Ein Puzzleteil des Niners-Erfolgs: Der Ex-Soldat mit dem Adlerauge

Mit dem vierten Sieg im vierten Saisonspiel haben Basketballer aus Chemnitz die Tabellenspitze der Zweiten Liga erobert. Das gelang auch, weil Gegner Trier vorher gründlich ins Visier genommen wurde.

Er kann auch laut sein. Schließlich hat er die Ausbildung dafür. Michael Wende war Zeitsoldat und hat dort sogar die Basketball-Auswahl der Bundeswehr als Trainer unter seinem Kommando gehabt. Seine Führungsqualitäten sind aber nicht der Hauptgrund, warum er jetzt bei den Niners in Chemnitz als Assistent von Cheftrainer Rodrigo Pastore gelandet ist. "Nein, ich bin nicht gekommen, um die Jungs anzuschreien", sagt Wende und lacht. "Das ist auch gar nicht meine Art."

Der 31-Jährige verstärkt seit diesem Sommer das Trainerteam des Zweitligisten, zu dem neben Chef Pastore auch Steven Hutchinson als Co-Trainer gehört. "Während sich Hutch in erster Linie um die Arbeit mit den Jungs während der Trainingseinheiten kümmert, bin ich für die Vorbereitung auf den nächsten Gegner verantwortlich", sagt Michael Wende. Das heißt im Klartext: Videos anschauen, Spielszenen analysieren und anschließend so zusammenschneiden, dass die eigenen Spieler bei der Sitzung perfekt auf den Gegner eingestellt werden. "Bisher hat das ganz gut funktioniert, wir wurden nie wirklich überrascht und konnten meist schnell reagieren, wenn die Gegner etwas an der Taktik geändert haben", sagt Wende, der in seiner Heimat Schleswig-Holstein als aktiver Spieler mit Basketball begonnen und später in Berlin bei verschiedenen Vereinen als Trainer gearbeitet hat - vor allem im Nachwuchsbereich.

Um sich weiterzubilden, hospitierte der Inhaber der B-Lizenz einst auch bei Konstantin Lwowsky, dem heutigen Sportlichen Leiter der Chemnitz Niners. "Der Kontakt ist nie abgerissen. Und als sich jetzt die Chance bot, den nächsten Schritt zu machen und in Chemnitz zu arbeiten, habe ich nicht lange überlegt", sagt Wende, der die Bundeswehr verlassen hat, um im Profibasketball beruflich Fuß zu fassen. "Das Gesamtprojekt bei den Niners hat mir sehr gefallen, denn hier wird auch sehr viel Wert auf die Nachwuchsausbildung gelegt."

Neben seiner Arbeit als Co-Trainer der Profimannschaft ist Michael Wende auch im Jugendbereich der Niners aktiv, gehört zum Trainerteam der U 14 und der U 19. "Ich helfe hier aus, wo ich gebraucht werde, und unterstütze die jeweiligen Trainer", sagt Wende, der aufgrund dieser Tätigkeit auch nicht bei allen Spielen der Profis dabei sein kann. Wenn doch, dann kümmert er sich gemeinsam mit Steven Hutchinson darum, dass die Erwärmung der Spieler läuft und dass alle noch einmal ordentlich motiviert werden. "Während des Spiels halte ich mich dann im Hintergrund und konzentriere mich auf die Analyse des Gegners", sagt Wende.

Als die Niners am Sonntag beim 82:72 in Trier den vierten Sieg im vierten Spiel feiern und damit die Tabellenspitze erobern konnten, war Wende mit einem der Nachwuchsteams unterwegs, konnte vor Ort also nicht mithelfen. Seine wichtigsten Aufgaben hatte er ohnehin im Vorfeld erledigt, denn seine Niners waren einmal mehr perfekt auf den Gegner eingestellt. Ab dem Ende des ersten Viertels lagen die Gäste bei den starken Gladiators aus Trier immer in Führung und behielten auch in etwas schwierigeren Phasen einen kühlen Kopf. "Wir haben sehr klug verteidigt, viele Rebounds geholt und vorn immer wieder gute Würfe kreiert", sagte Kavin Gilder-Tilbury, der mit 26 Punkten herausragender Akteur der Niners am Sonntagabend war.

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