu schwinden. Gegen Hagen präsentierten sich die Chemnitzer nicht wie ein Tabellenführer, sondern wirkten verunsichert und fehlerhaft wie ein Abstiegskandidat. Sollte sich dieser Negativtrend fortsetzen, wäre das für die Anfang April beginnenden Playoffs fatal. Wenn sich die Niners ihren Aufstiegstraum erfüllen wollen, müssen sie in den restlichen Spielen der Hauptrunde die Spannung hochhalten. Lässt es die Mannschaft hingegen schleifen, wird es unglaublich schwer, in den Playoffs den Hebel wieder umzulegen. Deshalb: Nicht nachlassen!

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